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Mehrjährige Haftstrafen für die Raser

Am Montag sind die zwei jungen Männer, die den tödlichen Verkehrsunfall verursacht haben, erstinstanzlich wegen eventualvorsätzlicher Tötung verurteilt worden. Sie müssen für siebeneinhalb, respektive sieben Jahre ins Gefängnis.

Am 17. Dezember 2011 ereignete sich in Täuffelen im Berner Seeland ein tragischer Unfall bei einem Zebrastreifen.
Am 17. Dezember 2011 ereignete sich in Täuffelen im Berner Seeland ein tragischer Unfall bei einem Zebrastreifen.
Arthur Sieber, Newspictures
Eine Familie wollte am Sonntagnachmittag in Täuffelen einen Fussgängerstreifen überqueren.
Eine Familie wollte am Sonntagnachmittag in Täuffelen einen Fussgängerstreifen überqueren.
Arthur Sieber, Newspictures
Auch viele Polizisten waren an der Trauerfeier anwesend: Das Unfallopfer war selber Mitglied des Korps.
Auch viele Polizisten waren an der Trauerfeier anwesend: Das Unfallopfer war selber Mitglied des Korps.
Adrian Streun/BT
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Am Regionalgericht in Biel sind am Montag Philippe K. und Thomas R. (Namen geändert) wegen eventualvorsätzlicher Tötung und dem mehrfachen Versuch dazu verurteilt worden. Die beiden lieferten sich am 17. Dezember 2011 auf der Hauptstrasse in Täuffelen ein Kräftemessen.

Nach einem Überholmanöver verlor K. die Kontrolle über seinen BMW, worauf es zum Unfall mit Todesfolge für einen Familienvater kam. Dieser hatte gerade mit Frau und Kindern die Strasse überquert.

Die beiden Täter hätten den Tod des Opfers bewusst in Kauf genommen, sagte Gerichtspräsidentin Sonja Koch. Es habe sich um eine kurvenreiche Strecke innerorts gehandelt. Zudem seien beide Fahrer ortskundig. «Die beiden sind sich des grossen Risikos bewusst gewesen.»

Mit seinem Urteil folgte das Gericht den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Diese forderte für beide Beschuldigten zehn Jahre Haft. Das Gericht blieb allerdings unter diesem Strafmass. K. wurde zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, R. zu sieben Jahren.

Vor allem aber die Differenz zu den Anträgen der Verteidigung ist enorm: Diese forderte letzte Woche eine bedingte Haftstrafe von 18 Monaten wegen fahrlässiger Tötung für den Haupttäter K. und einen Freispruch für den Mittäter R.

Als Selbstschutz zu werten

Der Ausgang der Hauptverhandlung war schwer vorauszusehen. Klar war einzig der Unfallhergang, nachdem sich das Fahrzeug von K. destabilisierte. Dieser wird von zwei Gutachten bestützt und wurde auch von der Verteidigung nicht angezweifelt. Bei den vorausgegangenen Geschehnissen sah es jedoch anders aus.

Da die objektiven Beweismittel fehlten, musste das Gericht beurteilen, ob die diversen Zeugenaussagen ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Dabei waren vor allem jene Aussagen ausschlaggebend, die kurze Zeit nach dem bereits vier Jahre zurückliegenden Unfall gemacht wurden. Dass Aussagen vor Gericht nach dieser langen Zeit teilweise abweichend waren, sei «nachvollziehbar», sagte Koch.

Auch R. widersprach vor Gericht sich selber, indem er frühere Aussagen bei Polizei und Staatsanwaltschaft abschwächte. Bei seiner ersten Befragung als Beschuldigter benutzte er den Begriff «Rennen» noch mehrfach. Auch gab R. zu, dass er beim Überholmanöver von K. beschleunigt habe, «um ihm zu zeigen, dass er hier nicht überholen soll».

Letzte Woche versuchte er dann, möglichst sich selber nicht mehr zu belasten. «Ich kann nicht ändern, wie K. fährt», sagte er. K., der beim Unfall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitt, kann sich überhaupt nicht an den Vorgang erinnern und konnte zum Unfall keine Angaben machen.

Gut des Lebens nicht geachtet

Bei der Urteilsberatung hat das Gericht mehrere Zeugenaussagen, welche die Darstellungen von Staatsanwalt Schmid stützen, als glaubwürdig angesehen. Das sagte Koch gestern. Ausschlaggebend für die Verurteilung wegen eventualvorsätzlicher Tötung waren aber ausgerechnet eben jene Äusserungen von R. selber, die er Jahre vor dem Prozess gemacht hatte und so teilweise nicht mehr bestätigen wollte.

«Ohne diese Aussagen», so Koch, «hätte man den Sachverhalt nicht nachweisen können.» Dass R. die Geschehnisse vor Gericht anders darlegte, führte die Gerichtspräsidentin nicht auf die lange Verhandlungsdauer zurück. Dies sei als Selbstschutz zu werten. «Sie sind Mittäter», sagte sie an R. gewandt, «Sie haben gemeinsam mit K. den Entschluss gefasst, sich auf der Strasse zu messen.»

Die beiden hätten das Gut des Lebens nicht geachtet. «Für Sie war es gleichgültig, wen es hätte treffen können.» Koch sprach von «reinem Zufall», dass es zu keinen weiteren Todesopfern, sondern «nur» zu Schwerverletzten gekommen sei.

«Echte und tiefe Reue»

Das jugendliche Alter – K. und R. waren zum Tatzeitpunkt 18-jährig – wirkte sich ebenso wenig strafmildernd aus wie die Tatsache, dass die beiden im Dezember 2011 erst kurz im Besitz eines Führerscheins waren.

Koch führte aus, dass in der Fahrschule auf die Gefahren auf der Strasse aufmerksam gemacht worden und das Wissen noch frisch gewesen sei. Hingegen wirkte sich strafmildernd aus, dass K. an der Hauptverhandlung Reue zeigte.

Am vergangenen Donnerstag wandte er sich mit seinem letzten Wort erstmals direkt an die Opferfamilie. Er entschuldigte sich unter Tränen bei den anwesenden Eltern des Getöteten. 2012 hatte er sich bereits mit einer Gedenkkarte an die Familie gewandt. Das Gericht gehe davon aus, so Koch, dass K. echte und tiefe Reue empfinde.

«Fairer Prozess»

K.s Verteidiger Roger Lerf sprach nach dem Schuldspruch von einem fairen, einfühlsamen Prozess. Trotzdem sei das Urteil für seinen Mandanten hart. Lerf sagte, er prüfe nun einen Weiterzug ans Obergericht. Auch Staatsanwalt Schmid wird Überlegungen in diese Richtung anstellen.

Er zeigte sich zwar dahingehend zufrieden, dass das Gericht grösstenteils seinen Anträgen gefolgt ist. Es lohne sich aber eine Prüfung des Strafmasses, sagte er. Die Parteien wollen nun die schriftliche Urteilsbegründung abwarten.

K. und R. nahmen das Urteil am Montag mit versteinerten Mienen entgegen. Erst als Gerichtspräsidentin Koch die Verhandlung schloss, kochten die Emotionen über.

SDA/tag

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