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Mit der Pfeife steuert er die Hunde

Dieses Wochenende misst sich die europäische Elite der Herdenhunde an der EM im Weiler Haselhof. Neben dem eigentlichen Wettkampf treten acht Hundehalter zum «Brace» an: Die Schafe werden von zwei Hunden getrieben.

Auf dem Senkloch auf der einen Seite des Kampfplatzes steht Jürg Schumacher, auf seinen Stock gestützt, die Pfeife im Mund. Neben ihm warten die beiden Border Collies Mel und Vip auf das Startkommando. Dann geht es los: In einem weiten Bogen sausen die beiden Hunde um das Feld, einer links herum, der andere rechts. Am anderen Ende, etwa 550 Meter vom Startpunkt weg, warten zehn Schafe darauf, von den Herdenhunden getrieben zu werden. Schumacher selbst muss an seinem Platz stehen bleiben, erlaubt sind lediglich Pfiffe und – wenn nötig – Zurufe. Seltsam klingt es, wenn Schumacher Mel und Vip in unterschiedlichen Tonlagen Befehle pfeift, doch die Collies gehorchen blitzartig. Wenn sie gerade nichts zu tun haben, legen sie sich kurz ins Gras, um gleich wieder aufzuspringen, wenn die Arbeit weitergeht.

Das «Brace» – Schafetreiben mit zwei Hunden – ist das Rahmenprogramm der Continental Sheepdog Championships. Schumacher startet an dieser Meisterschaft nur in dieser Disziplin, auch wenn sie lediglich eine inoffizielle Wertung gibt. Seit zehn Jahren arbeitet der Landwirt aus Wünnewil mit Hütehunden.

Völlig ausser Atem

Die zwei Border Collies treiben die kleine Schafherde rund um Jürg Schumacher herum, dann in einem weiten Dreieck durch zwei Tore. Zum Schluss teilen sie die Herde auf, die eine Hälfte wird von Mel in einen offenen Pferch getrieben. Der fünfjährige Collie muss Wache halten, damit die Schafe nicht wieder ausbrechen. Der gleichaltrige Vip hat den Auftrag, die anderen fünf Tiere in einen zweiten Käfig zu treiben. Jürg Schumacher schliesst das Gatter; diese Aktion beendet den Parcours. Keine zwanzig Minuten hat der Durchlauf gedauert, doch die beiden Hunde sind völlig ausser Atem und lassen die Zungen weit aus dem Rachen hängen.

Abhängig von Tagesform

«Ich bin zufrieden mit dem Durchgang», bilanziert Schumacher danach. Die zwei Hunde haben alle Tore getroffen und die Schafe souverän getrieben. Einmal haben sie Seite gewechselt, das hat ein paar der maximal 140 erreichbaren Punkte gekostet. Vip ist der lebhaftere und auch schnellere der beiden, ihn hat Schumacher des Öftern mit Zurufen korrigieren müssen.

Der Erfolg an einer Meisterschaft hängt stark von der Tagesform der Hunde und ihres Führers ab. Daneben spielen auch das Wetter, das Gelände und die Reaktion der Schafe eine wichtige Rolle. Für jeden Durchgang kommen neue Schafe auf den Platz, wie OK-Mitglied Urban Lanker erklärt. Sie stammen aus der Region um Haselhof, wurden gemeinsam gesömmert und an Herdenhunde gewöhnt. Rund 250 Schafe hat es am ersten Tag gebraucht.

Hunde sind Arbeitskollegen

Zeit fürs Training seiner Hunde hat Jürg Schumacher nur zwischendurch. «Sie sind Arbeitskollegen und helfen mir auf dem Hof», sagt er. In Wünnewil bewirtschaftet er einen Hof mit 180 Schafen, 12 Pensionspferden und 3000 Masthühnern. Abends müssen die Hunde die Hühner in ihre Häuser treiben. «Border Collies muss man arbeiten lassen, sonst langweilen sie sich», sagt Schumacher. Die Aufbauarbeit, bis ein Welpe zu einem Herdenhund geworden ist, dauert trotzdem lange: Für die konzentrierte Arbeit mit Schafen reicht anfangs die Energie nur für kurze Zeit.

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