Zum Hauptinhalt springen

Mehrfamilienhäuser im Grünen

Wieso stehen in einer Zeit, in der alle das Kulturland schützen wollen, auf einer Matte im Thalgut Profile? Nun, Gerzensee hat noch eine alte Ortsplanung.

Bauernhäuser, Obstbäume – und künftig Mehrfamilienhäuser?
Bauernhäuser, Obstbäume – und künftig Mehrfamilienhäuser?
Christian Pfander

Alle reden von der neuen Raumplanung. Davon, dass das Kulturland knapp und wertvoll sei und geschont werden müsse. Davon auch, dass die Dörfer nicht mehr weiter derart ins Grüne wuchern sollten wie in der Vergangenheit. «Verdichten nach innen» lautet das Credo bei Behörden und Planern, und das heisst: Künftig sollen auf der heutigen Siedlungs­fläche mehr Leute wohnen.

Ein langer Bremsweg

Und nun das. Auf einer Matte im Thalgut stehen zum zweiten Mal innert kurzer Zeit Profile. Im Weiler, der an der Autobahn bei Wichtrach liegt, aber bereits zum höher gelegenen Gerzensee gehört, soll gebaut werden. Daran lassen die neuerlichen Aktivitäten keinen Zweifel.

Zwar geht es diesmal nicht mehr um Einfamilien-, Doppel-, oder Dreifachhäuser. Anders als vor gut einem Jahr deuten die Profile grosse Baukörper an: Am sanften Hang, wo Bauernhäuser, Obstbäume und etwas Gewerbe das Bild prägen, entstehen zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt zwölf Wohnungen.

Mehr lässt sich im Moment nicht in Erfahrung bringen. Die Gemeinde hält sich mit Informationen völlig zurück, weil das Baugesuch zwar eingereicht, aber noch nicht publiziert ist.

Wie ein solches Vorhaben zur aktuellen politischen Diskussion passt? «In der Raumplanung ist der Bremsweg lang», klärt Daniel Wachter als Chef des kantonalen Amts für Gemeinden und Raumordnung auf. Was er meint: Eine Matte darf so lange überbaut werden, wie sie als Bauzone ausgeschieden ist. Weil Ortsplanungen zehn Jahre und länger gültig sind, ist dies auch dann noch möglich, wenn Bauen auf der grünen Wiese in der öffentlichen Meinung längst verpönt ist.

Das Areal im Thalgut liegt in einer Zone für Wohn- und Gewerbebauten mit zwei Geschossen. So legt es die Gerzenseer Ortsplanung fest, wie sie seit 2007 in Kraft ist. Der gleiche Zonenplan lässt auch noch auf weiteren Matten Bauten zu. In der weitläufigen Gemeinde liegt halt kaum ein Gebiet so verkehrsgünstig wie das Thalgut. Für Betriebe, die nach einem neuen Standort Ausschau halten, ist das wichtig.

Für die Investoren

Projekte wie die beiden Mehrfamilienhäuser im Thalgut bewegten sich im Rahmen dessen, «was früher beschlossen worden ist». Wachter wiederholt es und fügt an, dass sein Amt nach Abschluss einer Ortsplanung nicht mehr in die Bewilligungsverfahren einbezogen wird. Dass die Zonenpläne über längere Zeit Bestand hätten, mache sehr wohl Sinn. «Sie geben den Investoren die Rechtssicherheit, die sie brauchen.»

Nicht ohne Konflikte

Die strengeren Regeln aus dem neuen, seit April gültigen Baugesetz greifen erst dann, wenn eine Gemeinde ihre Ortsplanung revidiert. Aktuell passiert dies in ­Köniz, das kantonsweit gar eine Vorreiterrolle übernimmt. Ohne Konflikte geht es nicht: Dass der neue Zonenplan im grossen Stil Verdichtungen vorsieht, hat in den Einfamilienhausquartieren einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Aus Angst, an der Urne zu scheitern, hat der Gemeinderat die Abstimmung aufs nächste Jahr verschoben.

Ganz in Stein gemeisselt sind Vorgaben der alten Ortsplanungen aber nicht. Wenn für ein ­konkretes Projekt noch eine Überbauungsordnung erarbeitet werden muss, gelten bereits die Regeln aus dem neuen Gesetz. Neuerdings können die Behörden – in der Regel die Gemeinden – auch im gewöhnlichen Bewilligungsverfahren auf eine dichte Bauweise drängen.

Das Beispiel für diesen zweiten Fall liefert Schlosswil, wo erst vor sechs Jahren Land für Ein- und Zweifamilienhäuser neu eingezont worden ist. Die heutigen Behörden wollen die 1,6 Hektaren aber besser nutzen. Die alten Vorschriften seien nicht mehr zeit­gemäss, sagten sie im letzten Herbst.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch