«Skandal-Urteil» gegen 031-Schläger

Bern

Das Urteil gegen den 031-Schläger ist aus Sicht von Adrian Wüthrich (SP) ein Skandal. Wer einen Polizisten trete, müsse zwingend ins Gefängnis, findet der Präsident des Polizeiverbandes Kanton Bern.

Adrian Wüthrich, Präsident des kantonalen Polizeiverbandes, findet das Urteil gegen den 031-Schläger zu mild.

Adrian Wüthrich, Präsident des kantonalen Polizeiverbandes, findet das Urteil gegen den 031-Schläger zu mild.

(Bild: Urs Baumann)

Ralph Heiniger

Herr Wüthrich, was halten Sie vom Urteil gegen den Mann, der einen Polizisten an den Kopf getreten hatte?
Adrian Wüthrich: Das Urteil ist aus unserer Sicht skandalös. Wenn man einen Polizisten, der am Boden kniet, mit dem Fuss mit Anlauf gegen den Kopf treten kann, ohne ins Gefängnis zu müssen, ist das Urteil zu mild. Wenigstens hat das Gericht anerkannt, dass es sich um versuchte schwere Körperverletzung handelt.

Was wäre aus Ihrer Sicht ein angemessenes Urteil?
Ich äussere mich nicht zur Zeitdauer einer Freiheitsstrafe. Das ist die Aufgabe der Justiz. Aber als Präsident des kantonalen Polizeiverbandes bin ich klar der Meinung, dass eine derartige Tat zwingend mit Gefängnis bestraft werden muss.

Hat eine bedingte Strafe aus Ihrer Sicht eine Wirkung?
Wir fordern alle in unserer Gesellschaft auf, Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten zu bekämpfen. Das Gewaltmonopol liegt in unserem Staat aufgrund der demokratisch festgelegten Regeln bei der Polizei. Nur wenn Attacken gegen Polizisten mit unbedingten Gefängnisstrafen sanktioniert werden, haben die Strafen auch eine abschreckende Wirkung. Wenn es Schule macht, dass man für eine solche Tat nur eine bedingte Freiheitsstrafe erhält, dann ist das praktisch wie eine Einladung zu weiterer Gewalt gegen die Polizei.

Spielt es aus Sicht der Polizei eine Rolle, dass der Täter laut dem Gericht der 031-Gruppierung angehört?
Wir stellen fest, dass endlich jemand gefasst und verurteilt wurde, der dieser Szene zuzurechnen ist. Entsprechend bräuchte es aber eben ein klareres, deutlicheres Urteil. Die Polizei ist für Ruhe, Ordnung und Sicherheit in unserem Kanton zuständig. Diese Arbeit führt sie mit bestem Wissen und Gewissen durch. Da erwarten wir insbesondere von der Staatsanwaltschaft in Fällen von Gewalt gegen die Polizei Nulltoleranz, sodass die Täter vor Gericht gestellt und wirkungsvoll verurteilt werden.

Fühlt sich die Polizei von der Justiz angemessen verteidigt?
Wenn wir merken sollten, dass es so weitergeht, dass Gewalt gegen Polizisten weiterhin nur mit milden Strafen sanktioniert wird, dann müssen wir uns überlegen, ob wir nicht politisch vorgehen müssten, um das Strafmass bei solchen Taten heraufzusetzen.

Machen wir ein Gedankenspiel: Stellen wir uns vor, der Fall wäre nicht in Worblaufen, sondern in Paris oder in New York passiert. Was wäre dort geschehen?
Wir sind mit dem Rechtsstaat und der Justiz in der Schweiz im Prinzip sehr gut bedient. Ich möchte keine Vergleiche mit dem Ausland anstellen. Ich sage einfach, dass dieses Urteil aus unserer Sicht zu mild ist.

Beim Angriff erlitt ein Polizist einen Kieferbruch, ein anderer Kiefer wurde ausgerenkt, ein Finger musste nach einem Biss genäht werden. Wie geht man mit solchen Situationen um?
Solche Vorfälle sind natürlich eine grosse Belastung für die Polizisten und ihr privates Umfeld. Aber jede Polizistin und jeder Polizist weiss, dass man im Einsatz mit schwierigen Situationen und Gewalt konfrontiert werden kann.

Wie werden die Polizisten auf solche Situationen vorbereitet?
Die Polizisten sind heute sehr gut ausgebildet. Gerade in Bereichen Deeskalation und Community-Policing sind unsere Leute sehr gut geschult. Vielleicht haben manche Bürger den Eindruck, dass sich die Polizei in einigen Situationen zu rasch zurückziehen würde. Aber meistens ist das die bessere Option, als sich selbst in Gefahr zu bringen. Man ist sich bei der Polizei sehr wohl bewusst, dass man einen schwierigen und gefährlichen Job hat, aber man wird sehr gut dafür ausgebildet.

Zur Person: Adrian Wüthrich (35) ist Präsident des Polizeiverbandes Bern-Kanton. Er ist für die SP im Grossen Rat und im Gemeinderat von Huttwil. Neu soll er auch Präsident von Travailsuisse werden.

Berner Zeitung

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