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Partyvolk hat die Dealerszene auf der Schanze verdrängt

Früher musste die Polizei regelmässig auf die Grosse Schanze ausrücken. Seit in diesem Sommer zwei Stadtstrände ein Cocktailpublikum anlocken, sind die Dealer und Schläger weg. Anwohner atmen auf.

Summer in the City-Beach: Seit kurzem chillen Bernerinnen und Berner an den beiden Stadtstränden auf der grossen Schanze.
Summer in the City-Beach: Seit kurzem chillen Bernerinnen und Berner an den beiden Stadtstränden auf der grossen Schanze.
Christian Pfander

Für einmal gibts positive Nachrichten über die Grosse Schanze: Innerhalb eines Monates hat sich die Terrasse von einem Ort, den Anwohner nachts meiden, zu einer friedlichen Stadtoase gewandelt.

Zwei privaten Eventagenturen ist gelungen, was Lokalpolitiker, Behörden und Quartierorganisationen in Arbeitsgruppen erfolglos versucht haben. Die Drogendealer sind vorerst weg und Schlägereien seit Wochen Geschichte. Nun treffen sich zwischen Feierabend und Mitternacht auf der Grossen Schanze Menschen im Whirlpool oder auf Rattanmöbeln unter Topfpalmen, wo sie Cocktails trinken und zu Chill-out-Klängen die Sommerabende geniessen.

Polizei rückt weniger aus

Polizisten rücken derzeit kaum mehr an den einstigen «Schwerpunkt» aus. Früher, sagt Polizeisprecher Franz Märki, ja, früher, da seien sie gerade in den Sommermonaten immer wieder auf die Schanze gerufen worden – wegen Schlägereien oder sogar Raubüberfällen. «Doch nun muss die Polizei deutlich weniger oft auf die Grosse Schanze ausrücken, dies auch wegen der Stadtstrände.» Konkrete Zahlen gibt die Polizei nicht bekannt.

Die «Strände», von denen der Polizeisprecher spricht, heissen Summer-Beach und City-Beach und befinden sich seit Anfang Juni neben dem SBB-Personalrestaurant und auf der Einsteinterrasse. Sie bieten noch bis Anfang September Drinks und ein Gastroangebot.

Die Art der Menschen, die einen Teil ihrer Freizeit auf der Grossen Schanze verbringen, hat sich dadurch offenbar verändert. «Früher traf man hier abends auf Jugendliche, die meiner Meinung nach eher in die Reitschule passen», sagt Heinz Rub, Präsident der FDP Länggasse, der gleich hinter dem Uni-Hauptgebäude wohnt. Diese Leute hätten ihr Bier in Sixpacks mitgeschleppt, «die Stimmung war oft aggressiv».

Seit kurzem würde sich «eine Art Lorenzini-Kundschaft» in den beiden Stadtstränden tummeln, was für die Anwohner viel angenehmer sei, weil sich viele, wie er, auf dem nächtlichen Heimweg nicht mehr vor Pöbeleien fürchten müssten. Jürg Weder, Co-Präsident des Länggassleists, fügt an: «Ich habe aus dem ganzen Quartier nur positive Feedbacks zu den Stadtstränden erhalten.»

Sogar die Drogendealer, so scheint es, haben sich von der Grosse Schanze abgewendet. Polizeisprecher Franz Märki sagt: «Für die Dealerszene hat die Schanze klar an Attraktivität verloren, entsprechend weniger Kontrollen sind durch die Einsatzgruppe ‹Krokus› nötig.»

Nauses erster Eindruck

Bereits während der Planungsphase der Stadtstrände hat sich Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) für die City-Beach AG aus Luzern und Concent Concert&Event aus Hilterfingen starkgemacht. «Sicherheitsprobleme an einem öffentlichen Ort lassen sich entschärfen, wenn man diesen belebt», sagt Nause. Zudem, so der Sicherheitsdirektor, sei eine Verlagerung der Probleme von der Schanze an einen anderen Ort bisher ausgeblieben. «Natürlich, dies ist ein erster Eindruck. Die definitive Bilanz ziehen wir dann im Herbst.»

Neuauflage geplant

Doch bereits jetzt ist klar: «Den City-Beach solls auch im nächsten Jahr wieder geben», sagt Remo Neuhaus, Berner Gastrounternehmer und Partner der City-Beach AG. Er ist zufrieden mit dem Umsatz und den Gästezahlen. Das wichtigste aber: Bisher hätten ihm die Sicherheitsleute von keinem Zwischenfall berichten müssen. «Das hat bestimmt auch damit zu tun, dass wir kurz nach Mitternacht schliessen.» Zu dieser Zeit sei der Alkoholpegel bei den Gästen noch relativ tief.

Die Anwohner würden eine Neuauflage im nächsten Sommer bestimmt begrüssen. «Die beiden Organisatoren haben es im Griff», sagt Heinz Rub.

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