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Notwehr, aber übertrieben

Der Mann, der vor einem Berner Club einen Kollegen mit einem Glas schlug, ist am Donnerstag der schweren Körperverletzung schuldig gesprochen worden. Das Gericht anerkennt eine Notwehrsituation, er kommt mit einer bedingten Geldstrafe davon.

Eine aus dem Ruder gelaufene Diskussion in einer Frühlingsnacht im Jahr 2010 kommt den einen Streithahn im Nachhinein teuer zu stehen: Über 30'000 Franken wird es ihn kosten, dass er einem Kollegen ein Glas an den Kopf gehauen hatte.

Die zwei jungen Männer kannten sich aus der Berufsschule. Beide arbeiten in der gleichen Branche. In den frühen Morgenstunden des 11.April 2010 trafen sich die beiden im Ausgang in der Berner Aarbergergasse. Sie gerieten in einem Club aneinander, weil der eine über die Stelle und den Chef des anderen lästerte. Der Streit gipfelte draussen in der Gasse darin, dass ein Mann dem anderen ein Glas ins Gesicht schlug. Dem Opfer bleibt von dieser Attacke eine rund acht Zentimeter lange Narbe in der linken Gesichtshälfte.

Notwehr ja, aber

Gestern Donnerstag sprach das Regionalgericht Bern-Mittelland den 26-jährigen Schweizer der schweren Körperverletzung schuldig. Das Gericht anerkennt jedoch eine Notwehrsituation, wie sie der Angeschuldigte geschildert hatte. «Ich wollte meinen Kollegen mit dem Glas nicht verletzten. Ich hatte Angst, dass er auf mich losgeht, und suchte nur einen Weg, um mich zu verteidigen», hatte er vor Gericht erklärt. Bis zu einem gewissen Grad erachtete das Gericht diese Darstellung als glaubwürdig. Aufgrund des aggressiven Verhaltens des späteren Opfers habe der Angeschuldigte mit einem Angriff rechnen müssen, sagte Gerichtspräsident Urs Herren. Der Mann habe sich wehren dürfen. Allerdings nicht in dieser massiven Form. «Es hätte Alternativen gegeben. Statt mit dem Glas gleich zuzuschlagen, hätte man auch nur damit drohen können.»

Die Staatsanwaltschaft hatte eine bedingte Freiheitsstrafe für den Schläger beantragt, sein Verteidiger einen Freispruch. Das Gericht sprach nun gestern eine Geldstrafe von 27'000 Franken aus. Diese allerdings bedingt. Wenn sich der junge Mann in der Probezeit von drei Jahren nichts zuschulden kommen lässt, muss er die Geldstrafe nicht bezahlen.

Teuer wird es für den 26-Jährigen trotzdem: Er hat mit dem Opfer einen Vergleich abgeschlossen und sich bereit erklärt, ihm Schadenersatz, Genugtuung sowie die Parteikosten zu bezahlen. Das sind insgesamt 20'000 Franken, die er in Raten abstottern muss. Ausserdem muss er die Kosten des Gerichtsverfahrens von rund 10'000 Franken tragen.

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