Stadt will Ringhof kaufen

Berns Stadt­parlament will am Sitz der Kantonspolizei in der Lorraine nach deren Auszug ein Haus der Vereine einrichten.

Der Ringhof wird voraussichtlich 2025 frei, wenn die Kapo in Niederwangen einen Neubau bezieht.

Der Ringhof wird voraussichtlich 2025 frei, wenn die Kapo in Niederwangen einen Neubau bezieht.

(Bild: Urs Baumann)

Christoph Hämmann

Stadtrat Tom Berger (JF) schien ernsthaft erschüttert. «Gibt es irgendetwas, das in dieser Stadt nicht zur Staatsaufgabe erklärt wird?», fragte er am Donnerstag im Parlament. Die Idee der Freien Fraktion, im Ringhof am Nordring nach dem Auszug der Kantonspolizei ein Haus der Vereine einzurichten, fand er absurd. Er bezweifle den Bedarf, und es sei nicht Aufgabe des Staats, ein solches Haus zu unterstützen.

Freie Fraktion, GB/JA, SP/Juso sowie der Grossteil von GFL/EVP sahen dies anders: Mit 31 Ja- gegen 26 Nein-Stimmen (bei 3 Enthaltungen) wurde die Motion überwiesen.

Sie beauftragt den Gemeinderat, mit dem Kanton Verhandlungen über den Kauf des Ringhofs aufzunehmen – und sonst nach anderen Räumen zu suchen. Der Ringhof wird voraussichtlich 2025 frei, wenn die Kapo in Niederwangen einen Neubau bezieht.

In der Westschweiz bewährt

Laut Motionärin Christa Ammann (AL) haben viele NGOs, Verbände und Vereine, aber auch Kunstschaffende Mühe, in Bern bezahlbare Büros und Übungsräume zu finden. Mit je vier Ober- und Untergeschossen sei der Ringhof für vielfältige Nutzungen geeignet.

«Und ein gemeinsames Dach würde Vernetzung und Synergien ermöglichen», so Ammann. In der Westschweiz und in Frankreich seien solche Häuser verbreitet und würden von der öffentlichen Hand unterstützt. Im Ringhof seien Wohnungen, Schulräume und ein Quartiertreff ebenfalls denkbar.

Finanzdirektor Michael Aebersold (SP) mochte die ablehnende Antwort des Gemeinderats, die sein freisinniger Vorgänger geprägt hatte, «nicht mit viel Herzblut vertreten».

Die Stadt sei ­heute am Kauf von frei werdenden Liegenschaften interessiert. «Der Ringhof ist interessant – aber nicht zu jedem Preis», sagte Aebersold, der bisher die Er­fahrung machen musste, dass Bund und Kanton bei Immobilienverkäufen den Meistbietenden berücksichtigen.

Berner Zeitung

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