Plakat des Anstosses

Bern

Plakate, die die neueste Produktion von Konzert Theater Bern bewerben, sorgen im Ensemble für Widerstand. Oder ist alles nur eine clevere PR-Aktion?

Das Plakat des Anstosses. Die Kritik: Der Inhalt der Oper werde mit dem Sujet nicht richtig weitergegeben.

Das Plakat des Anstosses. Die Kritik: Der Inhalt der Oper werde mit dem Sujet nicht richtig weitergegeben.

(Bild: Marina Bolzli)

Auf den ersten Blick zeigt das Plakat einen zartrosa Kelch auf schwarzem Hintergrund. Schaut man genauer hin, stutzt man: Ist hier nicht viel eher ein Frauengesicht zu sehen, das einen Penis zwischen den roten Lippen hat? Das Plakat für «Reigen», der neuen Oper von Konzert Theater Bern (KTB), die am Sonntag Premiere feiert, irritiert. So sehr, dass nun sogar das Ensemble aufbegehrt.

Es hat am vergangenen Dienstag einen Brief an die Marketingabteilung und Geschäftsleitung geschrieben und sich gegen das Plakat geäussert: «Der Inhalt der Oper wird mit diesem Sujet nicht weitergegeben», sagt ein Ensemble-Mitglied, das lieber anonym bleiben möchte. «In dieser Oper geht es um Missbrauch, um Vergewaltigung – und sicher nicht um freiwilligen Sex.» Daher hätte sich das gesamte Ensemble inklusive Regie darüber empört. Die Kritik richte sich gegen das Motiv und die Informationslosigkeit des Plakats.

Werbung oder Protest?

Diese Empörung wurde von der Marketingabteilung von Konzert Theater Bern aufgenommen: Sie schaltete auf der Facebook-Seite von KTB kleine Videos auf, in denen das Plakat von Ensemble-Mitgliedern wie Claude Eichenberger überklebt wird. Als Protestaktion sieht Musiktheater-Spartenleiter Xavier Zuber das Ganze aber nicht: «Wir haben zusammen beschlossen, diese Videos zu drehen, weil wir die Oper und deren brisanten Inhalt noch besser bewerben wollten», sagt er.

Ensemble -Mitglieder wie Claude Eichenberger überkleben das Plakat.

Also was jetzt? Werbung oder Protest? Schliesslich hat Xavier Zuber diese Plakate eigenhändig abgesegnet. «Ich habe dieses Sujet mehr abstrakt gesehen», sagt er, «es ist eine Zeichnung im Stil von fin de siècle und könnte auch eine Frau darstellen, die die Hand vor den Mund hält.» So oder so kommt ihm die Diskussion aber gelegen: Die Opernproduktion «Reigen» ist bisher noch schlecht gebucht, da kommt ein bisschen Aufregung gerade recht.

Berner Zeitung

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