Steinhölzli-Prozess: Täter und Opfer waren einst Freunde

Köniz/Bern

Vor vier Jahren erschoss ein Türke bei der Bushaltestelle Steinhölzli einen Geschäftskonkurrenten. Jetzt steht er vor Gericht.

  • loading indicator
Johannes Reichen

Die tödliche Kugel wurde später beim Zieglerspital gefunden. Am 26. Dezember 2011 erschoss ein 32-jähriger Türke seinen 39-jährigen Landsmann und Geschäftskonkurrenten. Bei der Bushaltestelle Steinhölzli in Köniz drückte er mit einer Pistole aus kurzer Distanz ab. Die Kugel durchschlug das Herz des Opfers. Der Mann wurde ins Zieglerspital gefahren. Dort konnte sein Leben nicht mehr gerettet werden.

Seit Montag läuft der Prozess vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland. Der Angeklagte ist der vorsätzlichen Tötung beschuldigt, eventuell im Notwehrexzess begangen. Er ist geständig. «Ich wollte nicht schiessen.» Er habe sich nur bewaffnet, weil er Angst hatte, getötet zu werden. Als er im Gerichtssaal die Schussabgabe demonstriert, zeigt seine Hand fast gerade nach oben.

Mit «Blutrache» gedroht

Die beiden Männer kannten sich bestens. Die Schwester des Opfers sagte über den Angeklagten: «Er war ein enger Freund und in unserer Familie integriert.» Ihr Bruder sei sogar Gast an dessen Hochzeit gewesen. Zudem war der Angeklagte eine Zeit lang auch beim Zügelunternehmen angestellt, das dem Opfer gehörte. Dann machte er sich selbstständig und wurde zum Konkurrenten.

Dies führte zu einem heftigen Streit, über den im Gericht aber kaum etwas bekannt wird. Der Angeklagte sagt aus, dass er gegen die «Machenschaften» des Kontrahenten gerichtlich vorgegangen sei. Zudem habe er sich wehren müssen gegen Beleidigungen und Drohungen, die gegen seine Mutter und seine Frau gerichtet waren. Im Sommer 2011 schwörte er seinem Gegner in einer Mail «Blutrache». Diese habe er dann aber nicht in Tat umgesetzt. Die Ereignisse vom 26. Dezember 2011 hätten damit nichts zu tun.

Aus Angst geflüchtet

Das erste Aufeinandertreffen an jenem zweiten Weihnachtstag ereignete sich im Restaurant Dostlar in Bern. Dort schlug der Angeklagte zuerst seinen Kontrahenten. Es folgten weitere Schläge, bis mehrere Personen dazwischengingen. Der Angeklagte fuhr ins Büro seiner Firma und steckte eine Pistole ein. Er rief seine Frau an, sie solle daheim bleiben, die Tür abschliessen und nicht nach draussen gehen. Dann fuhr er in die Star-Pizzeria in Köniz, traf Kollegen, bestellte Pizza und Kaffee.

Sein Kontrahent wiederum trommelte sechs Leute zusammen. Darunter war sein Bruder, der am Montag vor Gericht aussagte. Er kann aber auch nicht erklären, was das Ziel der Aktion war. «Mein Bruder sagte mir nur, dass es eine Auseinandersetzung gegeben hatte.»

Am Abend machte sich die siebenköpfige Gruppe zur Star-Pizzeria auf. Wie sie von der Anwesenheit des späteren Täters erfahren hatte, ist unklar. Dieser jedenfalls bekam es angesichts des grossen Aufgebots mit der Angst zu tun. «Ich hatte gehört, dass er mich töten will.» Mit einem Kollegen flüchtete er im Auto. Die Fahrt wurde aber bald von einem haltenden Bus gestoppt.

Kurz darauf trafen die Verfolger bei der Haltestelle ein. Sie waren mit Baseballschlägern bewaffnet. «Sie schlugen mich mehrmals auf den Kopf», sagt der Angeklagte. Er zückte die Pistole und schoss zweimal. Einmal in die Luft.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt