RBS: Der erste unterirdische Bahnhof

Vor 50 Jahren, am 20. November 1965, fuhr zum ersten Mal ein Zug in den RBS-Bahnhof Bern ein. Der erste unterirdische Bahnhof der Schweiz ist für RBS-Betriebshistoriker Jürg Aeschlimann ein «visionäres» Bauwerk.

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Ralph Heiniger

Es war ein Meilenstein für den öffentlichen Verkehr in der Region. Heute vor 50 Jahren wurde der RBS-Bahnhof Bern eingeweiht. Zwei Züge kamen am 20.?November 1965 durch den Tunnel zur unterirdischen Endstation. Es gab einen Festakt mit Ansprachen und Publikumsfahrten. Einen Tag später nahm der erste unterirdische Bahnhof der Schweiz offiziell seinen Betrieb auf.

In mancher Hinsicht sei das Bauwerk visionär gewesen, sagt RBS-Betriebsassistent und -historiker Jürg Aeschlimman. «Die vier Gleise, die man damals gebaut hatte, reichen heute noch aus. Ausserdem bestanden die Planer auf die zwei Zufahrten beim Tunnel, obwohl damals eine genügt hätte.» Ohne die zwei Zufahrten wäre der RBS-Schienenverkehr, wie wir ihn heute kennen, aus Kapazitätsgründen nicht möglich, erklärt der 58-jährige Aeschlimann. Der gelernte Betriebsdisponent arbeitet seit fast 30 Jahren beim RBS. Seit Kindesalter sind Züge seine grosse Leidenschaft. Aeschlimanns Vater arbeitete für die SBB, sein Sohn ist Lokomotivführer beim RBS, seine Freizeit verbringt er in einem Modelleisenbahnclub. Er kennt die Geschichten und die Hintergründe zu jedem Bahnhof, jedem Zug, jedem Gleis.

Der Planungsprozess für den unterirdischen Bahnhof hat eigentlich schon in den 20er-Jahren begonnen. Die SZB (Solo­thurn-Zollikofen-Bern-Bahn) – eine der RBS-Vorgängerorganisationen – fuhr damals auf den Bahnhofplatz, Endstation war vor der Heiliggeistkirche. «Dort hatte die Bahn aber kaum genug Platz», sagt Aeschlimann. Im Sommer 1924 wurde im Berner Stadtrat mit einer Motion der unterirdische Zugang für die SZB zum Berner Hauptbahnhof verlangt.

Mit Weitsicht geplant

Bereits 1932 lag ein erstes konkretes Projekt für einen unter­irdischen Bahnhof vor. «Vorgesehen waren damals drei Gleise mit einer Länge von 120 Metern und zusätzlich ein kürzeres Abstellgleis.» Noch zwei weitere Projekte wurden verworfen, bevor 1960 die Bauarbeiten für den RBS-Bahnhof begannen. Am Anfang lief alles wie geplant. «Doch dann stellte man fest, dass die geologischen Verhältnisse an der geplanten Stelle zu schlecht waren», sagt Aeschlimann. Der Tunnel musste tiefer und länger gebaut werden. «Wenn Sie heute mit dem Zug aus dem Bahnhof fahren, merken Sie, dass der Tunnel ein Gefälle hat. Das war nicht geplant.»

Aufgrund der zusätzlichen Arbeiten kostete der Bau am Schluss rund 24 Millionen Franken – 16 Millionen waren bud­getiert. Dennoch stehe ausser Frage, dass sich die Investition gelohnt hat, sagt Aeschlimann. «Der unterirdische Bahnhof ist die Grundlage für den Erfolg des RBS.» Waren es anfangs rund 12?000 Fahrgäste am Tag, sind es heute im Durchschnitt 47?000.

Mit 60 in Pension

Der RBS-Bahnhof hat seine Kapazitätsgrenzen überschritten. Geplant wurde für 16?000 Personen, an Spitzentagen sind es heute bis zu 60?000. «Die Perronbreite liegt bei rund 4 Metern, und es gibt nur in einer Richtung Ausgänge. Das reicht nicht mehr», sagt Aeschlimann. Nach 50 Jahren geht der heutige RBS-Bahnhof langsam auf seinen Ruhestand zu.

Im Rahmen des Projekts Zukunft Bahnhof Bern ZBB soll ein neuer RBS-Bahnhof unterhalb der SBB-Gleise entstehen. Der Baubeginn ist für 2017 geplant, die Eröffnung für 2025. Für Aeschlimann ist klar: «Es wird ein weiterer Meilenstein.»

Zum Jubiläum werden im RBS-Bahnhof Bern entlang der Gleise 21 und 24 sechzehn historische Bilder aufgehängt, welche die Geschichte des ersten unterirdischen Schweizer Bahnhofs dokumentieren.

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