Reihenhäuser statt Ruine 

Lyss

Das Kolibri-Areal zerfällt immer mehr. Doch die Tage des «Lysser Schandflecks» sind gezählt: Bald sollen die Reste des ehemaligen Freizeitzentrums abgerissen werden.

Die Hülle der Tennishalle wurde abmontiert, übrig bleiben die blauen Stahlträger.

Die Hülle der Tennishalle wurde abmontiert, übrig bleiben die blauen Stahlträger.

(Bild: Enrique Muñoz García)

Simone Lippuner

Der Konflikt schwelt bereits seit vier Jahren. Das Kolibri-Areal in der Lysser Wannersmatt, einst Treffpunkt für Bowler und Tennisspieler, ist zum Schandfleck verkommen. Um das ehemalige Freizeitzentrum ist ein Rechtsstreit entflammt, jahrelang blockierten Überreste des Gebäudes ein geplantes Wohnbauprojekt. Nun haben die Grundstückbesitzer keine Geduld mehr und nehmen die Sache selber in die Hand.

Kurz nach der Schliessung des Sportzentrums im Herbst 2015 ersteigerte die Firma HSS Facility Management aus Kerzers die Tennishalle. Zwar wurde die Hülle vom Käufer abmontiert und andernorts wieder aufgestellt; die himmelblauen Stahlträger aber ragen seither unberührt in die Höhe und verleihen dem ohnehin schon gespenstischen Ort einen noch skurrileren Charakter. Zum Streit führte die Frage, wer nun was genau abtransportieren muss und für die entsprechenden Kosten aufkommt. 

Baldiger Abriss

Für die Kolibri-Eigentümer Wolfgang Chevalier und Marianne Racine war von Anfang an klar, dass der Ersteigerer für Demontage und Abtransport verantwortlich ist. Dieser jedoch monierte, die Halle sei wegen Vandalenakten lädiert, und solange Unstimmigkeiten bestünden, würde er nichts unternehmen. «Wir haben ihm die letzte Frist für die Räumung bis Ende August verlängert», sagt Marianne Racine.

Doch wieder ist nichts passiert. Dass die Grundeigentümer mittlerweile einen fixen Vertrag mit einem Investor, der Nerinvest AG aus Murten, im Sack haben, macht ihnen das weitere Handeln einfacher. «Wir warten auf die Baubewilligung. Sobald diese eingetroffen ist, werden wir die Gebäudereste abreissen lassen», sagt Racine – auf Kosten des Ersteigerers. «Wir haben uns rechtlich abgesichert, das wird also kein Problem sein.» Von der Firma HSS Facility Management war für eine Stellungnahme niemand erreichbar. 

Für die Gemeinde Lyss steht dem geplanten Abbruch nichts im Weg: Eine entsprechende Bewilligung liegt seit Jahren vor. «Wer den Abriss macht und bezahlt, spielt für uns keine Rolle», sagt Ruedi Frey, Abteilungsleiter Bau und Planung, die vertragliche Situation sei eine privatrechtliche Angelegenheit. «Die Gemeinde ist auf jeden Fall froh, wenn es auf dem Gelände endlich vorwärtsgeht, das ist ja wirklich keine Augenweide.» Die Nerinvest AG plant in der Wannersmatte eine neue Wohnsiedlung mit Reiheneinfamilienhäusern. Gemäss Frey sollte das Baugesuch bis Ende September eintreffen.

Fotos und Videos

Das Kolibri ist zum trostlosen Fleck verkommen. Ein Bauzaun umgibt die Gebäudereste, das Gelände ist von Unkraut überwachsen, überall liegen Scherben und kaputtes Mobiliar. Die unteren Geschosse stehen unter Wasser, darin schwimmen Werkzeuge, Feuerlöscher, kaputte Rohre. Alles ist versprayt, immer wieder wird eingebrochen, und gemäss Racine hätten offenbar auch schon Personen im Gebäude übernachtet. 

Während sich die einen über diesen Zustand empören, wird die Ruine für andere zum Foto- oder Videoprojekt. Auf Youtube ist ein Video aufgeschaltet, das in einer zweiminütigen Reise durch die gespenstische Welt des ehemaligen Freizeitzentrums eindrücklich zeigt, wie die Zeichen der Zeit einen Ort verwandeln können. Marianne Racine sagt dazu: «Diese Leute müssen sich bewusst sein, dass das Betreten der Ruine erstens gefährlich ist und zweitens als Hausfriedensbruch gilt.»

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