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Storyteller am Piano

Der Pianist Louis Schwizgebel folgt einem straffen Zeitplan. Kürzlich noch in Birmingham, spielte er am Donnerstag im Rahmen der Meisterzyklus-Konzertreihe im ­Berner Kultur-Casino. Von Müdigkeit und Erschöpfung keine Spur.

Präzis, verspielt, humorvoll: Pianist Louis Schwizgebel.
Präzis, verspielt, humorvoll: Pianist Louis Schwizgebel.
Marco Borggreve/zvg

Mit sportlichem Elan und einer beeindruckenden Lässigkeit betritt der junge Romand die Bühne. Louis Schwizgebel beginnt, die Essenz aus dem schlichten Thema von Beethovens Klaviersonate Nummer 13 herauszuschälen. Doch der Funke scheint beim Berner Publikum trotz hingebungsvoll interpretierender linker Hand nicht vollends überzuspringen.

Die feuchtkalte Witterung führt zu zahlreichen Hustern, die im Solorezital unüberhörbar sind. Ob das Vorenthalten der populären «Mondschein­sonate» bis kurz vor der Pause letztlich einer dramaturgischen Massnahme geschuldet ist, bleibt offen. Mit ihr gelingt dem 29-jährigen Tonkünstler schliesslich das, was er auf eindrucksvolle Weise beherrscht – das Geschichtenerzählen.

Klingende Bilder

Schwizgebel läuft insbesondere mit Mussorgskys «Bilder einer Ausstellung» zur Höchstform auf und taucht in die manchmal witzig-skurrilen Bilder und Stimmungen ein, ohne sich darin zu verlieren. Vielmehr bringt er dem Publikum die Gefühle näher, die der Komponist beim Besuch der Gedenkausstellung für seinen Freund Viktor Hartmann empfunden und in Noten gefasst hat.

Das Talent, Menschen zu unterhalten, spiegelt sich bei Schwizgebel nicht nur im Klavierspiel. So nutzt er seine Fingerfertigkeit auch zum Falten von Origami oder für Zaubertricks. Die dafür notwendige Präzision zeigt sich in seiner zarten und pathosfreien Melodieführung. Dass Schwizgebel auch über eine Portion kindlichen Humor verfügt, zeigt sich in Videos wie «Nozart» (in dem er beweist, dass er das Piano auch mit der Nase beherrscht) und anderen Kuriositäten, mit denen er seine Onlinecommunity amüsiert.

Dieser ­Facettenreichtum prägt seine Musik. Dennoch – Schwizgebel ist kein Träumer, der sich der Welt entzieht. Er interagiert mit ihr und gibt Mussorgskys Melodien so realistisch wieder, dass beim «Ballett der Küklein» der Eindruck entsteht, als ob sie auf seinen Tasten herumtanzen und er mit ihnen spielt.

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