Max, Moritz, Uwe und Pip

Uwe Schönbeck und Wieslaw Pipczynski bieten in Bern in der Cappella einen vergnüglichen Abend zu Wilhelm Busch.

Uwe Schönbeck singt Gedichte von Wilhelm Busch, dem Erfinder von Max und Moritz.

Uwe Schönbeck singt Gedichte von Wilhelm Busch, dem Erfinder von Max und Moritz.

(Bild: PD / Christoph Hoign)

Peter Steiger

Da haben sich vier zusammengetan, um allerhand Streiche auszuhecken, zwei Lausbuben und zwei, na ja, Lausemänner. Max und Moritz, sehr berühmt, Uwe Schönbeck, sehr berühmt, und Pip, etwas weniger berühmt. Aber das liegt an den vielen Konsonanten: Wieslaw Pipczynski.

«Uwe, Pip und Busch» heisst das neue Programm. Uwe Schönbeck, Schauspieler, Sänger, Bühnentier, und der Pianist Wieslaw Pipczynski waren schon beim Vorgänger «Uwe, Pip und Ringelnatz» vereint. «Uwe allein mit Heine» nannte sich der Start der Trilogie mit grossen Dichtern.

Virtuose Übeltäter

Nun also Wilhelm Busch. Uwe Schönbeck gliedert das Programm anhand der sieben Streiche der beiden populärsten Figuren des deutschen Dichters, Zeichners und Malers (1832–1908). Manche Pädagogen ahnen bei Max und Moritz Gefahren fürs Gemüt der sanften Kleinen.

Max und Moritz waren virtuose Übeltäter. Uwe und Pip sind virtuose Bühnenleute

Die beiden verüben tatsächlich schlimme Taten: Mundraub mit Hühnern bei der Witwe Bolte, Pyros beim Lehrer Lämpel. Dieser überlebt das Schiesspulver in seiner Tabakpfeife nur knapp. Das Duo endet, erzieherisch umstritten, als fein gemahlenes Viehfutter.

Max und Moritz waren virtuose Übeltäter. Uwe und Pip sind virtuose Bühnenleute. Schönbeck rezitiert, erzählt und zeigt Bilder. Der Operkünstler singt vertonte Gedichte, alles mit viel Theatralik, mal zurückhaltend, mal eindringlich. Schade, dass Wieslaw Pipczynski nicht mehr zum Zuge kommt. Er verschafft dem Programm eine weitere musikalische Dimension. Ganz gerne hätte man noch mehr gehört.

Unverwüstlicher Humor

Mit dem Hinweis, dass es nun Zeit für die Theke sei, kurbelt Schönbeck den Pausenumsatz in der Cappella an. Das kann man als versteckten Verweis auf Buschs Privatleben sehen. Er hatte ein solides Alkoholproblem.

Mehr über seine Erfolge und Hindernisse erfahren wir aus Schönbecks begleitenden Erzählungen. Busch sah sich als verkannten Maler. Seine Bilder­geschichten, mit denen er wohlhabend wurde, waren für ihn blosser Broterwerb. Er pendelte zwischen den Aufregungen der Stadt und der Einsamkeit auf dem Land.

Die Cappella bezeichnet die Produktion als literarisch-musikalisches Kabarett. Entstanden ist überdies ein reizvoller Ausflug ins 19. Jahrhundert. Wilhelm Busch kitzelt heute eher, als dass er umhaut. Immerhin: Wenn wir die Satireblätter aus jener Zeit anschauen, lässt uns der damalige Witz meist kalt. Nicht so Busch: Wohl weil er nur selten politische Aussagen macht, ist sein Humor unverwüstlich.

Vorstellungen: bis 11. Januar 2020, La Cappella, Bern.

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