Sie wollen Gemeindepräsident werden

Bremgarten

Am 30. November entscheidet Bremgarten, wer aus dem Kürzestwahlkampf ums Gemeindepräsidium als Sieger hervorgeht. Andreas Schwab (SP) und Andreas Kaufmann (GLP) stellen sich zur Wahl.

Hat gerne klare Leitlinien: Andreas Kaufmann (links) am Rand der Sportanlage beim Schulhaus. Andreas Schwab pendelt zwischen Kultur und Schulpolitik: Hier auf dem Spielplatz der Tagesschule.

Hat gerne klare Leitlinien: Andreas Kaufmann (links) am Rand der Sportanlage beim Schulhaus. Andreas Schwab pendelt zwischen Kultur und Schulpolitik: Hier auf dem Spielplatz der Tagesschule.

(Bild: Urs Baumann)

Andreas Kaufmann (GLP) – Der Gefahrengut-Controller

Andreas Kaufmann ist Risikofachmann für Bahntransporte beim Bund. Als Gemeindepräsident würde er seine Planungsstärke ausspielen. Und versuchen, die Bevölkerung zusammenzubringen.

«Es könnte einfacher sein», sagt Andreas Kaufmann (44) zum Wahlkampf, der wegen des Rücktritts von Gemeindepräsident Dominique Folletête nur einen Monat dauert. Es bedeute zwar eine zusätzliche Belastung.

«Mit Unterstützung von anderen kann ich mich aber arrangieren», meint der gemeinsame Kandidat von Grünliberalen, FDP und SVP. Weil Folletêtes Amtszeit Ende 2015 abgelaufen wäre, war Kaufmann bei den Parteien als Kandidat schon im Gespräch. «Doch jetzt geht es Schlag auf Schlag.»

Ein Podium zur Kampfwahl ist geplatzt. An den von der SP vorgegebenen Daten ist Kaufmann beruflich engagiert. Momentan bildet er Leute aus, die Güterzüge mit gefährlichen Stoffen kontrollieren. Die nächtliche Schulung auf dem Bahnhof Muttenz sei seit einem Jahr terminiert. «Ich kann diese Schulung nicht einfach absagen», rechtfertigt sich Kaufmann.

Beim Bundesamt für Verkehr arbeitet er im Bereich Sicherheit von Gefahrentransporten. Sein Job hat am Rande mit seinem früheren Beruf zu tun. Kaufmann lernte Chemielaborant, schloss die Ingenieurschule als Chemiker ab und arbeitete in der chemischen Industrie.

Später studierte er Betriebswirtschaft. Aufgewachsen ist Kaufmann in Bremgarten. Er lebte später mehrere Jahre auswärts, 2006 kehrte er zurück. Mittlerweile ist er mit einer Apothekerin verheiratet. Seine politische Karriere begann er 2011 als Kandidat für den Gemeinderat, als er auf Anhieb gewählt wurde. Seither führt er das Ressort Betriebe, Infrastruktur und Umwelt.

Die Stimmung im Rat sei recht gut, sagt Andreas Kaufmann. Meinungen prallten manchmal aufeinander, doch zwischenmenschliche Probleme habe es nicht gegeben. «Deshalb waren auch alle überrascht von Folletêtes Rücktritt.»

Als Gemeindepräsident würde er Einfluss nehmen, «dass es für alle stimmt und dass niemand als Verlierer vom Tisch geht», sagt Kaufmann. Entzündet hatte sich der Streit im Gemeinderat am Postareal. Kaufmann gehörte zur Mehrheit, die einen Kauf ablehnte.

Die bestehende Parzelle sei nicht vernünftig zu überbauen, sagt er. Und ob ein neues Dorfzentrum tatsächlich genutzt würde, sei fraglich. «Vielleicht sind ja die Sport- und Spielplätze beim Schulhaus das Zentrum. Dort ist jedenfalls meistens etwas los.»

Seine Stärke sei das Planen, so Kaufmann. «Ich frage mich: Wohin wollen wir, und welches ist der beste Weg?» Danach bleibe er beharrlich, um das Ziel zu erreichen. Für Bremgartens Zukunft ist er zwar zuversichtlich. Aber: «Das Geld fliesst nicht mehr so wie früher.»

Deshalb ist er auch skeptisch gegenüber dem Kauf des Kirchgemeindehauses, das saniert und unterhalten werden müsste. Die laufende Planung müsse zeigen, ob die Gemeinde das Gebäude benötige.

Raum für grössere Überbauungen sieht Kaufmann nicht. «Bremgarten ist gebaut», sagt er. Das Gemeindeland Fussacker zu überbauen, werde wohl erst in zehn, zwanzig Jahren aktuell. Seine Vision ist eine andere: «Ich möchte die Bevölkerung wieder zusammenbringen, vielleicht anknüpfen an die tollen Dorffeste von früher.» Er wisse nicht, ob die Bevölkerung dies wolle. «Aber man muss es versuchen.»

Andreas Schwab (SP) – Der Kultur-Unternehmer

Falls er Gemeindepräsident wird, wolle er der Bevölkerung nahe sein, sagt Andreas Schwab. Der selbstständige Ausstellungsmacher lobt die Lebensqualität in Bremgarten. Diese müsse man bewahren.

Auf seiner Homepage steht «Andreas Schwab». Und darunter: «Gemeindepräsident». Fühlt sich der SP-Mann etwa bereits als Bremgartner Wahlsieger? «Ich wollte damit ein Zeichen setzen», sagt Schwab. «Ich zeige, dass das Präsidium unser Ziel ist – ein vorstellbares.»

Noch ist er aber Gemeinderat und Kandidat für die Nachfolge von Dominique Folletête. «Hektisch und arbeitsreich» sei die Zeit von der Nomination bis zum Wahlsonntag. Dass der Wahlkampf so kurz ist, empfindet er trotzdem nicht als Nachteil. Er bedauert aber, dass kein Podium zustande kam.

«Ich schlug Andreas Kaufmann noch weitere Daten vor, aber ich erhielt Absagen.» Es sei «bedenklich und bürgerfern», wenn ein Kandidat zwei Wochen keine Zeit habe, um sich zu präsentieren.

Andreas Schwab (43) ist in Ittigen aufgewachsen. Nach der Matur studierte er Geschichte, Volkswirtschaft und Politologie. 2009 zog er nach Bremgarten. Er ist verheiratet, seine Frau ist Musikerin, die beiden haben zwei kleine Kinder. Schwab arbeitet als Historiker und selbstständiger Ausstellungskurator.

Er gestaltete zum Beispiel die Ausstellung über Longo Maï im Kornhaus Bern und ist für eine neue Ausstellung auf dem Monte Verità bei Ascona tätig. Die Berufsbezeichnung «Kulturschaffender» findet er zwar nicht falsch, doch er legt Wert darauf: «Ich bin selbstständig.» Um vom Beruf leben zu können, müsse er unternehmerisch denken und handeln.

Schwab ist seit drei Jahren Gemeinderat mit dem Ressort Bildung. Die Atmosphäre im Rat beschreibt er als «zu weiten Teilen konstruktiv und positiv». Zum Streit der SP mit Dominique Folletête will sich Schwab nicht äussern, nur so viel: «Es war ein einmaliges, gegenseitiges Aufschaukeln.

Folletêtes und meine politischen Ansichten waren oft unterschiedlich», sagt Schwab, «aber es gab auch Gemeinsamkeiten, zum Beispiel in der Kulturpolitik.» Beim Auslöser der Auseinandersetzung – der Zentrumsplanung – stand Andreas Schwab auf der Seite der SP. Sie verlangte eine vertiefte Abklärung zu den Gemeindeliegenschaften.

Dass die Gemeinde den Kauf des Postareals nicht einmal prüft, hält Schwab für eine verpasste Chance. «Doch auch mit diesem Entscheid kann noch einiges gemacht werden.» Dies, weil die Gemeinde mit der Zone mit Planungspflicht ein Projekt beeinflussen kann. Das Kirchgemeindehaus sei für ihn «keine Herzensangelegenheit», sagt er. Denn es sei sanierungsbedürftig und liege am Siedlungsrand. «Doch es wird wohl zu einem Kauf kommen.»

Als seine Stärken bezeichnet Schwab die Fähigkeit, gut mit Leuten umzugehen. «Ich kann zuhören und bin verlässlich», sagt er über sich. Als Gemeindepräsident möchte er eine Person zum Anfassen sein. Die Stärken von Bremgarten sieht Schwab nebst der Nähe zu Bern im Naturraum Aare und dem geschützten Birchi-Plateau. «Das Siedlungsgebiet sollte nicht ausgedehnt werden, allenfalls könnte man es verdichten.»

Schwab möchte ein moderneres Bremgarten. Stichworte: das Energiestadt-Label, eine neu gestaltete Website und Offenheit gegenüber Kommunikationsformen wie zum Beispiel Twitter.

Berner Zeitung

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