Nichts für Warmduscherinnen

Kirchenfeld

Nachhaltige Entwicklung wird grossgeschrieben im neuen Lehrplan für Gymnasien. Doch wie begeistert man Jugendliche für das Thema?

Ab auf einen virtuellen Planeten: Lena Witschi, Elena Rüfenacht, Ramona Kormann und Lora Stojic.vor der Wanderausstellung «Let’s go Danaland».

Ab auf einen virtuellen Planeten: Lena Witschi, Elena Rüfenacht, Ramona Kormann und Lora Stojic.vor der Wanderausstellung «Let’s go Danaland».

(Bild: Raphael Moser)

Das irdische Klima kollabiert, die einzige Rettung ist die Reise zum Exoplaneten Danaland. Aber dorthin darf nur, wer sich durch einen nachhaltigen Lebensstil auszeichnet. Vier Schülerinnen des Gymnasiums Kirchenfeld, Lena Witschi, Elena Rüfenacht, Ramona Kormann und Lora Stojic, hätten ein Ticket nach Danaland in der Tasche – wenn es dieses denn gäbe. Ihre Ökobilanz ist gut genug, dass sie die Reise zum Planeten antreten dürften. Die Geschichte bildet den Hintergrund der Wanderausstellung «Let’s go Danaland», die von der Universität Bern entwickelt wurde und zurzeit am Gymnasium Kirchenfeld gastiert.

Sie sei anfangs skeptisch gewesen, sagt Lena Witschi. Ausstellungen vermochten sie nicht immer zu begeistern. «Aber es war interessant zu sehen, wie nachhaltig ich tatsächlich lebe. Und das Scannen mit dem Handy macht Spass.» Die Ausstellung durchläuft man nämlich mithilfe eines Smartphones oder Tablets. Über einen QR-Code wird man auf eine App geleitet, die ähnlich wie ein Handyspiel aufgebaut ist. Die Schülerinnen und Schüler scannen Codes und müssen Fragen zu ihrem Lebensstil beantworten: Wie viel Fleisch isst du? Wie oft kaufst du neue Kleider? Lässt du ein kaputtes Handy reparieren oder kaufst du dir ein neues? «Ich lebe nachhaltiger, als ich gedacht habe», stellt Lena Witschi fest. Die 14-Jährige hatte befürchtet, ihre Flugreisen würden so sehr ins Gewicht fallen, dass alle anderen Bemühungen vergebens seien.

Im Lehrplan verankert

«Nachhaltig» ist heute, so scheint es zumindest, fast alles – Restaurants, Wellnessangbote oder ­Ferienreisen. «Gegen diesen ­Riesenbegriff kämpfen wir an», erklärt Heiner Aebischer, Geografielehrer am Gymnasium Kirchenfeld. Nachhaltige Entwicklung sei die Vernetzung von ­Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft und behandle unter anderem die Fragen, wie man Ressourcen schonen und Bedürfnisse verschiedener Generationen berücksichtigen könne. «Das beginnt mit kleinen, individuellen Schritten wie dem Einkaufen lokaler Produkte oder einem reduzierten Fleischkonsum.»

Im Lehrplan 17, der seit dem Sommer dieses Jahres für die Gymnasien des Kantons Bern gilt, wird nachhaltige Entwicklung grossgeschrieben: Für jedes einzelne Fach musste definiert werden, inwiefern es zur «Bildung für nachhaltige Entwicklung» beiträgt. Diese Auflage gilt für Sprach­fächer, Musik und Bildnerisches Gestalten genauso wie für Geografie und Wirtschaft.

«Was könnte ich ändern?»

Ob wirklich jedes Fach gleich viel zum Thema beitragen muss, sei strittig, findet Aebischer. «Aber grundsätzlich begrüsse ich es, dass nachhaltige Entwicklung so stark gewichtet wird.» Im Geografieunterricht sei das schon während des alten Lehrplans der Fall gewesen. So waren es auch die Lehrpersonen der Fachschaft Geografie, welche die Danaland-Ausstellung ins Kirchenfeld holten. Teenager müsse man möglichst nahe an ihrem Alltag abholen, ist Aebischer überzeugt. «Hauptziel des Unterrichts ist, Betroffenheit auszulösen, ohne den Mahnfinger zu heben. Und natürlich die Frage aufzuwerfen: Was könnte ich ändern?»

Nachhaltig im Alltag

Dazu hat seine Klasse ein Plakat mit Zielen gestaltet, alltägliche Vorsätze wie konsequent das Licht löschen, wenn man einen Raum verlässt, oder weniger neue Kleider kaufen. Vor Weihnachten will die Klasse Ziele und Fortschritte besprechen.

«Ich habe nicht gewusst, wie breit das Thema ist und wie viel man dazu beitragen kann, nachhaltig zu leben», sagt Elena Rüfenacht. Sie, wie die anderen drei Mädchen auch, habe sich vorgenommen, weniger lang und warm zu duschen, um Wasser zu sparen. Bis jetzt mit mässigem Erfolg: Im Winter, da sind sich die Schülerinnen einig, ist das gar nicht so einfach.

Berner Zeitung

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