Mehr Platz, drinnen und draussen

Münsingen

Das Psychiatriezentrum Münsingen eröffnet eine neue Station für Menschen, die an Demenz oder Verwirrtheit leiden. Sie verfügt auch über einen Garten.

Chefarzt Christian Kämpf und Pflegeleiterin Katharina Lüthi im Garten der neuen Station. Foto: Christian Pfander

Chefarzt Christian Kämpf und Pflegeleiterin Katharina Lüthi im Garten der neuen Station. Foto: Christian Pfander

Johannes Reichen

Im Haus 43 des Psychiatriezentrums Münsingen (PZM) herrscht Ordnung und Klarheit. Die Wände in den Gängen und Zimmern sind hell und sanft, die Böden dunkel. Die Zimmer sind karg eingerichtet: ein oder zwei Betten, ein Tisch, Stühle, ein Schrank. Die Polstersessel auf den Gängen sind pastellfarbig und weich, der Garten hinter dem Haus ist grosszügig, schattig und lauschig.

Im Haus 43 werden bald Menschen leben, deren Welt nicht in Ordnung ist. In deren Leben keine Klarheit herrscht.

Bisher zu klein

Anfang nächster Woche wird im PZM eine neue Demenz- und Delirstation eröffnet. Am Dienstag wurde sie Interessierten gezeigt. 28 Plätze bietet sie für Menschen, die an Demenz erkrankt sind, an einem Verwirrtheitszustand (Delir) leiden oder an psychischen Erkrankungen, die atypisch verlaufen. Die allermeisten Patienten sind älter als 65 Jahre. Der Aufenthalt in der Station dauert etwa vier bis sechs Wochen.

Schon bisher betrieb das Psychiatriezentrum eine Demenz- und Delirstation. «Sie war zu klein und nicht optimal», sagt Christian Kämpf, Chefarzt der Klinik für Alters- und Neuropsychiatrie, einer von drei Kliniken am PZM. Beispielsweise hatten die Patienten keinen Zugang zum Garten. Vor zwei Jahren begann deshalb die Planung. Schliesslich wurde die Station innerhalb des PZM gezügelt, vergrössert und auf zwei Stöcke verteilt. Die Kosten für den Umbau betrugen 2,5 Millionen Franken.

Die Krankheiten

Bei Demenz und Delir handelt es sich um verschiedene Krankheiten mit oft ähnlichen Krankheitsbildern. Diese äusserten sich einerseits durch eine Störung des Gehirns, was sich beispielsweise in der Sprache, dem Gedächtnis, der Motorik oder dem Sozialverhalten zeige. Anderseits zeigten die Patienten eine ausgeprägte Verhaltensstörung. «Das führt dazu, dass sie nicht mehr daheim oder in einem Pflegeheim leben können.»

«Es lohnt sich, eine Umgebung zu schaffen, in der den Patienten wohl ist.»Christian Kämpf, Chefarzt Klinik für Alters- und Neuropsychiatrie am PZM

Für ein Delir gebe es verschiedene Risikofaktoren, sagt Kämpf. Dazu gehören etwa Stress, Depressionen, Seh- oder Hörbehinderungen, Operationen, auch Alkoholentzug oder Schmerzen. Ältere Leute und Männer haben ein höheres Risiko als Jüngere und Frauen. Ein Delir ist heilbar. Dafür müsse man die Ursache kennen und behandeln, auch mit Medikamenten.

Eine Demenz hingegen lasse sich nicht verbessern, wohl aber das Verhalten der Patienten. Dies passiere dadurch, dass Fachleute verschiedener Disziplinen zusammenarbeiteten. «Es lohnt sich auch, eine Umgebung zu schaffen, in der den Patienten wohl ist.» Deshalb sei auch der Garten wichtig. Er bietet Raum und Freiheiten.

Keine Kaffeemaschine

Für die Betreuung der Patienten stehen 28 Vollzeitstellen zur Verfügung. Manche Eintritte können geplant werden. «Neu nehmen wir aber auch nachts Notfälle auf», sagt Katharina Lüthi, Pflegeleiterin in der Klinik. Die meisten Notfälle werden in der Regel Spitälern zugewiesen, beispielsweise weil sie aggressiv sind. «Wir versuchen, dass sich die Patienten in einer schwierigen Phase einigermassen wohl und sicher fühlen können.»

Deshalb sind auch die Zimmer übersichtlich eingerichtet. «Es kann einen dementen Menschen verwirren, wenn da noch eine Kaffeemaschine steht.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt