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Tilia hat eine erste Etappe geschafft

Mehr Einerzimmer für mehr Privatsphäre – die Tilia-Stiftung hat ihr Haus in Köniz saniert. Die gemeinschaftlichen WCs und Duschen sind aber nicht gänzlich verschwunden. Beim Umbau der nächsten Heime soll das bereits anders sein.

Frieda Binz?zügelte trotz ihres Alters nochmals: Die 109-Jährige schätzt die Aussicht ins Grüne.
Frieda Binz?zügelte trotz ihres Alters nochmals: Die 109-Jährige schätzt die Aussicht ins Grüne.
Christian Pfander
Tilia bietet in Köniz?nach wie vor auch Zweierzimmer an.
Tilia bietet in Köniz?nach wie vor auch Zweierzimmer an.
Christian Pfander
Elisabeth Althaus muss sich an die neue Umgebung gewöhnen.
Elisabeth Althaus muss sich an die neue Umgebung gewöhnen.
Christian Pfander
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Zufrieden sitzt Helene Schönthal im Foyer des Pflegeheims Tilia in Köniz. Alles ist so neu und ungewohnt im markanten Bau aus den 1970er-Jahren, der zuoberst im Buchseequartier am Könizbergwald steht. Rund 40 Millionen Franken hat die Tilia-Stiftung für eine umfassende Sanierung aufgewendet, die dem Block ein ­neues Gesicht gibt. Der Eingang zeigt es augenfällig. Er ist nicht mehr im ersten Stock zu finden, sondern im Parterre – wer Tilia Köniz besucht, erklimmt nicht mehr die Aussenrampe, sondern tritt ebenerdig ein.

In diesem Eingangsbereich also verbringt Helene Schönthal ­ihre Zeit, und sie stellt fest: «Ich bin froh, dass wir wieder zurück sind.» Immerhin hatte sie schon vor dem Umbau fünf Jahre im ­alten Tilia Köniz gelebt. Für die drei Jahre Bauzeit hiess es dann, nach Bern ins neue Alterszentrum Schönberg zu zügeln. Dort sei ihr, der waschechten Könizerin, gar nicht wohl gewesen. Auf der einen Seite die Autobahn, auf der anderen nichts als Blöcke – «hier dagegen habe ich einen weiten Blick hinüber zum Gurten». Sagts und weist mit dem Kopf in Richtung Glastür.

Wie alt sie denn sei? «Raten Sie mal», antwortet sie und stellt mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen fest: «92½ Jahre.» Wie heisst es doch so schön? Alte Bäume verpflanzt man nicht. Bei Helene Schönthal scheint diese Redensart definitiv nicht zuzutreffen.

Balkone sind verschwunden

Nicht selten kommen in sanierten Pflegeheimen mehr Leute unter als vorher (siehe Kasten). Bei Tilia in Köniz ist das anders. «Wir bieten unverändert 138 Betten an», klärt die Kommunikationsbeauftragte Christine Chappuis auf. Seit den Anfängen in den 1970er-Jahren seien im Haus sogar acht Plätze abgebaut worden, nein: «Wir wollten eine moderne, zeitgemässe Infrastruktur schaffen, die den Bedürfnissen der heutigen Bewohnerinnen und Bewohner entspricht.»

Was sie meint, führt sie eins zu eins im achten Stock vor. Sie öffnet Tür um Tür, gewährt hier den Blick in ein geräumiges Ei­ner- und da den Blick in ein noch ­etwas geräumigeres Zwei­er­zim­mer. Zweierzimmer? Es stimme, sagt sie, dass Privatsphäre gefragt sei und der Trend klar in Richtung Einerzimmer laufe, gesteht Christine Chappuis ein. Doch sei in der bestehenden Gebäudestruktur der Bau von Einerzimmern nicht durchgängig möglich gewesen. Aber: Ihre Anzahl sei im Vergleich zu früher markant gestiegen.

Den zusätzlichen Platz hat die Stiftung just in dieser obersten Etage geschaffen, um den sie das alte Gebäude aufgestockt hat. Dazu in der ersten Etage, wo der alte Eingangsbereich einer Abteilung für Demenzkranke gewichen ist. Verschwunden sind weiter die Balkone, die, so Christine Chappuis, ohnehin nur mässig genutzt worden seien. Ihre Fläche wurde den Zimmern zugeschlagen.

Es geht gleich weiter

Draussen auf der Terrasse hat es sich Elisabeth Althaus gemütlich gemacht. Ihr ergeht es genau anders als Helene Schönthal: «Mir war wohler vorher», erklärt die 73-Jährige, die aus der Stadt Bern hergezogen ist. Dort hatte sie lange Jahre im eigenen Haus an der Sandrainstrasse gewohnt, bis ein Unfall den Wechsel ins Tilia Elfenau nötig machte. Dort lebte sie bis vor zwei Wochen – kein Wunder, dass sie nochmals betont, wie gewöhnungsbedürftig für sie die neue Umgebung sei.

Elisabeth Althaus steht für das, was Christine Chappuis nun anschneidet. Denn Köniz ist nur das erste von mehreren Sanierungsprojekten der an sechs Standorten verankerten Tilia-Stiftung. In ähnlicher Art baue man nun das 80-plätzige Heim in der Elfenau um, seine Bewohnerinnen und Bewohner seien schon nach Köniz verlegt worden. Später folge das Haus in Ittigen mit seinen 75 Betten – «in den Jahren 2023/2024 werden wir zu einem ersten Abschluss kommen».

Dann lenkt Christine Chappuis die Aufmerksamkeit zurück nach Köniz, öffnet eine Tür, die vom Gang in ein gemeinschaftliches Badezimmer mit WC und Dusche geht. Denn auch nach dem Umbau haben nicht alle Zimmer eine eigene Nasszelle, das allerdings, stellt sie in Aussicht, werde in der Elfenau und in Ittigen dereinst anders sein. So rasch ändern sich die Zeiten: «Als wir vor zehn Jahren in Köniz zu planen anfingen, gehörten WC und Dusche noch nicht so selbstverständlich dazu wie heute.»

Die Älteste zügelte mit

Apropos alter Baum: Vom Alterszentrum Schönberg zurück nach Köniz gezogen ist auch Frieda Binz, mit 109 Jahren die älteste Frau in der Region Bern. Mit ­wachem Blick sitzt sie da, strahlt den Besuch an und schwärmt: «Ist die Aussicht ins Grüne nicht schön?»

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