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Mehr als ein «Weisch no?»-Event

50 Jahre, 35 Musiker, zwei Konzerte, eine Szene: Bei «50 Jahre Berner Rock» sorgt die hiesige Musikprominenz im Bierhübeli für Spektakel. Ein Blick hinter die Kulissen.

Überhaupt keine «Hemmige»: Die Rapper Greis (rechts) und Baze (2. von rechts) bei den Proben zu «50 Jahre Berner Rock» mit dem Bassisten Simon Ryf (links) und dem Gitarristen Mario Capitanio im Berner Groove-Factory-Studio.
Überhaupt keine «Hemmige»: Die Rapper Greis (rechts) und Baze (2. von rechts) bei den Proben zu «50 Jahre Berner Rock» mit dem Bassisten Simon Ryf (links) und dem Gitarristen Mario Capitanio im Berner Groove-Factory-Studio.
Urs Baumann

«Mein wichtigster Berner-Rock-Moment: Das war, als Polo Hofer Mitte der 80er-Jahre im ‹Lorenzini› zu mir sagte, er brauche eine Band für ein Konzert – ob ich dabei sei. Ich wusste es damals nicht, aber das hat mein ganzes Leben beeinflusst. Ich wurde dadurch wirklich ein Berner Rocker!» (HP Brüggemann)

«Wohäre geisch?», röhrt Sänger Bubi Rufener mit rauer, kräftiger Stimme. Baze rappt, cool an einen Barhocker gelehnt. Sein Kumpel Greis setzt ein, quirlig, verspielt. Der satte Sound sitzt, geprägt von HP Brüggemanns Piano. Inmitten eines Gewirrs aus Kabeln, Instrumenten und Verstärkern im Berner Groove-Factory-Studio des Plüsch-Drummers «Bali» Balajew proben die Musiker konzentriert für die beiden ausverkauften «50 Jahre Berner Rock»-Konzerte vom Freitag und Samstag im Bierhübeli. Brüggemann, seit 25 Jahren Wegbegleiter von Mundartrock-Übervater Polo Hofer und Musical Director der Konzerte, hat Musiker von Patent Ochsner, Plüsch und Roots 66 zusammengetrommelt. Sie werden im Bierhübeli den Mundartrockteil bestreiten – mit illustrer Gästeschar, darunter Polo, Büne Huber, Kutti MC und Span.

«Wir wollten Abwechslung»

Die Kultfiguren des Berner Rock singen je ein Lied eines anderen Musikers und ein eigenes. «Wir wollten nicht einfach ein paar Gäste einladen. Wir wollten etwas Spezielles», sagt Brüggemann. Abwechslungsreich soll es sein, ungewöhnlich. So singt Jaël von Lunik ein Lied von Fritz Widmer, Büne Huber einen Züri-West-Song.

In der nüchternen Studioumgebung stimmen Baze und Greis gut gelaunt Mani Matters «Hemmige» an, die Band gibt im pfiffigen Arrangement das hohe Tempo vor. Die Abstimmung klappt problemlos – auch als kurzfristig beschlossen wird, den Schluss abzuändern und ein Gitarrensolo anzufügen. Den Einbau einer «wilden Beat-Box-Session» schlägt Greis aber nur zum Spass vor. «Gut so?», fragt am Ende HP Brüggemann. «Für üs isch vollkomme easy», antwortet Baze.

«Eine Herausforderung» nennt Brüggemann die Konzerte. Kein Wunder: An drei Probetagen werden mit einem Dutzend Gästen zwanzig Songs eingeübt. «Zum Teil sind die Arrangements ziemlich schräg – etwa diejenigen von Dänu Extrem», führt der Pianist aus. Es warte «no chli Stress» auf ihn – aber er habe ein gutes Gefühl: «Ich habe mit den meisten schon mal zusammengespielt.» Spannend sei die Vielfalt der Berner Szene: «Das kommt mir ein bisschen vor wie in New Orleans. Auch dort pflegt man seine Sachen – und es ist weniger das grosse internationale Business.»

Der Beat der frühen Jahre

«Mein wichtigster Berner-Rock-Moment: Das war das erste grosse Konzert, das ich miterlebte – Rumpelstilz 1976 auf dem Bundesplatz. Ich war 15, ein Roadie tanzte als Teddybär auf der Bühne, das Konzert war gigantisch.» (Samuel Mumenthaler)

In einer Privatwohnung in Bern trifft sich die Band Backbeat mit Drummer Samuel Mumenthaler. Legt los, lässt den Beat der frühen Jahre vom Stapel. Das einstige Züri-West-Mitglied – «Eines frühen Morgens im Jahr 1984 haben wir formal beschlossen, eine Band zu gründen – ein euphorischer Moment!» – ist Mitorganisator der «50 Jahre Berner Rock»-Events und Autor der Zeitungsserie, aus der nun ein Buch und eine CD entstanden sind (siehe Text unten). Im ersten Konzertteil will er mit Backbeat und Chessy Weaver, Wale Stettler oder dem jungen Rock-’n’-Roller Skinny Jim Tennessee das Feuer der Gründerjahre neu entfachen. «Wir kommen zusammen und spielen, wühlen im gemeinsamen Fundus», schwärmt der Schlagzeuger. Für die Organisatoren war allerdings wichtig, dass die Konzerte nicht die bekannten nostalgischen «Weisch no?»-Events kopieren. Sondern dass eine generationenumspannende Mischung entsteht, bei der eben etwa auch Rapper wie Greis und Baze dabei sind. Samuel Mumenthaler wünscht sich «kein Schultergeklopfe, aber eine ausgelassene Feier!». Und die hat sich der Berner Rock nach 50 spannenden Jahren wahrlich verdient.

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