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Tojo Theater: Düstere Dreiecksgeschichte

Schlicht und verstörend: Formation poe:son taucht mit «Bullet Rain» in die verschlungenen Abgründe der menschlichen Seele.

«Das ist der Augenblick, da nicht nur im Dickicht der Wälder, sondern auch im Dunkeln der Menschenherzen etwas geschieht», schrieb Sandor Marai, ungarischer Schriftsteller und Inspirationsquelle für das interdisziplinäre Theaterprojekt «Bullet Rain». Der Satz fällt in dem Augenblick, da die Lämpchen auf der Bühne angehen. Licht fällt auf das Innere eines Klaviers, dessen Holzschutz entfernt wurde. Licht fällt auch auf Konrad, der wie ein angeschossenes Tier am Piano sitzt, Akkorde drückt und stöhnt. Regen und die Feuchtigkeit des Dschungels haben ihm zugesetzt. Erinnerungen und die Einsamkeit treiben ihn in den Wahnsinn. Ist es der Regen, der aufs Dach trommelt, oder das Echo eines Kugelhagels? Sind seine Exfreunde Krisztina und Henrik wirklich mit ihm im Dschungel, oder sind sie blosse Halluzinationen?

Dichte Atmosphäre

Formation poe:son, die freie Gruppe um Regisseurin Sarah-Maria Bürgin, feiert mit «Bullet Rain» ihr 10-Jahre-Jubiläum. Immer wieder haben sie sich seit ihrer Gründung auf die Suche gemacht nach neuen Formen des Erzählens, nach neuen Verbindungen zwischen Musik, Kunst und Theater. So auch für diese düstere Dreiecksgeschichte. Auf einer schlichten, von grünen Leuchtflächen begrenzten Bühne (Jens Burde) vermischen sie animalische Geräusche, traumartige Tierhetzen und verstörende Gesangseinlagen zu einer dichten Dschungelatmosphäre.

Blick ins Innere

Mit tänzerischen, akustischen und performativen Elementen sowie einnehmender Präsenz überzeugen die drei Schauspieler Patricia Noçon, Kenneth Huber und Kurt Grünenfelder. Sie tauchen in die Abgründe der menschlichen Seele und zeigen, wie Einsamkeit einen Menschen zum Tier machen kann. «Bullet Rain» bleibt vage und unkonkret, erlaubt aber freies Assoziieren. Beispielsweise mit den Romanen Hemingways, vor allem aber mit Joseph Conrad und seiner wohl bekanntesten Erzählung über die Reise in den Kongo und «in das Herz einer ungeheueren Finsternis».

Weitere Vorstellungen: Mittwoch, 5., bis Samstag, 8.November, täglich um 20.30 Uhr im Tojo Theater. www.tojo.ch

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