«Mister Euro» wechselt in die Kultur

Bern

Marcel Brülhart, Organisator der Euro 08, baut die Institution «Konzert Theater Bern» auf, die aus der Fusion von Stadttheater und Symphonieorchester hervorgeht. Die strategische Führung übernimmt Ex-Ständerat Hans Lauri (BDP).

Neuer Projektleiter: «Mister Euro» Marcel Brülhart (42), der bereits die Euro 08 organisiert hat.

Neuer Projektleiter: «Mister Euro» Marcel Brülhart (42), der bereits die Euro 08 organisiert hat.

Freitagnachmittag tritt er vor die Belegschaften, dann stellt er sich der Presse: Hans Lauri, der neue starke Mann für «Konzert Theater Bern», dem Fusionsprodukt aus Stadttheater und Berner Symphonieorchester (BSO). Als Kopf eines neu gebildeten Gremiums soll er bis Mitte 2011 die Zusammenlegung der beiden Institutionen über die Bühne bringen. Vieles deutet darauf hin, dass Lauri auch als Präsident von «Konzert Theater Bern» amtieren wird. Damit dürfte er – mit dem künftigen Geschäftsführer – zum Aushängeschild der neuen Berner Grossinstitution werden, die 2012 an den Start geht. Mit jährlichen Subventionen von rund 37 Millionen Franken wird sie die Sparten Musiktheater, Schauspiel, Ballett und Konzert betreiben. Als Rechtsform ist eine Stiftung vorgesehen.

Umsichtiger Konsenspolitiker

Lauri (66) zählt zu den klingenden Namen des Berner Politbetriebs: Von 1994 bis 2001 amtierte er als kantonaler Finanzdirektor, anschliessend sass er sechs Jahre für die SVP im Ständerat. In beiden Ämtern erwarb sich Lauri über die Parteigrenzen hinweg einen Ruf als umsichtiger Konsenspolitiker.

Zu den konkreten Aufgaben des neuen Gremiums, das die Fusion über die Bühne bringen soll, gehört neben der Gründung und rechtlichen Umsetzung auch die Suche nach einem Geschäftsführer (CEO) für die neue Institution – gefragt ist ein Manager mit Affinität zur Kultur. Im Gremium sitzen je drei Vertreter von BSO (Guy Jaquet, Monique Jametti Greiner, Peter Stämpfli) und Stadttheater (Herbert Binggeli, Dominique Folletête, Katrin Diem). Sie dürften – zumindest teilweise – auch den künftigen Stiftungsrat bilden. Henri Huber dagegen, der aktuelle Stadttheaterpräsident, wird zurücktreten und in der neuen Institution keine Rolle mehr spielen.

«Brillanter Kopf»

Zum neuen Projektleiter, der «ausführenden Hand» von Hans Lauri sozusagen, ist Marcel Brülhart (42) berufen worden. Brülhart wird die Organisationsstrukturen aufbauen und womöglich in einer ersten Phase als provisorischer Geschäftsführer amtieren. Der umtriebige Berner Jurist hat sich als Projektleiter von grossen Sportanlässen einen Namen gemacht: 2008 war er Delegierter des Bundesrats für die Fussball-EM 2008 («Mister Euro 08»). Stadtpräsident Alexander Tschäppät lobte den «brillanten Kopf» in diesem Zusammenhang öffentlich für seine Führungsqualitäten. In der Folge wurde Brülhart zum Projektleiter für die Eishockey-WM 2009 in Bern ernannt.

Zuerst einmal braucht's jetzt Geld

Damit das «Konzert Theater Bern» am 1. Juli 2011 seine Arbeit aufnehmen kann, müssen nun zuerst einmal Kanton und Gemeinden das Geld dafür bereitstellen.

Das hängt davon ab, ob die Regionsgemeinden und die Stadt Bern die neuen Subventionsverträge für die fünf grössten Berner Kulturinstitutionen für 2012-2015 genehmigen. «Konzert Theater Bern» soll von den jährlichen 55,8 Millionen Franken 37,2 Millionen Franken erhalten.

Dafür läuft derzeit in den Regionsgemeinden die Konsultation, bevor die 82 in der Teilkonferenz Kultur der Regionalkonferenz Bern- Mittelland vereinten Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten im März entscheiden. Der Präsident dieser Teilkonferenz, Thomas Hanke, sagte am Freitag, es sehe gut aus.

In der Stadt Bern kommt der Beitrag zuerst vors Stadtparlament und im Mai vors Volk. Der Kanton nimmt bis Mitte 2011 die abschliessende Genehmigung vor.

In den nächsten Monaten muss ausserdem das «Konzert Theater Bern» noch formell gegründet werden, und zwar in Form einer Stiftung. Das Projektsteuerungsgremium wird auch den ersten Stiftungsrat bilden.

Seine Aufgabe wird es dann sein, die erste Direktorin oder den ersten Direktoren des neuen Gebildes zu wählen. Ein weiterer wichtiger Punkt bei dessen Aufbau wird sein, vier Spartenleiter (Symphonieorchester, Musiktheater, Schauspiel, Tanz) zu bestimmen. Direktor und Spartenleiter werden die Geschäftsleitung bilden.

Bei der Ausgestaltung der Sparten würden Personal und Gewerkschaften «angemessen» einbezogen, hiess es am Freitag.

Lauri: «zentral» für «Hauptstadtregion Bern»

Lauri sagte an der Medienkonferenz, das Zusammenführen von Stadttheater und Symphonieorchester stelle für ihn ein «absolut zentrales» Element der Vision Hauptstadtregion Bern dar. Es werde klare Führungsentscheide brauchen und am Schluss stabile, schwarze Zahlen.

Er habe etliche Unterschiede zwischen den beiden Organisationen bemerkt, stelle aber eine erfreuliche Bereitschaft des Personals zur Zusammenarbeit fest.

Der kantonale Erziehungs- und insofern auch Kulturdirektor Bernhard Pulver äusserte seine Überzeugung, dass die Vereinigung der beiden Organisationen unter einem Dach einen Synergieeffekt haben werde, der die Qualität des Angebots steigere.

Berner Zeitung

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