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Tunnel-Durchstich für die Fernwärme

Am Montag feierte Energie Wasser Bern einen Meilenstein beim Bau der neuen Kehrichtverwertungsanlage (KVA) im Forsthaus: Die Tunnelbohrmaschine hat von der Baustelle her die SBB-Gleise unterquert und ist am Warmbächliweg eingetroffen.

Der neue, 485 Meter lange Tunnel verbindet künftig die neue KVA im Forsthaus mit der bisherigen Hauptzentrale des Fernwärmenetzes am Warmbächliweg.
Der neue, 485 Meter lange Tunnel verbindet künftig die neue KVA im Forsthaus mit der bisherigen Hauptzentrale des Fernwärmenetzes am Warmbächliweg.
Susanne Keller

Als Mitte Oktober «Sissi» den Durchstich im längsten Tunnel der Welt gelang, liefen in Bern gerade die Vorbereitungen für einen Mikrotunnel: Statt 9,58 mit gerade mal 3,6 Metern Durchmesser frass sich dann die kleine Schwester der grossen Tunnelbohrmaschine ab der Baustelle im Forsthaus durch Kies und Ton.

In 18 Metern Tiefe begann sie ihr Werk, und letzte Woche vollendete sie den 485 Meter langen Tunnel bei der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) am Warmbächliweg in etwas mehr als 7 Metern Tiefe. Gestern feierte die Projektleitung in eisiger Kälte den Durchstich. Im Tunnel werden diverse Leitungen untergebracht, vor allem verbindet er die neue KVA von Energie Wasser Bern (EWB) mit dem Fernwärmenetz der bestehenden Anlage.

Sicherheit wird grossgeschrieben

«Acht Männer bedienten die 130 Tonnen schwere Maschine», sagt Guido Meier vom Bauunternehmen Implenia. Er leitet in Bern die «Special Tunnel Works». «Microtunneling» nennt sich das Verfahren in der Fachsprache: «Damit niemand beleidigt ist», sagt Meier schmunzelnd. Seine Männer sorgten dafür, dass der verflüssigte Aushub des Bohrkopfs via Rohrleitungen den Tunnel verliess. Mit schweren Betonelementen musste der Tunnelquerschnitt unmittelbar hinter dem Vortrieb gesichert werden. Die Elemente wurden mit 700 Tonnen Druck vom Portal her nachgeschoben.

«Tunnelbauer sind eine eingeschworene Truppe», erzählt Gaston Winkler, Sicherheitsbeauftragter von EWB. «Sicherheit wird bei ihnen grossgeschrieben.» Wie im Loch im Gotthard stand auch in Bern eine Zeremonie für die Schutzheilige der Tunnelbauer, die heilige Barbara, am Anfang der Bauarbeiten. Die zierliche Statue sitzt momentan noch inmitten von massiven Stahlträgern im Schacht des Tunnelportals, beleuchtet von einer Leuchtkette.

Letzte Etappe wird in Angriff genommen

Für Winkler waren die Arbeiten am Tunnel eine spezielle Angelegenheit: «Es durfte keinerlei Absenkungen geben, weil wir die SBB-Gleise beim Güterbahnhof unterquerten», schildert er. Doch das Untertagteam meisterte die Herausforderung. Um die Weihnachtszeit waren sie unter den Gleisen am Werk, die Messungen der SBB blieben im grünen Bereich. Gestern nun stand die namenlose Tunnelbohrmaschine sanft drehend am Ausgang des Stollens, als ob sie nach getaner Arbeit Lockerungsübungen machte. Doch ganz zu Ende ist das Bohren nicht.

Diese Woche wird der Maulwurf aus Stahl in ein neues Loch versetzt, um die letzte Etappe in Angriff zu nehmen. Laut EWB-Projektleiter Urs Thöni unterquert sie dabei mit zwölf Metern pro Tag eine 300-jährige Eiche, ohne diese zu entwurzeln. «Das war eine der Auflagen», ergänzt er. Danach verlässt die Schwester von «Sissi» Bern und reist samt heiliger Barbara und ihren Tunnelbauern in Richtung Glarnerland.

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