Revolutionäre Grossmutter

Bern

Die 81-jährigen Bernerin Marie-Louise Barben engagiert sich in der Bewegung Grossmütterrevolution, um das Bild vom lismenden, anspruchslosen Grosi zu revolutionieren.

Trotz aller Herausforderungen möchte die 81-Jährige keineswegs «forever young» bleiben. «Es ist für mich okay, älter zu werden», sagt Marie-Louise Barben.

Trotz aller Herausforderungen möchte die 81-Jährige keineswegs «forever young» bleiben. «Es ist für mich okay, älter zu werden», sagt Marie-Louise Barben.

(Bild: zvg)

Mit der 81-jährigen Bernerin einen Termin zu finden, ist gar nicht so leicht. Marie-Louise Barben ist viel beschäftigt. Sie engagiert sich intensiv in der Bewegung Grossmütterrevolution. Diese vereinigt Frauen ab etwa 60 Jahren, die theoretisch Grossmütter sein könnten. Es ist aber keine Bedingung, dass sie tatsächlich Enkelkinder haben. «Wir wollen das Bild vom lismenden, anspruchslosen Grosi revolutionieren», erklärt Marie-Louise Barben, als es mit dem Treffen klappt. Sie selber hat zwei Enkelkinder. «Viele ältere Frauen sind auch nach ihrer Berufskarriere noch aktiv – politisch oder sozial – und haben vielseitige Inte­ressen.»

Am 17. September spricht sie im Rahmen der Ausstellung «For­ever Young» im Berner Generationenhaus über die Bewegung. Den Fokus legt Marie-Louise Barben auf Fragen zur Lebensqualität im hohen Alter. Sie ist Co-Autorin von drei Berichten der Grossmütterrevolution zu diesem Thema. «Die meisten Frauen möchten bis zum Ende selbstbestimmt leben», sagt sie. Doch in der Realität sind viele im vierten Lebensalter auf fremde Hilfe angewiesen. Über diese Angst vor Abhängigkeit möchte sie sprechen. Aber Ratschläge, so betont Marie-Louise Barben, habe sie keine parat. «Es geht um den Austausch, beim vertieften Reden miteinander findet man am ehesten Antworten.» Der Anlass ist Teil der Diskussions­reihe «Wissen zum Zmittag».

Marie-Louise Barben war vor ihrer Pensionierung Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung des Kantons Bern. Nun widmet sie sich den Frauen im Alter. «Bei ihnen stellen sich andere Probleme als bei den Männern», sagt sie. Frauen werden älter, müssen also mehr Zeit ohne Ehepartner gestalten, und oft verfügen sie über weniger Rente aus der Pensionskasse, weil sie nicht durchgehend Vollzeit erwerbstätig waren.

Trotz aller Herausforderungen möchte die 81-Jährige keineswegs «forever young» bleiben. «Es ist für mich okay, älter zu werden.» Dennoch versucht auch Marie-Louise Barben, sich zu wappnen: «Das soziale Umfeld ist wichtig, damit man später nicht vereinsamt und eventuell sogar verwahrlost.» Deshalb pflegt sie ihre Freundschaften und Bekanntschaften. Auch in der Grossmütterrevolution: «Das grosse Netzwerk gibt mir viel Energie.»

«Wissen zum Zmittag»: 17. 9., 12.15 Uhr, Generationenhaus, Bern.

mjc

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