Region Bern: Feuerwehren spannen zusammen

Bern

Milizfeuerwehren bekunden Probleme bei der Tagesverfügbarkeit ihrer Wehrkräfte. Deshalb arbeiten sie fortan enger mit der Berufsfeuerwehr der Stadt Bern zusammen. Davon profitieren beide Seiten.

Alles steht bereit: Ungefähr zwei Minuten brauchen die Wehrkräfte, um das Magazin bei einem Alarm zu verlassen.

Alles steht bereit: Ungefähr zwei Minuten brauchen die Wehrkräfte, um das Magazin bei einem Alarm zu verlassen.

(Bild: Raphael Moser)

Immer weniger Leute leisten freiwilligen Feuerwehrdienst. Erstens. Und zweitens: Jene, die es tun, sind vermehrt nur noch ausserhalb der Bürozeiten und an den Wochenenden verfügbar. Das führt dazu, dass Milizfeuerwehren immer mehr Mühe bekunden, die Tagesverfügbarkeit ihrer Einsatzkräfte zu gewährleisten.

Ein Problem, dem sich die Gemeinde Bolligen im Frühjahr dieses Jahres annahm und im Zuge dessen den Kontakt zu der Berufsfeuerwehr der Stadt Bern suchte. Gemeinsame Einsätze der Berufs- und der Ortsfeuerwehr von Bolligen gibt es bereits seit dem Sommer 2018.

In einer Arbeitsgruppe habe man nun aber Möglichkeiten ausgelotet, die Zusammenarbeit zu intensivieren und nicht nur bei Einsätzen zusammenzuspannen, teilte Daniela Freiburghaus, Sicherheitsvorsteherin von Bolligen, mit. Der Arbeitsgruppe schlossen sich nebst Bolligen auch die Ortsfeuerwehren Ittigen, Ostermundigen, Köniz und Allmendingen-Muri-Gümligen an. Sie alle wollen sich an der Gestaltung des Feuerwehrmodells beteiligen.

Gerade in Randgebieten sei es der Fall, dass die städtischen Wehrkräfte nicht immer innerhalb der von der Gebäudeversicherung vorgeschriebenen Frist von 10 Minuten am Einsatzort eintreffen könnten, sagt Alain Sahli, Planungs- und Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr der Stadt Bern. Bild: Raphael Moser

Was in der Arbeitsgruppe entstanden ist, präsentierten Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Bern, darunter der Sicherheitsdirektor Reto Nause, und Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Gemeinden und der Berufsfeuerwehr an der gestrigen Pressekonferenz an der Murtenstrasse in Bern, an der sich der Stützpunkt der Berufsfeuerwehr befindet.

Pilotprojekt Ostermundigen

Peter von Arx, Sicherheitsbeauftragter von Ostermundigen, berichtete von seinen Erfahrungen im Pilotprojekt, das im vergangenen November durchgeführt wurde. Dabei kam es zu ersten intensiveren Kontakten zwischen Berufs- und Milizfeuerwehr. Einen Monat lang waren unter der Woche jeweils acht Berufsfeuerwehrleute von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends in Ostermundigen stationiert.

«Vom gemeinsamen Engagement profitieren sowohl die Berufs- als auch die Ortsfeuerwehren. Eine Win-win-Situation.»Alain Sahli, Einsatzleiter Berufsfeuerwehr

«Mit den ersten gemeinsamen Erfahrungen sind wir sehr zufrieden», sagte Peter von Arx. Und auch Alain Sahli, der Planungs- und Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr der Stadt Bern, ist überzeugt vom Pilotprojekt. Insbesondere der Standort der Ortsfeuerwehr habe sich als ideal erwiesen. «Es ist deshalb durchaus denkbar, dass die Berufsfeuerwehr in absehbarer Zeit zusätzlich zu einem Einsatzelement fix ab Ostermundigen ausrückt.»

Nebst Ostermundigen und Bolligen arbeitet die städtische Feuerwehr auch mit der Milizfeuerwehr Allmendingen-Muri-Gümligen (AMG) enger zusammen. «Vom gemeinsamen Engagement profitieren sowohl die Berufs- als auch die Ortsfeuerwehren. Eine Win-win-Situation», sagt Sahli.

Gerade in Randgebieten sei es der Fall, dass die städtischen Wehrkräfte nicht immer innerhalb der von der Gebäudeversicherung vorgeschriebenen Frist von 10 Minuten am Einsatzort eintreffen könnten. In acht von zehn Fällen halte man die Zeit zwar ein, sagt Sahli. Näher stationierte Feuerwehren würden aber schneller an einem peripheren Einsatzort eintreffen.

So etwa die Milizfeuerwehr AMG, die ihrerseits die östlichen Gebiete Berns schneller anfahren kann als die Berufsfeuerwehr. Grund dafür sei aber nicht nur die geografische Lage eines Einsatzortes, sondern auch die Verkehrslage. «Heute ist es deshalb so, dass mit uns die Feuerwehr AMG das Erstaufgebot erhält, wenn in den Osten Berns ausgerückt werden muss.» Auch ein Novum in der Zusammenarbeit zwischen Berufs- und Milizfeuerwehr.

Noch nicht ausgereift

Trotz der Lösungen, die bereits jetzt zwischen der Berufsfeuerwehr und den Ortsfeuerwehren gefunden wurden, sind sich die Beteiligten einig: Das Modell ist nicht ausgereift. Man werde es weiterentwickeln. Eine Rolle spielt dabei die Logistik. Auch hier wollen sich die Feuerwehren unterstützen. In Bolligen ist beispielsweise ab dem Winter 2020 keine Atemschutzwerkstatt mehr geplant. Diese Logistikleistung sollen die Bolliger Feuerwehrkräfte künftig von der städtischen Feuerwehr beziehen.

raw/sda

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