Stille Nacht über der «Pläfe»

Bern

Seit zwei Monaten ist die Münsterplattform versuchsweise während der Nacht geöffnet. Laut den Berner Stadtbehörden gab es bisher keine speziellen Vorkommnisse.

Sicher noch bis Ende Oktober auch in der Nacht offen: die «Pläfe» beim Münster.

Sicher noch bis Ende Oktober auch in der Nacht offen: die «Pläfe» beim Münster.

(Bild: Susanne Keller)

Christoph Hämmann

So laut Anfang Mai im Berner Stadtparlament über die nächtliche Öffnung der Münsterplattform gestritten wurde, so leise und fast heimlich wurde der Pilotversuch vor gut zwei Monaten gestartet. Seit Anfang Juni und noch bis Ende Oktober werde die «Pläfe» nachts nicht mehr geschlossen, heisst es bei der zuständigen Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün (TVS) auf Anfrage. Öffentlich kommuniziert wurde der Start des Pilotversuchs nicht, laut TVS sind aber die Betroffenen direkt informiert worden.

Gefordert hatte den Versuch eine von links bis rechts reichende Koalition von GB/JA, GFL/EVP, GLP/JGLP und FDP/JF, die gemeinsam eine entsprechende Motion eingereicht hatte. Auch SP/Juso und die Freie Fraktion vom linken Rand schlossen sich dem Vorstoss an. Zuletzt wurde die Münsterplattform während der warmen Monate jeweils von 1 bis 6 Uhr geschlossen.

Nur SVP und CVP dagegen

Nun bleibt die «Pläfe» also fünf Monate lang nachts geöffnet, obwohl sich die Vereinigten Altstadtleiste und die Kirchgemeinde Münster klar gegen das neue Regime ausgesprochen hatten. Davon liessen sich aber weder der Gemeinderat, der die Motion zur Annahme empfohlen hatte, noch die wuchtige Mehrheit des Parlaments abhalten. Nur gerade neun Stadtratsmitglieder – sieben SVP-ler und die beiden der CVP – stimmten dagegen.

Während die SVP ein dramatisches Bild von Partys, Drogendeal und -konsum oder Vandalentum zeichnete, das einer nachts geöffneten Münsterplattform so gut wie sicher drohe, warnte die CVP davor, eine Verschlechterung des für sie perfekten Istzustands zu riskieren. Der grossen Mehrheit von 52 Ja-Stimmenden wollte aber nicht einleuchten, weshalb gerade die «Pläfe» nachts geschlossen werden sollte, während praktisch alle anderen öffentlichen Orte in der Stadt Bern rund um die Uhr geöffnet sind. Nach der 1983 verfügten Schliessung wegen Problemen mit der Drogenszene und des Missbrauchs der Plattform als Hundeklo sei es höchste Zeit, versuchsweise zu prüfen, ob heute verantwortungsvoller mit dem Freiraum umgegangenwürde.

TVS-Direktorin Ursula Wyss (SP) wies im Mai in der Stadtratsdebatte darauf hin, dass seit der verstärkten Belebung des öffentlichen Raums die Behörden immer wieder positiv überrascht worden seien, wie respektvoll die Bevölkerung mit den Freiheiten und dem Mobiliar umgehe. Gleichzeitig versprach sie, den Versuch eng zu begleiten und «sehr ernsthaft und in Zusammenarbeit mit allen Betroffenen» auszuwerten.

Das entsprechende Monitoring ist laut Christoph Schärer, Leiter Stadtgrün, im Gang. «Wir analysieren die Auswirkungen des Pilotversuchs», sagt er. «Darauf aufbauend wird über das weitere Vorgehen respektive über eine mögliche zukünftige Öffnung während der Nacht entschieden.» Erfreuliches Zwischenfazit: Bisher seien bei Stadtgrün keine speziellen Vorkommnisse festgestellt oder gemeldet worden.

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