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Putzen statt motzen

Seit letztem Herbst übernimmt ein Anwohner die Reinigung eines Trampelpfades entlang der Aare in Zollikofen.

Adrian von Allmen holt eine Flasche aus dem Wasser. Er ist Raumpate für das Gebiet der Aare bei Worblaufen. Fotos: Beat Mathys
Adrian von Allmen holt eine Flasche aus dem Wasser. Er ist Raumpate für das Gebiet der Aare bei Worblaufen. Fotos: Beat Mathys

Noch bleibt der Abfallsack von Adrian von Allmen halb leer, wenn er seine Tour entlang der Aare macht. Die Litteringsaison beginnt erst in einigen Wochen. Dann werden wieder vermehrt Leute die Aare entlang, von Unterzollikofen nach Worblaufen, spazieren und ihren Abfall liegen lassen.

«Im Sommer muss ich mehrmals wöchentlich den Pfad ablaufen, damit das Waldstück sauber bleibt», sagt der 33-jährige Familienvater. Seit letztem Herbst ist er der erste offizielle Raumpate im Kanton Bern. Die eigentliche Bewährung, während der Sommerzeit, steht ihm noch bevor.

Er zieht ein erstes Fazit und erklärt: «Schon jetzt bekomme ich positive Rückmeldungen.» Als naturverbundener Anwohner fühle sich von Allmen ein Stück weit verpflichtet, die Umgebung zu pflegen. Ursprünglich beschwerte er sich bei der Gemeinde und schlug zusätzliche Mülleimer vor. Als die Gemeinde keine passende Lösung für das Problem fand, hat er es selber in die Hand genommen.

Kampf gegen Littering

Die Raumpatenschaft ist keine neue Idee. Vergleichbare Aktionen gibt es bereits seit vielen Jahren. Um diese Projekte leichter zu organisieren, gibt es seit letztem Jahr eine Plattform und einen Leitfaden der Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt (IGSU).

Dort können sich Privatpersonen, Vereine, Schulen oder Firmen melden, wenn sie eine Patenschaft lancieren wollen. Zusammen mit der Gemeinde wird ein Gebiet definiert, in welchem die Paten für das Einsammeln der Abfälle verantwortlich sind. Schilder kennzeichnen den Bereich. Darauf steht, wer hier freiwillig dem Littering den Kampf angesagt hat.

Den Schildern zum Trotz landet vieles am Boden.
Den Schildern zum Trotz landet vieles am Boden.

Unterstützt werden die Müllsammler von der Gemeinde oder der IGSU mit Handschuhen, Greifzangen und Abfallsäcken. Die Raumpatenschaft hilft zudem, die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren. Durch die personalisierten Schilder erhält der Kampf gegen das Littering ein Gesicht, und die Hemmschwelle, seinen Kehricht unachtsam in die Natur zu werfen, steigt. «Wir haben ein besonderes Augenmerk auf das betroffene Gebiet», erklärt Bauverwalter Beat Baumann.

«Aus den Augen»

Es handle sich bei dem Trampelpfad nicht um einen normalen Weg, und der Gemeinde fehle es an den Kapazitäten, solche Waldstreifen so oft zu reinigen. Der Gemeindeweg parallel zum Aareufer und die angrenzenden Rastplätze würden im Sommer nach jedem Wochenende gründlich geputzt. «Einfach mehr Kübel aufzustellen, löst das Problem nicht. Auch in unseren Nachbargemeinden hat man die ideale Lösung noch nicht gefunden», sagt Baumann.

Deshalb ist man froh, dass sich Adrian von Allmen des Themas angenommen hat. Die Behörden wollen der Eigeninitiative ihres Bürgers nicht im Wege stehen und unterstützen ihn. Laut von Allmen verlief die Kooperation mit der Gemeinde unkompliziert. Dass er mit seinem freiwilligen Einsatz eine schöne Gegend pflege, mache die mühselige Arbeit für den Zeitungsverträger und selbstständigen Naturcoach leichter. Der ehemalige Treuhänder ist vom positiven Effekt seines Projekts überzeugt: «Es gibt auch andere Spaziergänger, die Abfall einsammeln.»

Auf den beiden Seiten des Trampelpfades, der rund 600 Meter lang zwischen dem Gemeindeweg und der Aare verläuft, findet er allerlei Unrat. Besonders im Sommer war die Situation Jahr für Jahr desolat. «Einweggrills, Dosen, Chipstüten und leere Flaschen liegen jeweils im Gebüsch, am Strand oder im Gewässer verteilt», beklagt von Allmen. «Aus den Augen, aus dem Sinn», sei die Mentalität mancher Leute.

Wie erfolgreich das Projekt wirklich ist, kann man erst in einem halben Jahr beurteilen. Deshalb wollen weder die Behörden noch von Allmen selbst die Raumpatenschaft an die grosse Glocke hängen. Der Bauverwalter betont: «Es ist nur ein möglicher Lösungsansatz, und wir werden die Wirkung laufend beurteilen.»

Ein Modell für Bern?

Bis jetzt beschränken sich die meisten Projekte auf die Region Zürich. «Die aktuelle Verteilung ist eher zufällig, Patenschaften können in der ganzen Schweiz funktionieren», betont die Geschäftsleiterin der IGSU. Ob das Konzept auch im Kanton Bern Fuss fassen kann, wird die Zukunft zeigen. Das Potenzial ist da, und die Hürde für einen Versuchslauf liegt tief.

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