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Praktikantin zerrt Anwalt vor Gericht

Ein Anwalt und seine Praktikantinnen beschäftigen die Justiz ein zweites Mal: Nach einer Betrugsanzeige gegen eine Mitarbeiterin ging es am Donnerstag in einem anderen Fall um den offenen Lohn nach einem Rausschmiss.

Wegen eines nicht bezahlten Lohns nach einem Rausschmiss trafen sich eine Praktikantin und ihr Ex-Chef vor Gericht. (Symbolbild)
Wegen eines nicht bezahlten Lohns nach einem Rausschmiss trafen sich eine Praktikantin und ihr Ex-Chef vor Gericht. (Symbolbild)

Es war ein kurzes Gastspiel. Anfang Mai 2017 begann eine Frau ihr Praktikum bei einem Rechtsanwalt in Bern. Bereits sieben Wochen später war das Arbeitsverhältnis wieder aufgelöst – noch in der Probezeit. Die Mitarbeiterin wurde per sofort freigestellt. Obwohl sie im Juni noch mehrere Tage in der Kanzlei gearbeitet hatte, erhielt sie für diesen Monat keinen Lohn. Dieses Guthaben klagte die Frau ein. Nachdem eine Schlichtungsverhandlung ergebnislos verlaufen war, trafen sich die Parteien am Donnerstag vor dem Zivilgericht in Bern.

Es war das zweite Mal innerhalb von wenigen Monaten, dass sich die Berner Justiz mit diesem Rechtsanwalt und einer seiner Praktikantinnen beschäftigte. Zur selben Zeit im letzten Sommer zeigte er nämlich eine andere Praktikantin wegen Betrugs an, weil sie eine Arbeitsstunde nicht korrekt erfasst hatte. Dieser Fall ist vor Bundesgericht hängig (siehe Kasten).

Auch im neuen Fall vor dem Zivilgericht ging es um die Arbeitszeiterfassung. Es war dabei un­bestritten, dass die Frau – mit abgeschlossenem Jusstudium in Deutschland – für den Juni keinen Lohn erhalten hat. Der Anwalt begründete dies damit, dass die Mitarbeiterin die Arbeitszeiten nicht korrekt erfasst habe. Es ging nicht nur um die Präsenzzeiten.

So sei aus ihren handschriftlichen Agendaeinträgen nicht ersichtlich gewesen, wann sie sich mit welchem Fall beschäftigt habe. «Die Anweisungen waren klar, dass sie alle Arbeiten eintragen muss», betonte der Anwalt am Donnerstag. Weil diese Angaben fehlten, habe er diese Zeit nicht den Mandanten verrechnen können, was für ihn finanziell von «grosser Bedeutung sei».

Die Zeit laufend erfasst

Sie habe ihre Zeiten laufend aufgeschrieben, erklärte die Praktikantin. Sie wies darauf, dass die Tabellen für die Erfassung der Arbeitszeit Fehler aufgewiesen hätten. Sie habe zudem nicht genau gewusst, wie viel sie aufschreiben dürfe, weil sie nicht so erfahren sei. Sie habe meistens mehr Stunden geleistet, aber das habe sie «gerne» gemacht.

Harmonie war verflogen

Bei einem Gespräch Mitte Juni war von guter Stimmung nicht mehr viel zu spüren, erzählten die beiden. Die Frau sprach von einer «nicht mehr so guten Atmosphäre», der Anwalt von einer «fehlenden Harmonie». Ihm sei es damals bewusst geworden, dass es auf eine Kündigung hinauslaufe. Als besonders «dreist» empfand er, dass sie trotz des ausdrücklichen Hinweises weiterhin die Zeiten nicht wie gefordert erfasst habe. Bei einem nächsten Gespräch fünf Tage später war es vorbei: Die fehlenden Belege sowie «Ausreden und Ausflüchte» hätten am Schluss zum Rausschmiss geführt, erklärte der Rechtsanwalt.

Trotz der grossen Differenzen kam es am Donnerstag zu einem Vergleich. «Wir haben eine Lösung gefunden», sagte der Gerichtspräsident. Wie diese aber aussieht, wurde nicht bekannt. Die Mitarbeiterin hatte rund 2500 Franken gefordert. Weil sie ein abgeschlossenes Studium vorweisen konnten, hatte sie für ihre 50-Prozent-Stelle ein höheres Gehalt als eine «normale» Praktikantin.

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