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Schuften für das grosse Spiel gegen YB

Der Berner Quartierclub FC Breitenrain befindet sich im Ausnahmezustand. Es naht das bedeutendste Spiel der Vereinsgeschichte. Das Derby am Samstag gegen YB.

So sah der Bühnenaufbau auf dem Spitz aus.
So sah der Bühnenaufbau auf dem Spitz aus.
Walter Pfäffli
Am Samstag verwandelt sich das Areal, wo der FC Breitenrain seine Heimspiele austrägt, in eine Festhütte.
Am Samstag verwandelt sich das Areal, wo der FC Breitenrain seine Heimspiele austrägt, in eine Festhütte.
Walter Pfäffli
Auch YB habe von Anfang an darauf bestanden, auf dem «Spitz» zu spielen.
Auch YB habe von Anfang an darauf bestanden, auf dem «Spitz» zu spielen.
Jan Weisstanner
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Sie haben sich reingehängt, nun sind die Spieler der dritten Mannschaft des FC Breitenrain platt. Sie lümmeln auf Bänken beim Clubhaus und halten sich an ihren Trinkflaschen fest. Die meisten haben ihr Oberteil ausgezogen, unter dem Sonnendach staut sich die Hitze. Mancher Spieler ist bereits aus Hälfte eins gezeichnet. Es tropft der Schweiss, es schimmert der Sonnenbrand. Draussen unter der Sonne wartet Durchgang zwei auf die Fussballer. Von Fussballspielen ist aber keine ­Rede. An dem Samstag ist Gerüst bauen angesagt.

Ein Gerüst, aus dem eine Sitzplatztribüne für 400 Zuschauer entstehen wird. Diese Tribüne ist das sichtbarste Zeichen für den Ausnahmezustand, in dem sich der Berner Quartierverein FC Breitenrain dieser Tage befindet. Es naht nichts weniger als das bedeutendste Spiel der Vereinsgeschichte. Der grosse Nachbar, der BSC YB, keinen Kilometer Luftlinie entfernt, kommt für die erste Runde des Schweizer Cups auf den Sportplatz Spitalacker. Ein Stadtderby, Quartierderby sogar.

Abtausch war keine Option

«Das gibts nur einmal, das kommt nicht wieder», sagt Clubprä­sident Claudio A. Engeloch. Ein tolles Highlight, aber auch eine grosse Herausforderung und ein grosser Aufwand sei dieses Der­­by. Nebst der Sitzplatztribüne stellt der Verein noch drei zu­sätzliche Stehplatztribünen auf. Bewilligungen müssen eingeholt, der Vorverkauf organisiert werden.

Der Verein hätte es sich auch einfacher machen können. Er hätte als Unterklassiger auf sein Heimrecht verzichten und bei YB im Stade de Suisse spielen können. Dies sei aber nie eine ­Option gewesen, so Engeloch. Und auch YB habe von Anfang an darauf bestanden, auf dem «Spitz» zu spielen. Dort ist man sich einig: Dass der Underdog den Favoriten im eigenen Stadion empfängt, macht den Reiz der Cupspiele ja erst aus.

Extraschippe der YB-Fans

Zu einem Fussballfest gehört in der Regel auch eine gewisse Geräuschkulisse. Ein leidiges Thema für den FC Breitenrain, der kürzlich im Lärmstreit mit der Nachbarschaft den Kürzeren gezogen hat. Megafon, Trommel und Konsorten sind auf dem Fussballplatz seither verboten. Für den Cuphit hat der Verein eine normale Bewilligung beantragt, die Ausgangslage ist diesbezüglich die gleiche wie an einem regulären Ligaspiel. Ausser dass es entschieden lauter zugehen dürfte. Insbesondere die YB-Fans scheinen gewillt, bei der Unterstützung noch eine Schippe draufzulegen. Als Trotzreaktion zur nicht gerade fussballfreundlichen Haltung der Nachbarn.

Geht es nach dem Entscheid des Kantons, müssten der Breitenrain-Präsident und seine Mannen dann aber beruhigend auf die gegnerischen Fans einwirken. Was beim Derby aber nicht passieren wird. «Wir gehen sicher nicht in die YB-Kurve und fordern die Fans auf, ruhiger zu sein», sagt Engeloch. Er hält den Entscheid des Kantons bei solch aussergewöhnlichen Spielen für nicht durchsetzbar.

Forderungen der Jugend

Nach der Mittagspause geht die dritte Mannschaft zurück ans Werk. Unterstützt wird sie von Asylbewerbern der benachbarten Unterkunft. Zwei Monteure der Firma Hofstetter koordinieren und kontrollieren die Aufbauarbeiten. Trotz mangelnder Deutschkenntnisse werde gut zusammengearbeitet, loben sie die freiwilligen Helfer. Sieben Franken in der Stunde bekommen die Asylbewerber für ihren Einsatz. Ausbezahlt wird der Betrag nicht vor Ort. Das Geld werde als Spende an die Heilsarmee Flüchtlingshilfe überwiesen, sagt Sandro Reinhard, Eventmanager des FC Breitenrain.

Auch manch einer aus der eigenen Truppe möchte eine kleine Zulage fürs Anpacken. «Wird uns der Mitgliederbeitrag erlassen?», «Bekommen wir Tickets für das Spiel?» lauten die Fragen aus der dritten Mannschaft. Die Haltung der Jugend sei über die Jahre schon fordernder geworden, stellt Reinhard fest, ohne aber wirklich auf die Forderungen einzugehen. «Aber natürlich ist der Club froh, dass es freiwillige Helfer überhaupt noch gibt», sagt er. Ohne sie sei so eine Challenge für einen kleinen Club nicht zu stemmen.

Die dritte Mannschaft jedenfalls hat sich reingehängt. Jetzt müssen am Samstag um 17 Uhr nur noch genügend Fans erscheinen. 4800 der 6000 Tickets wurden bisher verkauft. Und am Abend gabs dann auch für die Helfer ein Billett.

Vorverkauf: generell im Heicho, Gotthelfstrasse 31; Ticketcorner.ch. YB-Fans im YB-Fanshop. Breitsch-Fans heute ab 16 Uhr im Hotel Bern.

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