Bern

Mehr als bloss ein Lausbubenstreich

BernWenn die Notbremse nicht gezogen gewesen wäre, hätte es schlimm enden können: Ein junger Mann stieg am Bahnhof Bern in einen S-Bahn-Zug und hantierte an den Hebeln im Führerstand. Dafür wurde er verurteilt.

Nur weil die Notbremse gezogen war, setzte sich der Zug nicht in Bewegung (Symbolbild/Keystone)

Nur weil die Notbremse gezogen war, setzte sich der Zug nicht in Bewegung (Symbolbild/Keystone)

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«Das war absolut gefährlich.» Der BLS-Vertreter wählte klare Worte zu dem, was an jenem frühen Morgen im März letzten Jahres passiert war. Im Bahnhof Bern stiegen zwei junge Männer in den Führerstand eines abgestellten S-Bahn-Zugs und begannen an den diversen Hebeln zu mani­pulieren. Sie stellten die Feder­speicherbremse und das Führerbremsventil auf «Lösen», legten den Steuerkontroller auf «Fahren» um – kurz, sie führten Handgriffe aus, die «vorgenommen werden, um den Zug zum Fahren zu bringen». So rapportierte die Staatsanwältin an Einzelrichterin Christine Schaer, die den Fall nun zu beurteilen hatte.

Zum Glück war auch die Notbremse gezogen, womit der Zug stehen blieb. Trotzdem blieb der Mann von der BLS dabei, dass die Sache weit mehr als ein Lausbubenstreich sei. Zumal sie sich im Umfeld einer Fahrleitung unter Hochspannung abspielte: Wer gleichzeitig fahren und bremsen wolle, riskiere einen Kurzschluss oder sogar einen Brand.

Der Angeklagte, gerade mal 20-jährig und von schlaksiger Statur, gab sich derweil reuig. Er wisse ja, dass er «unnötigen Scheissdreck» gemacht habe, wiederholte er am Donnerstag mehrfach.

Gleichzeitig versuchte er hartnäckig, sich in ein halbwegs positives Licht zu rücken. Er erzählte, die Tür zum Führerstand sei nur angelehnt gewesen. Betonte weiter, nicht er habe die Hebel betätigt, sondern der Kollege. Gut, die Notbremse habe er gezogen, doch just deshalb sei ja nichts Schlimmes passiert – in den Zug gestiegen seien sie übrigens nur, weil es kalt gewesen sei. «Das haben wir öfters so gemacht.»

Immer wieder nannte er den «schlechten Freundeskreis» von damals. Es war die Zeit nach dem schweren Beinbruch, der ihm, so jedenfalls behauptete er, mitten in der Lehre die Kündigung einbrachte. In der Folge zügelte er mehrfach, er trödelte herum, er konsumierte regelmässig Cannabis. Im Gleichschritt wurde sein Sündenregister lang und länger. Mal trat er an einem Bushäuschen und mal an einem Verpflegungsautomaten die Scheibe ein. Dann klaute er ein Töffli und fuhr bekifft herum. An den Rolltreppen im Bahnhof Bern betätigte er in einer einzigen Nacht 17-mal den Notknopf – am Ende belief sich allein der materielle Schaden auf über 10'000 Franken.

Doch das war einmal. Von seinen damaligen Freunden habe er sich getrennt, beteuerte der junge Mann. Das wiederum wollte Richterin Schaer nicht im Raum stehen lassen: Er könne nicht immer die anderen vorschieben. «Sie selber tragen die Verantwortung für das, was Sie tun.»

«Das ist lieb»

Trotzdem liess sie ihn mit einer bedingten Strafe von – allerdings happigen – 330 Tagessätzen oder umgerechnet 9900 Franken davonkommen. Die Probezeit setzte sie auf drei Jahre an. Sie wolle ihm den Neustart nicht noch erschweren, sagte sie mit Blick darauf, dass er Anfang Woche auf einem Hof im Berner Jura ein Praktikum angefangen hat. Gemeinnützige Arbeit ersparte sie ihm dagegen nicht. Alles in allem 188 Stunden wird er leisten müssen – auch deshalb, weil eine ältere bedingte Strafe nun unbedingt vollzogen wird.

Und doch endete der Handel für den Angeklagten mit einem Lichtblick. Die BLS verzichtete letztlich darauf, den ihr entstandenen Schaden von 1000 Franken einzufordern. Er wolle einfach klarmachen, dass unbefugtes Manipulieren im Führerstand «nicht geht», sagte ihr Vertreter. Worauf der junge Mann spontan reagierte: «Das ist lieb. Danke vielmals.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.01.2018, 20:40 Uhr

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