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Schüler bauen in der Ukraine

Bauen statt Fussball schauen: Während in den Städten der Ukraine die Europameisterschaft begann, halfen Steiner-Schüler aus Ittigen auf dem Land, eine Kolchose zum Bildungszentrum umzubauen – und unterliegen der Dorfjugend.

Wiederaufbauer und Wiederaufbauerin: Simon Marbot und Oriana Edman legen Plättli.
Wiederaufbauer und Wiederaufbauerin: Simon Marbot und Oriana Edman legen Plättli.
Samuel Thomi/zvg

«Was wir machen, ist wie ein Geschenk für die Ukraine», sagt Leonie Eichenberger. «Doch auch die Ukrainer werden noch viel dazu beitragen müssen.» Die 17-jährige Jegenstorferin leistete mit ihrer Klasse kürzlich zwei Wochen lang Wiederaufbauhilfe im Gastland der diesjährigen Europameisterschaft. Während in den grossen Städten der Ukraine Fussball gespielt wurde, halfen 34 Schülerinnen und Schüler der Rudolf-Steiner-Schule Ittigen draussen auf dem Land, eine ehemalige Kolchose in ein Schulungszentrum für biologisch-organischen und -dynamischen Landbau umzubauen. Für das Projekt «Schiwa Semlja/Lebendige Erde» reisten sie zweieinhalb Tage mit dem Zug nach Potutory, 80 Kilometer südlich von Lemberg.

«Anstrengung lohnt sich»

Zu Sowjetzeiten war die Kolchose ein stolzer Betrieb mit 400 Hektaren Land. Nach der Wende wurde sie privatisiert. Vor 6 Jahren mussten die Betreiber Konkurs anmelden. 25 Jahre nach der Wende herrschen im ehemaligen Betrieb daher einfachste Verhältnisse. Mehrere Häuser fielen in sich zusammen oder wurden geplündert. Gewöhnungsbedürftig für die Steiner-Schüler aus Ittigen: «Ich konnte mir gar nicht vorstellen, in welcher Armut die Menschen hier leben», sagt Schüler Noé Maulaz. Auch die immensen Probleme mit dem Alkohol habe er nicht erwartet. Nun soll sich etwas ändern: Mit Unterstützung aus der Schweiz soll die Kolchose wieder aufgebaut werden. Das bedeutet einen Neustart für das ganze Dorf.

Tagelang hob der 16-jährige Noé Maulaz Sickergräben aus oder brach Steinmauern für den Bau neuer Mauern ab. «Auf jeden Fall lohnt sich die Anstrengung», sagt Oriana Edman. Die Zehntklässlerin aus Bleienbach reinigte das verrusste Parterre, strich Wände glatt und legte Fliesen. Weitere Schüler schlugen Trennwände heraus für einen Speisesaal, auch für eine Grossküche wurde Platz geschaffen. Im sogenannten Profilaktorium, wo zu Sowjetzeiten für die Mitarbeitenden der Kolchose Ärzte und Zahnärzte untergebracht waren und ein Kino betrieben wurde, sollen sich künftig Studierende verpflegen und wohnen.

«Zu Beginn war die Arbeit ziemlich ungewohnt», sagt Nina Etter. Statt trocken und sauber wie im Schulzimmer war es nämlich staubig. Und bisweilen auch feucht, weil das Dach noch nicht wieder ganz dicht war. Doch mit den Fortschritten bei der Arbeit sei schliesslich auch die Freude an der Ukraine gekommen, so die 16-Jährige aus Zollbrück. «Und die gute Klassengemeinschaft.»

105000 Franken gesammelt

Um in Osteuropa arbeiten zu können, mussten die Zehnteler mit ihrer Parallelklasse, die kurz zuvor einen ähnlichen Einsatz in Rumänien geleistet hatte, mindestens 1000 Franken pro Schüler sammeln. Da mit 105000 Franken rund doppelt so viel Geld wie nötig zusammenkam, übernahmen die Schüler auch den Grossteil der Werkzeug- und Materialkosten.

«Etwas abzureissen und wieder aufzubauen, ist in diesem Alter eine wichtige Erfahrung», sagt Klassenlehrer Daniel Aeschlimann. «Fernab von jedem Luxus werden die Schüler dabei erst recht aus dem Alltag gelockt.» Zudem habe man den Ukrainern zeigen können, dass in alten Gemäuern mit Hingabe durchaus wieder Sinnvolles entstehen könne.

«Es ist schön, zu wissen, dass unsere Arbeiten bald von Leuten aus dem Dorf beendet werden», sagt denn auch Gianna Fadrina Lippuner. Die Ittigerin hat ebenfalls tagelang gespachtelt, obwohl schon zu Beginn klar war, dass ihre Klasse nicht alles selber wird fertigstellen können. «Damit leisten wir aber einen sinnvollen Kick-off», kommentiert Arbeitskollegin Nina Etter in Anlehnung an die Euro.

Auch in Potutory war Fussball selbstverständlich ein Thema. Doch als die Steiner-Schüler nach Feierabend gegen die Dorfjugend spielten, waren die Einheimischen jeweils klar im Vorteil.

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