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Ramadan ist auch in Libyen ein Thema

Welche Rolle hat der Nidauer Prediger Abu Ramadan tatsächlich gespielt? Ein Blick in libysche und saudische Nachrichtenportale zeigt: Sein Wirken wird auch dort kritisch gesehen.

Reiseführer: Der Nidauer Imam Abu Ramadan mit einer Gruppe aus der Westschweiz in Saudiarabien (Szene aus einem Youtube-Video).
Reiseführer: Der Nidauer Imam Abu Ramadan mit einer Gruppe aus der Westschweiz in Saudiarabien (Szene aus einem Youtube-Video).
Screenshot Youtube
Hat mehrmals gegen Ungläubige und Andersdenkende gehetzt: Abu Ramadan.
Hat mehrmals gegen Ungläubige und Andersdenkende gehetzt: Abu Ramadan.
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Ein Schriftzug in der Ar'Rahman-Moschee in Biel. (23. August 2017)
Ein Schriftzug in der Ar'Rahman-Moschee in Biel. (23. August 2017)
Peter Klaunzer, Keystone
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Vor zwei oder drei Jahren wäre einer wie Abu Ramadan gar nicht in einer Moschee akzeptiert worden, meinte Reinhard Schulze, Professor am Institut für Islamwissenschaften der Universität Bern, in der Diskussionssendung «Kontext» von Radio SRF 1 am 23. September.

Er wäre als ein Gast gesehen worden, der vielleicht mal versucht hätte, eine Freitagspredigt zu halten, der aber keine Resonanz im Publikum gefunden hätte, so Schulze weiter.

Heute sei zwar die Neugierde gegenüber solchen Personen gewachsen, doch gelte es festzuhalten, dass das Publikum, das einer Predigt von Abu Ramadan zuhöre, nicht zwingend dessen Haltung teile. Abu Ramadans Bildungsstand in Sachen Islam sei ohnehin so «erschreckend niedrig», dass er nicht ernst genommen werden könne.

«Jihadisten unterstützt»

Kurz: Sowohl Reinhard Schulze als auch Montassar Benmrad, Präsident der Föderation Isla­mischer Dachorganisationen Schweiz (Fids), versuchten in der Sendung, Abu Ramadan als armen, ungebildeten Imam zu bezeichnen. Allein: Angesichts seiner zahlreichen Auftritte in zwei Moscheen der libyschen Hauptstadt Tripolis ist diese Verharmlosung nicht haltbar.

Dass sich Abu Ramadan mehrmals in Libyen aufgehalten hat, steht ausser Frage – und ist eigentlich auch nicht neu: Bereits im April 2013 sagte Abu Ramadan in einem Interview, das mindestens bis gestern auf Youtube auffindbar war, er sei in Benghazi und Tripolis gewesen. Dass eine Verharmlosung Abu Ramadans nicht angezeigt ist, belegen nicht nur seine Predigten in Libyen, sondern auch Berichte in libyschen Medien.

So schreiben beispielsweise «Libya News», «The Observatory» und «Arooselbahr» übereinstimmend: «Saleh Ramadan El Fitouri Ben Salem ist angesichts seiner Rolle bei der Rekrutierung von Kämpfern über seine religiösen Predigten einer der gefährlichsten Terroristen im Ausland.»

Er habe insbesondere während der Einkesselung der Jihadisten von al-Qaida und IS in Benghazi in seinen Predigten in der Moschee al-Karafi in Tripolis Gott um die Befreiung der Eingekesselten gebeten, schreibt «Libya News».

Die Medien, die über Abu Ramadan geschrieben haben, sind sich einig, dass er seit dem Tod des früheren libyschen Diktators Muammar al-Ghadhafi im Oktober 2011 regelmässig nach Libyen reiste, um die Jihadisten in seinen Predigten zu unterstützen. Dies blieb auch in Saudiarabien nicht verborgen.

Die Nachrichtenagentur al-Arabiya kam am 26. August dieses Jahres zum Schluss, Abu Ramadan habe eine beladene Geschichte, was die Unterstützung des Extremismus inner- und ausserhalb seines Landes betreffe.

Von «Travel» zu «Export»

Bereits bekannt ist, dass sich Abu Ramadan als Reiseführer betätigt hat. Womöglich diente ihm dazu auch seine eigene Firma. Diese war bis im November 2012 unter dem Namen «Ben Salem Travel Services» als Einzelfirma im Handelsregister eingetragen. Danach wurde sie zu «Ben Salem Export Services» umfirmiert.

Seine Mitreisenden stammten auch aus der Westschweiz. Ein gern gesehener Gast war Abu Ramadan nämlich auch im Kulturzentrum der Muslime von Lausanne in Prilly, dem CCML. Dieses gehört zur UOMG (Union der muslimischen Organisationen im Kanton Genf) und somit zur von Mon­tassar Benmrad präsidierten Fids. In Vevey eingenistet hat sich überdies eine islamische Stiftung, die «Fondation Islamique du District de la Riviera-Pays-d’Enhaut».

Sie tritt seit 2010 als «Soziokulturelles Zentrum der Riviera von Montreux» auf und ist eng mit dem Kulturzentrum CCML in Prilly verbunden. So hat Abu Ramadan Muslime und vor allem zum Islam Konvertierte aus beiden Zentren bereits vor etwa zwei Jahren als Pilger nach Saudiarabien geführt.

Blancho in Katar

Als Abu Ramadan Anfang März in Tripolis predigte, reisten die mittlerweile von der Bundes­anwaltschaft angeklagten IZRS-Vertreter Nicolas Blancho und Qaasim Patrick Illi nach Doha in Katar. Dort empfing sie der Ge­neralsekretär der zur Muslimbruderschaft gehörenden IUfMS (Internationale Union Muslimischer Gelehrter), Ali Muhiuddin al-Qara Daghi. Er besprach mit ihnen Fragen rund um den «Takaful», das islamische Versicherungswesen.

Blancho und Illi versprachen ihm dabei, seine Fatwas (islamische Rechtsgutachten) ins Deutsche zu übersetzen, um «den Muslimen in der Schweiz von Nutzen zu sein». Dies ist durch einen Bericht mit einem Bild der drei auf der Website der Union belegt.

Saïda Keller-Messahli ist Gründerin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, Autorin und Publizistin. Sie publizierte kürzlich dasBuch «Islamistische Drehscheibe Schweiz» (Verlag NZZ Libro).

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