Stadt Bern spricht Geld für Altersbetreuung zu Hause

Bern

Notrufsysteme, Mahlzeitendienste oder Mittagstische: Bei den Angeboten für Senioren fehlt es an Geld. Mit 700'000 Franken will die Stadt Bern die finanzielle Lücke schliessen.

Die Stadt Bern will Angebote für Senioren, wie zum Beispiel Mittagstische, finanziell unterstützen.

Die Stadt Bern will Angebote für Senioren, wie zum Beispiel Mittagstische, finanziell unterstützen.

(Bild: Keystone)

Die Stadt geht von etwa 800 Betroffenen aus: Alte Menschen mit wenig Geld, die sich keine Betreuung zuhause leisten können. Sie essen zu wenig, schaffen es nicht mehr, zu waschen und zu putzen, sie stürzen oder können nicht mehr selbständig das Haus verlassen.

Meistens können sich diese Menschen nicht wie Besserbetuchte einfach einen Mahlzeitendienst, einen Notrufknopf, eine Haushaltshilfe oder einen sicheren Haltegriff im Badezimmer leisten. «Das darf nicht sein», sagte Gemeinderätin Franziska Teuscher gestern an einer Medienorientierung.

Die Stadt will diesen Betroffenen deshalb versuchsweise gewisse Dienstleistungen zahlen. Nach drei Jahren will sie Bilanz ziehen: Gelingt es, dass mittellose Betagte dank dieser Unterstützung länger zuhause leben können, statt dass sie mangels Betreuung vorzeitig und unfreiwillig ins Pflegeheim umziehen müssen?

Möglich wäre zum Beispiel, dass die Stadt ein Notrufsystem für monatlich 70 Franken, eine Mahlzeitenlieferung für 320 Franken oder eine Haushaltshilfe für 200 Franken finanziert. Auch eine Rampe, ein Geländer oder einen Haltegriff würde sie bezahlen. Pro Monat gibt es maximal 500 Franken. Das Geld werde nicht nach dem «Giesskannenprinzip» verteilt, versichert Marcel Schenk, Geschäftsleiter der Pro Senectute des Kantons Bern. Die Pro Senectute wird abklären, wer unterstützt wird und welche Hilfe den Betroffenen am meisten nützt.

Profitieren von der Betreuungsfinanzierung können AHV-Rentnerinnen und -Rentner mit Wohnsitz in der Stadt Bern, die Unterstützung brauchen, jedoch laut Steuerveranlagung weniger als 32'000 Franken pro Jahr zur Verfügung haben. Sie können sich ab Mai bei der Pro Senectute für eine Bedarfsabklärung melden.

Wie viele Personen die Stadt versuchsweise unterstützen wird, kann Nicole Stutzmann, Leiterin des Kompetenzzentrums Alter des Alters- und Versicherungsamts der Stadt Bern, schwer abschätzen. Ein ähnliches Programm gibt es derzeit nur in der Stadt Luzern. Dort haben sich innerhalb eines Jahres weniger als fünf Personen angemeldet. Für Bern rechnet Nicole Stutzmann vorerst mit maximal 50 Anmeldungen. Fürs erste Jahr hat die Stadt 100'000 Franken, fürs zweite und dritte Jahr je 200'000 Franken reserviert.

Anmeldeformular: www.bern.ch/betreuungsgutsprachen. Auskünfte: 031'321'63'11.

Berner Zeitung

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