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Musik aus dem Sturm und aus der Folterkammer

Rückkehr in den Heimathafen: Der Berner Andreas Schaerer brachte am Sonntagabend mit seinem Jazzsextett Hildegard Lernt Fliegen und dem Lucerne Festival Alumni Orchestra zwei unterschied­liche Klangkörper in Einklang.

In Höchstform: Andreas Schaerer mit Sextett und Orchester in der Berner Dampfzentrale.
In Höchstform: Andreas Schaerer mit Sextett und Orchester in der Berner Dampfzentrale.
Tanja Buchser

Andreas Schaerer sitzt in der Hocke neben dem Dirigenten, das Orchester der Lucerne Festival Alumni wird sanft in blaues Licht getaucht, während die ersten Paukenschläge und Flageolett­töne der Violinen einen heranbrausenden Sturm ankündigen. Es ist ein Vorgeschmack auf eine Reise in unerwartete Klangwelten. Die Sinfonie «The Big Wig» beginnt fulminant mit den Stücken «Intuition» und «Seven Oaks», die Bilder traumähnlicher Landschaften im schummrigen Turbinensaal heraufbeschwören. «Wir sind im Heimathafen angekommen», sagt Schaerer zum Konzertauftakt.

Der Sänger und Komponist beschreibt mit diesen Worten nicht eine von der Musik beflügelte Imagination, sondern seine eigene Rückkehr nach Bern: Letzte Woche eroberte er mit seiner Fusion aus Jazz und neuer Klassik noch die voll besetzte Hamburger Elbphilharmonie. Nun ist er mit seinem Jazzsextett Hildegard Lernt Fliegen und dem Lucerne Festival Alumni Orchestra am Sonntagabend in der Berner Dampfzentrale zur Derniere der gewagten Tour gelandet.

Aussergewöhnlich

Schaerer wünscht seinem Publikum einen guten Flug, und schon heben Hildegard und das Orchester ab. Tangorhythmen und Marimba-Einlagen folgen auf zarte Harfenklänge und ein virtuoses Posaunensolo von Andreas Tschopp. In immer wieder neuen Facetten kommt Schaerers Vokalakrobatik zum Ausdruck, wenn er Geräusche unerforschter Wälder und Meere in die Musik des Ensembles einflicht, wenn er Sirenengesang mit heiseren Trompetenklängen vermischt oder mit seinem aussergewöhn­lichen Beatbox-Repertoire auftrumpft. Zum Höhepunkt kommt die Sinfonie im Stück «Two Colossuses», das die Reibung widerspiegelt, vor der sich Schaerer beim Komponieren zu Beginn fürchtete: die Reibung zweier Kolosse – des Sextetts und des Orchesters – bei der Vermählung dieser ungleichen Klangkörper.

Für eine Weile nimmt Schaerer den Platz von Dirigent Mariano Chiacchiarini ein, erzeugt mit seinen Musikern und der eigenen Stimme Disharmonien und Schreckensklänge, die aus einer Folterkammer in Tolkiens Mordor zu stammen scheinen, ehe er Klassik und Jazz zu einem berührenden Finale in Einklang bringt.

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