Nur 5 Prozent Zweitwohnungen in Bern

Bern

In der Stadt Bern beträgt der Zweitwohnungsanteil höchstens 5 Prozent. Damit liegt die Stadt nach Annahme der Zweitwohnungsinitiative weit unter der kritischen 20-Prozent-Marke.

Kein Problem mit der Zweitwohnungsinitiative: In der Stadt Bern beträgt der Zweitwohnungsanteil nur rund 5 Prozent.

Kein Problem mit der Zweitwohnungsinitiative: In der Stadt Bern beträgt der Zweitwohnungsanteil nur rund 5 Prozent.

(Bild: Keystone)

Die Stadt Bern hat einen Zweitwohnungsanteil von höchstens 5 Prozent. Zu diesem Schluss kommen die Statistiker der Bundesstadt. Sie verglichen verschiedene Registerdaten - und nahmen viele Zweifelsfälle unter die Lupe.

Was dabei herausschaute, heisst «Schätzung der Wohnungsnutzung in der Stadt Bern 2013». Die am Mittwoch publizierten Zahlen machen vor allem eins deutlich: Die präzise Erhebung des Zweitwohnungsanteils, wie sie der Bund von den Gemeinden erwartet, ist für grössere Städte gar nicht so einfach.

Als Ausgangspunkt diente der Stadt Bern das Eidgenössische Gebäude- und Wohnungsregister (GWR), das der Bund neuerdings führt. Laut GWR gibt es in der Stadt Bern 77'000 Wohnungen. In 62'000 Wohnungen leben Menschen, die laut städtischer Einwohnerkontrolle ihren Hauptwohnsitz in Bern haben. Diese Fälle sind also geklärt.

Viele mögliche Nutzungen

Was aber ist mit den anderen 15'000 Wohnungen? In vielen Fällen können die Statistiker eine Nutzung als Zweitwohnung ausschliessen. So gibt es bekanntlich Studierende und Arbeitnehmer, die unter der Woche in Bern leben, ihren Hauptwohnsitz aber anderswo haben. Diese 3000 Wohnungen werden statistisch den Erstwohnungen gleichgestellt.

Mehrere tausend Wohnungen sind leerstehend, nicht bewohnbar, werden nicht als Wohnung genutzt oder existieren gar nicht mehr. Ausserdem gibt es Wohnungen, die zwar belegt sind, deren Mieter aber in Bern nicht meldepflichtig sind. Dazu gehören Diplomaten und internationale Funktionäre. Ebenfalls nicht einfach zu kategorisieren sind Studenten-, Firmen-, Amts- und Abwartswohnungen.

Insgesamt gibt es fast 6000 Gebäude mit mindestens einer Wohnung, die sich aufgrund der Registerdaten nicht eindeutig verbuchen lässt. Die Stadtberner Statistiker entschlossen sich deshalb zum Ausseneinsatz und besuchten für eine geschichtete Stichprobe knapp 600 Gebäude.

Statistiker im Ausseneinsatz

Das heisst konkret: Die Statistiker sahen sich das Haus von aussen an und suchten nach Hinweisen, ob eine Wohnung belegt sei – etwa wenn Pflanzen den Balkon zierten. Sie studierten auch die Angaben an Briefkästen und Klingelbrett und versuchten so, die tatsächlichen Wohnungsbelegungen zu ermitteln. Ihre Vermutungen erfassten sie in einer Datenbank und rechneten die Zahlen hoch.

«Dank diesem Vorgehen mussten weder die Hauseigentümer noch die Bewohner für weitere Auskünfte befragt werden», schreibt Statistik Stadt Bern. Für das Amt ist nun klar, dass als Zweitwohnungen nur etwa 3000 bis 4000 Wohnungen in Frage kommen – Wohnungen, die zwar belegt sind, doch die Statistiker wissen nicht so genau, von wem.

Politik am Zug

Ob der Frage vertieft nachgegangen wird, ist offen. Das sei eine Frage der Politik, sagte ein Sprecher von Statistik Stadt Bern auf Anfrage. Das Grüne Bündnis liess bereits verlauten, man wünsche eine detailliertere Erhebung.

Die Zweitwohnungsinitiative war im März 2012 angenommen worden. Der Bund ging davon aus, dass mehrere Städte mehr als 20 Prozent Zweitwohnungen aufweisen. Die Gemeinden mussten der Sache nachgehen; im Kanton Bern hat die Stadt Biel kürzlich einen Zweitwohnungsanteil von 17,3 Prozent ausgewiesen.

tag/sda

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