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Tschäppät, ganz Mensch

Der Autor Claude Kuhn ist Plakatkünstler und Ausstellungsmacher.

Der schönen Aare nach: Alexander Tschäppät vor einigen Jahren mit Fabian, dem jüngeren seiner beiden Söhne (heute 21), und den Vizsla-Jagdhunden Tartuffa und Luce. Tschäppät startet jeden Tag mit einem einstündigen (Hunde-)Spaziergang.
Der schönen Aare nach: Alexander Tschäppät vor einigen Jahren mit Fabian, dem jüngeren seiner beiden Söhne (heute 21), und den Vizsla-Jagdhunden Tartuffa und Luce. Tschäppät startet jeden Tag mit einem einstündigen (Hunde-)Spaziergang.

Stadtpräsidenten haben perfekt zu sein, erst recht in Bern. Sie müssen volksnah-lokal und weltmännisch-international zugleich sein, jeden Politwirbel mit strahlender Bravour, gewinnendem Lächeln und brillianter Kommunikation meistern und stets wohlfeil das richtige Rezept auf den Tisch zaubern.

Alexander Tschäppät ist nicht perfekt. Nein, der Mann hat sogar nachweislich Schwächen. Zum Beispiel hat er eine Schwäche für die Menschen. Er mag Menschen. Er geht auf sie zu, ist gerne mit ihnen zusammen, setzt sich mit ihnen auseinander, hört ihnen zu, nimmt sich Zeit für sie und bringt ihnen Wertschätzung, Interesse und Respekt entgegen – egal, wo er sie trifft: ob in der Öffentlichkeit oder privat, am Parteianlass, unter den Lauben, in der Beiz, im Fussballstadion oder im Büro, beim Einkaufen oder Unterschriftensammeln. Er ist ein Freund der Menschen und darum kein Besserwisser, kein Hardliner. Sondern einer, der lebt und leben lässt. Aus Überzeugung.

Alexander Tschäppät hat sodann eine Schwäche fürs Ehrliche. Er ist grundehrlich in allem, was er tut. Das ist eine ärgerliche Sache für einen wie ihn, der das Herz auf der Zunge trägt, der emotional ist und der die Gabe hat, sich begeistern zu lassen. Da rutscht ihm schon mal das falsche Wort über die Lippen. Oder da lobt er gar überschwänglich, was ihm Freude, Stolz und Befriedigung bereitet. Dabei wäre zur Besänftigung der Heerscharen seiner Kritikern das Gegenteil vonnöten: mehr blutleere Konversation und mehr distanzierte Coolness.

Dumm auch, dass Alexander Tschäppät eine Schwäche fürs Echte hat. Ihm ist all das ein Gräuel, worauf andere Politikerinnen und Politiker schwören: aufs akademisch Komplizierte, aufs Auswendiglernen von Argumentationen und auf den festen Glauben in eine einzige, unfehlbare Lehre. PR- und Polit-Berater mögen ihn nicht, weil er hartnäckig beratungsresistent ist. Doch was macht halt einer, der das Leben und die Menschen kennt, weil er nicht nur Stapi ist, sondern auch mal Taxi fuhr und Reiseführer war? Er verlässt sich auf sein Gespür und seine Erfahrung. So braucht Alexander Tschäppät keine wissenschaftlich repräsentativen Umfragen, um zu wissen, wo den Leuten der Schuh drückt.

Und schliesslich hat Alexander Tschäppät noch eine Schwäche: Er hat eine Schwäche für Bern. Bern ist seine Stadt, sein Lebensmittelpunkt, seine Welt. Hierher gehört er, nirgendwo anders. Darum meint er es ernst mit dem Stadtpräsidium. Das Amt ist für ihn nicht einfach ein Job, den man abends wie einen Mantel in die Garderobe hängt. Vielmehr übt er sein Amt – rund um die Uhr und ohne Work-Life-Balance – mit Hingabe und Leidenschaft aus. Das macht den Mann angreifbar. Darum trifft es ihn persönlich, wenn Bern Opfer eines medialen Bashings wird oder der Kanton partout noch immer nicht begreifen will, was er an dieser Stadt hat und wie sehr er zu ihr Sorge tragen müsste.

Alexander Tschäppät ist halt ganz Mensch, aus Fleisch und Blut, und glücklicherweise nicht perfekt. Genau das macht ihn zu einem guten Stapi mit Herz und Verstand.

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