Zum Hauptinhalt springen

Märchenhaft bis ganz zuletzt

Schon wieder war Bern einen Tag lang in schwarz-gelb getaucht. Der Meisterumzug war ein entspannter Familienanlass mit den gesangsstarken Ultras an der Spitze – und einem unschönen Intermezzo im Stadion.

Was für ein Karrierenende von Steve von Bergen. Er scheint es selber nicht zu fassen.
Was für ein Karrierenende von Steve von Bergen. Er scheint es selber nicht zu fassen.
Manuel Zingg
Marco Wölfli zeigte sich auf der Bühne gerührt.
Marco Wölfli zeigte sich auf der Bühne gerührt.
Manuel Zingg
Roger Assalé stemmt den lange ersehnten Meisterpokal in die Höhe.
Roger Assalé stemmt den lange ersehnten Meisterpokal in die Höhe.
Raphael Moser
1 / 70

Die erste Band, die am Sonntag im Stade de Suisse noch vor der Präsentation der Meistermannschaft loslegte, war Wurzel 5. «Hängers wachet uf, machet Lärm für Bärn-City», tönte es aus den Boxen. Ein Partysong zum Mitgehen, der am Sonntag wortwörtlich zum Tag passte: Der Umzug durch die Altstadt und über den Aar­­gauerstalden ins Stadion, der ganze gelb-schwarze Fest­­sonntag war sehr entspannt, vielleicht ein bisschen verkatert von der Freinacht davor, ein wenig verschlafen. Aufwachen, ihr Hänger, wir haben etwas zu feiern.

Schon wieder also huldigte Bern ein Wochenende lang seinen Sporthelden, wenige Wochen nach dem Gewinn der Fussballmeisterschaft an einem spielfreien Abend, nicht lange auch nach den Jubeltagen für die Kollegen vom SCB. Nach dem Schlusspfiff am Samstag dauerte es eine Stunde, dann war der Pokal in den Himmel gestemmt, durchs Stadion getragen sowie für das Clubalbum und diverse Spielerfamilien­­alben fotografiert worden. Spieler und Fans hatten zusammen gesungen, letztere von ihren Rängen aus, dann war Feierabend, und im Stadion begann der Aufbau für den Sonntag.

Nach dem ausgebliebenen Platzsturm war klar, dass dieses Mal nicht wie bei der kollektiven Gefühlsexplosion im Vorjahr eine «Meisterlatte» – die von Fans abmontierte Latte eines Tors – durch die Stadt getragen würde, dass die Nacht weniger Geschichten schreiben würde als jene vom 28. April 2018. Dennoch fand die Freinacht ihre Anhängerinnen und Anhänger, war die Nacht gelb-schwarz, spielte Musik in den Pubs und Bars im Breitenrain und in der Altstadt.

Als sich die Festgemeinde am Sonntag ab 14 Uhr auf dem Bundesplatz erneut zu organisieren begann, war die Freinacht nicht wenigen anzusehen, wobei viele ihr Heil in Konterbieren zu suchen schienen. Vor allem aber war das Publikum bunt gemischt: Alte, Junge, ältere Paare, Kinder, sie alle bummelten los, nachdem die Spieler und der YB-Staff auf zwei offenen Trucks eingetroffen waren, nachdem Goalie David von Ballmoos die Leute begrüsst und der abtretende Captain Steve von Bergen den Fansong «We Love You» angestimmt hatte.

Zwei Stunden lang war die Altstadt danach fest in YB-Hand, eine lange Kolonne bewegte sich gemächlich vorwärts, gesäumt von Schaulustigen und staunenden Touristen. An der Spitze marschierte der Gesangsverein, die Ultras von den Stehplätzen, die das Tempo vorgaben und deren Lieder den Fans in den Nebengassen, den Wartenden und jenen in den hinteren Reihen Orientierung boten.

Im Stadion wurde noch einmal jedes Teammitglied einzeln aufgerufen und gefeiert, «We Are the Champions» gesungen, «We Love You», dann ging es bereits wieder auf der Musikbühne weiter. Dabei wollten einige nicht hören, wie Müslüm nicht zuletzt mit Blick auf das Meisterteam die Multikulturalität feierte, und warfen Becher gegen die Bühne. Selbst im grössten Freudentaumel, den ihnen zu wesentlichen Teilen junge Männer mit fremden Pässen bescherten, lebt in Köpfen anderer junger Männer also dumpfer Nationalismus.

Das Intermezzo war für die meisten wieder vergessen, als die YB-Spieler auf die Bühne kamen und angeführt von Guillaume Hoarau ein paar Lieder anstimmten. Bis spät wurde gesungen, getrunken und geschaukelt. Hängers wachet uf? Eine Stadt lebt in einem gelb-schwarzen Traum und möchte, dass er nie mehr aufhört.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch