Uni Bern will Einladung zum Mond annehmen

Man werde alles tun, um dabei zu sein, sagt Physiker Peter Wurz.

Peter Wurz ist Co-Leiter der Abteilung für Weltraumforschung und Planetologie.

Peter Wurz ist Co-Leiter der Abteilung für Weltraumforschung und Planetologie.

(Bild: Raphael Moser)

Quentin Schlapbach@qscBZ

Solch ein Angebot bekommt man nicht alle Tage: Thomas Zurbuchen, Forschungschef der Nasa, sagte im gestrigen Interview mit dieser Zeitung, dass er die Universität Bern für die nächste bemannte Mondmission 2024 einladen werde. «Ich habe das mit meinem Team besprochen.

Wir sind an einer Zusammenarbeit interessiert», so Zurbuchen, der Anfang der 90er-Jahre selbst am Physikalischen Institut der Uni Bern studierte. Bereits im Herbst wird die Nasa den Berner Forschern voraussichtlich mitteilen, was die wissenschaftlichen Prioritäten des nächsten Mond-Trips sein werden. Dann liegt der Ball bei der Uni. «Sie muss selber herausfinden, was sie zur Mission beitragen kann», so Zurbuchen.

Der Platz an Bord ist knapp

Bei der Universität Bern nimmt man das einmalige Angebot dankbar an. «Wir werden natürlich alles Mögliche tun, um bei dieser Mission dabei zu sein, gar keine Frage», sagt Peter Wurz, Professor und Co-Leiter der Abteilung für Weltraumforschung und Planetologie.

Der Österreicher ist seit 1992 am Physikalischen Institut der Uni Bern tätig. Er weiss, was für einen Stellenwert die Mondmission 1969 für seinen Arbeitgeber bis heute hat. Damals konnte die Uni Bern das berühmte Sonnenwindsegel mit auf den Mond schicken. «Als ich hier anfing, hing das Reservemodell noch immer im Kaffeeraum», sagt Wurz.

Er und seine Mitarbeitenden werden sich nun Gedanken machen, was für ein wissenschaftliches Messinstrument sie diesmal auf den Mond schicken könnten. Was bereits klar ist: Allzu viel Platz im Raumschiff werden sie nicht haben. Es wird um jedes Gramm und um jeden Quadratzentimeter an Bord gekämpft werden.

«Mit fünf Kilogramm könnten wir schon viel anfangen», gibt sich Wurz bescheiden. Er lässt durchblicken, was diese Apparatur dereinst leisten soll. «Ein Ziel der Mission wird es sein, auf dem Mond Ressourcen für einen längerfristigen Aufenthalt zu schaffen», so Wurz. Er vergleicht es mit einem mehrtägigen Trip in die Wildnis, bei dem man im Vorfeld nicht alles einpacken kann.

«Wir wollen herausfinden, wie wir auf dem Mond Sauerstoff und Treibstoff erzeugen können.» Die Erkenntnisse, die man in einer extremen Umgebung wie dem Mond sammeln könne, sollen später auch mithelfen, die Ressourcen- und Energieprobleme auf der Erde zu lösen.

Mission kostet Millionen

Falls das Physikalische Institut der Uni Bern tatsächlich einen Platz an Bord des Raumschiffs bekommen sollte, müsste es sich auch um die Finanzierung kümmern. Zwar wird die Reise zum Mond gratis sein, «aber unser Ding müssen wir schon selbst stemmen», sagt Wurz. Bei dem Instrument wird es sich um ein Stück Spitzentechnologie handeln, das entsprechend Geld kosten wird.

«Da sprechen wir von mehreren Millionen Franken», sagt Wurz. Er ist aber überzeugt, dass sich ein finanzielles Engagement – an dem sich auch der Kanton Bern beteiligen dürfte – rechnen wird. «Schlussendlich investieren wir vor allem in Menschen», sagt Wurz. Das Wissen, das sich die Mitarbeitenden in dieser Zeit aneignen werden, werde später auch in die Schweizer Wirtschaft fliessen.

Berner Zeitung

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