Neues Zuhause für Ex-Häftlinge

Bern

Seit 35 Jahren beherbergt das Haus Felsenau in Bern ehemalige Strafgefangene. Nachdem sich das Projekt mehrmals verzögert hat, bekommen die Heimbewohner eine neue Unterkunft.

Die Heimbewohner helfen bei den Vorbereitungen, damit die maroden Baracken abgerissen werden können.

Die Heimbewohner helfen bei den Vorbereitungen, damit die maroden Baracken abgerissen werden können.

(Bild: Beat Mathys)

Das Haus Felsenau ist ziemlich in die Jahre gekommen. Seit 1980 bieten in den Baracken die früheren Wohnungen von Arbeiterinnen der Spinnerei Gugelmann Strafentlassenen Obdach. Mittlerweile sei die Infrastruktur vom Wohnheim des Bernischen Vereins für Gefangenen- und Entlassenenfürsorge in einem Zustand, der eine Sanierung unbedingt nötig mache, so Heimleiter Peter Geissbühler.

Ausserdem könne mit der Renovation und dem geplanten Neubau auch die Betreuung von älteren Bewohnerinnen und Bewohnern besser gewährleistet werden. Heute findet der lang ersehnte Spatenstich statt.

Bereits vor 6 Jahren wurde mit der Planung des neuen Wohnheims begonnen. Einsprachen gegen das Bauvorhaben haben jedoch das Projekt immer wieder zurückgeworfen. «Eigentlich wäre gedacht gewesen, dass der Betrieb während der Um- und Neubauphase ausgelagert wird», sagt Geissbühler. Ein Umzug in Ersatzwohnungen sei aber nicht gelungen, da durch die Verzögerungen die vorgesehene Liegenschaft nicht mehr zur Verfügung stand – eine andere Lösung konnte nicht gefunden werden.

Daher muss nun in zwei Etappen gebaut werden, was die Bauzeit wiederum um mindestens ein Jahr verlängert und auch die Kosten in die Höhe treibt. Es wird mit rund zehn Millionen Franken gerechnet, die grösstenteils von der kantonalen Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) getragen werden.

Mithilfe ist Pflicht

In einer ersten Phase werden die beiden Baracken neben dem Hauptgebäude abgebrochen, damit an deren Stelle der Neubau errichtet werden kann. In der zweiten Bauphase wird das jetzige Hauptgebäude saniert und mit einem zweistöckigen Anbau ergänzt. Im September 2017 soll die gesamte Anlage wieder in Betrieb genommen werden.

Künftig wird das Haus Felsenau 36 Bewohnerinnen und Bewohnern Platz bieten – 4 mehr als jetzt. Besonders für Werkstätten wie Schreinerei, Näherei und Keramikatelier sowie Küche wird in Zukunft einiges mehr an Platz geboten. Die Heimbewohner helfen bei den Bauvorbereitungen kräftig mit. «Wer hier wohnen will, muss sich, so gut er kann, am Haushalt und den Arbeitsprogrammen beteiligen. Das sind die Regeln», erklärt Geissbühler, «auch wenn die Bewohner freiwillig hier sind.»

Nur eine Übergangslösung

Die Institution ist eigentlich als Übergangswohnheim gedacht und dient dem Ziel, ehemals Inhaftierte wieder in die Gesellschaft zu integrieren.

Heutzutage werden aber auch viele Menschen mit Suchtproblemen und psychisch Kranke dort betreut. Den Bewohnern stehen Fachpersonen wie Sozialarbeiter zur Verfügung, die sie beraten und bei der Job- oder Wohnungssuche unterstützen. Auch wenn die Leute das Heim verlassen, können sie auf die Dienste des Hauses Felsenau zurückgreifen. «Es soll für sie ein Rückzugsort sein», sagt Geissbühler. Es gebe aber auch solche, die alleine nicht mehr zurechtkämen und das Heim wohl nicht mehr verliessen.

Berner Zeitung

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