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Um Staus zu vermeiden, baut der Bund nur nachts

Diese Baustelle hat es in sich. Sie wird am Abend eingerichtet und am Morgen wieder aufgelöst. Das soll Staus verhindern: Auf der stark befahrenen A1 zwischen Schönbühl und Kriegstetten ersetzt der Bund schadhaften Belag.

Auf der Autobahn A1 zwischen Schoenbuehl und Kriegsstetten wird der Belag während rund 60 Nächten saniert.
Auf der Autobahn A1 zwischen Schoenbuehl und Kriegsstetten wird der Belag während rund 60 Nächten saniert.
Susanne Keller
Wenn die Arbeiter mit Druckluft Belagsreste wegblasen, entsteht eine Staubwolke. Sie erregt Aufmerksamkeit.
Wenn die Arbeiter mit Druckluft Belagsreste wegblasen, entsteht eine Staubwolke. Sie erregt Aufmerksamkeit.
Susanne Keller
Der Untergrund ist bereits mit Bitumen überzogen. Bald kommt der Lastwagen und wird eine Schicht Splitt ausschütten.
Der Untergrund ist bereits mit Bitumen überzogen. Bald kommt der Lastwagen und wird eine Schicht Splitt ausschütten.
Susanne Keller
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«Aufgepasst, gleich wird der Verkehr stocken.» Edi Stämpfli muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, was in den kommenden Minuten passiert. Seit bald einem Monat ist er im Auftrag des Bundesamts für Strassen (Astra) unterwegs, um die Bauarbeiten auf der Autobahn zwischen Schönbühl und Kriegstetten zu überwachen.

Bis im Herbst wird hier in drei Etappen jeweils auf der rechten Spur schadhafter Belag ausgewechselt. Elf Kilometer stehen alles in allem auf dem Programm, im Moment stehen die Maschinen etwa auf Höhe Mattstetten.

Eine Staubwolke

Ein Stück weiter vorn hat sich ein Lastwagen in Position gebracht. Gleich wird er rückwärtsfahren und aus der Kippmulde eine dünne Schicht Splitt auf den mit Bitumen überzogenen Untergrund schütten. «Das gibt Action», schwärmt Stämpfli, nicht ohne noch auf ein weiteres Team hinter dem Lastwagen hinzuweisen. Mit Druckluft blasen dort die Arbeiter Reste des abgefrästen alten Belags weg.

Eine grosse Staubwolke macht sich breit, «und die», fährt der Oberbauleiter fort, «schauen sich die Leute immer an». Tatsächlich bremsen die Autos auf der Überholspur plötzlich leicht ab. Der Verkehr rauscht nicht mehr so flüssig vorbei wie gerade noch.

Viel Aufwand

Solche Momente lassen sich ganz offensichtlich nicht vermeiden. Auch wenn sie nicht in der Absicht der Planer im Astra liegen, die die Arbeiten zwischen Schönbühl und Kriegstetten bewusst in die ruhigeren Nachtstunden verlegt haben: «Eine konventionelle, auch tagsüber offene Baustelle würde die stark befahrene Autobahn über Gebühr belasten», erklärt Astra-Sprecher Mark Siegenthaler.

Bei den aktuell 80'000 Fahrzeugen pro Tag sei die Gefahr gross, dass es vor der gesperrten rechten Spur zu Staus komme. Zumal auf diesem Abschnitt besonders viele Lastwagen unterwegs seien.

Der Bund lässt sich diese Philosophie einiges kosten. Statt auf 2,5 Millionen Franken kommen die drei Etappen nun auf 5 Millionen zu stehen. Nur nachts zu bauen, ist halt aufwendig. Abend für Abend wird die rechte Spur von neuem gesperrt, die Baustelle von neuem eingerichtet. Die diversen Maschinen, Fräsen und Walzen müssen hergefahren und wieder weggebracht werden – bei Dauerbetrieb, sagt Mark Siegenthaler, wäre all dies nicht nötig.

Im Verzug

Dazu kommt, dass auch der Belagseinbau an sich heikler ist. Die Temperaturen müssen zwischen 15 und 20 Grad liegen, im Notfall reichen schon 10 Grad. Zudem darf es nicht regnen – denn bei Nässe, klärt Edi Stämpfli auf, verbinde sich das Bitumen schlecht mit dem Untergrund. Bei einer fest installierten Baustelle habe man dieses Problem nicht. «Wenn es regnet, kann ich einfach warten, bis der Boden wieder trocken ist.» Diese Zeit habe er hier nicht, weil er morgens ja immer fertig sein müsse.

Und zu den Temperaturen: Bei zu kaltem Wetter kühle der neue Belag zu schnell aus und lasse sich beim Walzen zu wenig stark verdichten. Im Fall der Fälle könne zwar etwas heisser angeliefert werden, doch dann leide die Qualität. Bei zu warmem Wetter wiederum werde der neue Belag zu langsam hart und sei nicht stabil genug, wenn die Spur am Morgen für den Verkehr wieder freigegeben werden müsse.

Wieder ist das knappe Zeitfenster über Nacht schuld, und das hat für die aktuelle Baustelle bereits Folgen. Weil es bis jetzt nie richtig Sommer werden wollte, sind die Arbeiter bereits eine Woche im Verzug.

Und doch ein Stau

Mittlerweile liegt der Splitt auf dem Bitumen, langsam rollt der Lastwagen weg. Auf die dünne Schicht wird später der neue Belag aufgetragen, wie Edi Stämpfli weiter ausführt. Mark Siegenthaler erklärt derweil, warum zwischen Schönbühl und Kriegstetten überhaupt gebaut wird. «Der alte Belag hat nach rund zehn Jahren seine Lebensdauer erreicht.» Das zeige sich an den tiefen Spurrinnen, einer Folge des regen Lastwagenverkehrs.

Zuweilen sind auch am Abend viele Leute unterwegs. Dann gibt es trotz allem Stau. Wie letzten Sonntag nach dem Konzert der Rocklegende Bon Jovi in Bern: Einige Leute waren darob so verärgert, dass sie auf der Höhe der Baustelle eigens nochmals anhielten und die Arbeiter zusammenstauchten. Dass hinter ihnen die Kolonnen nur länger wurden, störte sie nicht.

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