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Mit der Lichtgeschwindigkeit dauert es etwas länger

Die Swisscom steht beim Glasfaserausbau auf die Bremse: Sie überprüft alle Verträge mit ihren Kooperationspartnern – auch den mit Energie Wasser Bern. Falls bis Ende Jahr kein neuer Vertrag zustande kommt, verzögert sich der Ausbau massiv.

Dynamische Kampagne: Mit diesen Plakaten wirbt Energie Wasser Bern (EWB) für den Ausbau des Glasfasernetzes auf dem Stadtgebiet. Weil die Swisscom mit ihren Vertragspartnern neu verhandeln will, könnte sich der Ausbau verzögern.
Dynamische Kampagne: Mit diesen Plakaten wirbt Energie Wasser Bern (EWB) für den Ausbau des Glasfasernetzes auf dem Stadtgebiet. Weil die Swisscom mit ihren Vertragspartnern neu verhandeln will, könnte sich der Ausbau verzögern.
Urs Baumann

Das schnelle Glasfasernetz ist die Zukunft, darin sind sich alle einig. Doch heftig umstritten ist, wer unter welchen Bedingungen Glasfaserkabel bis in die Schweizer Privathaushalte verlegen darf. Der Telecomkonzern Swisscom ist vorgeprescht und baut zurzeit unter anderem in der Stadt Bern das Netz aus. Er arbeitet dabei wie in Basel, Luzern, St.Gallen und Zürich mit dem städtischen Elektrizitätswerk zusammen. Doch die Wettbewerbskommission (Weko) findet die Kooperationsverträge problematisch, wie sie vergangene Woche festgehalten hat. Sie beanstandet Klauseln zu Mengen und Preisen, die den Wettbewerb beeinträchtigen könnten. Das bedeutet für die Swisscom: Falls sie weitermacht, riskiert sie Sanktionen.

Jetzt hat der grösste Schweizer Telecomkonzern die Notbremse gezogen: Vorläufig werde man keine neuen Verträge mit Kooperationspartnern unterzeichnen, sagte Swisscom-Chef Carsten Schloter gestern an einer Telefonkonferenz. Gleichzeitig überprüfe die Swisscom alle bisherigen Verträge. Das Ziel ist es, die kritisierten Klauseln anzupassen. Die Frage ist nur, ob das auch klappt.

Schwierige Ausgangslage

«Falls es bis Ende Jahr gelingt, ein alternatives Kooperationsmodell zu finden, dann kommt es zu keinen Verzögerungen», meinte der Swisscom-CEO. Doch die Herausforderung ist gross: Für die Verhandlungen bleiben nur knapp drei Monate Zeit. Schloter betont: «Wir haben immerhin schon beim ersten Mal hart verhandeln müssen.» Zwei Jahre dauerte das Ringen. Nun müsse die Swisscom mit ihren Partnern quasi zurück auf Feld eins. Wenn man sich nicht finde, dann gebe es «Auswirkungen mit grosser Tragweite». Sprich: Der Ausbau wird sich deutlich verzögern.

Bis Ende Jahr ändert sich noch nichts: Im Augenblick werde man den Bau nicht verlangsamen, weil es extrem komplex sei, einen Bauprozess zu stoppen und dann wieder anzufahren, sagte Schloter.

EWB will sich absprechen

Auch mit Energie Wasser Bern (EWB) wird es zu neuen Verhandlungen kommen. «Wir werden versuchen, den Vertrag so anzupassen, dass das unternehmerische Risiko für beide Seiten vertretbar ist», erklärt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze.

Bei EWB gibt man sich optimistisch: «Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden werden», meint Mediensprecher Florian Knapp. Bei den Neuverhandlungen wolle man aber keine Berner Lösung, sondern eine gesamtschweizerische. «Wir werden uns deshalb auch mit anderen Stadtwerken in Verbindung setzen und das weitere Vorgehen mit ihnen diskutieren.» Laut Knapp läuft der Ausbau des Glasfasernetzes in der Stadt Bern bislang nach Fahrplan.

Alleingang letzte Option

Falls die Swisscom keine Lösung findet, könnte sie theoretisch das Netz alleine ausbauen. Das sei aber die Ultima Ratio, sagt Mediensprecher Schulze. Denn für die Swisscom käme das nicht nur sehr teuer, und es ginge deutlich langsamer als bisher, sondern sie hätte dann auch eine Monopolstellung. Das wolle man verhindern, sagt Carsten Schloter: «Wir stellen uns lieber zusätzlichem Wettbewerb als mehr staatlicher Regulierung.»

Ganz auf Glasfasernetze verzichten kann der Telecomkonzern allerdings nicht. Denn er muss sich im Wettbewerb mit den Kabelanbietern behaupten, die heute über schnellere Netze verfügen als er.

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