USA verweigern Berner Rapper Nativ die Einreise

Eigentlich wollte Thierry Gnahoré ab Anfang Februar ein halbes Jahr lang in New York leben: Er hatte eines der Stadtberner New-York-Stipendien erhalten. Nun aber bleibt er zuhause. Die US-Behörden verweigern ihm die Einreise.

Wegen «früherer, kleinerer Gesetzesübertretungen» verweigern ihm die USA die Einreise, wie der Berner Rapper Nativ sagt.

Wegen «früherer, kleinerer Gesetzesübertretungen» verweigern ihm die USA die Einreise, wie der Berner Rapper Nativ sagt. Bild: Urs Baumann

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Ein halbes Jahr lang in New York leben, mit eigener Wohnung und allem, was dazugehört: Beinahe wäre für den Berner Thierry Gnahoré, besser bekannt als Rapper Nativ, ein Traum wahr geworden. Aber eben nur beinahe. Denn nun darf Nativ seine Reise in den «Big Apple» nicht antreten.

Von Februar bis Juli hätte Nativ in den USA weilen wollen, finanziert hätte er sich seinen Aufenthalt mittels einem mit 15'000 Franken dotierten Stipendium, das er von der Stadt Bern erhalten hat. Daraus wird nun nichts: «Ich werde die Schweiz nicht verlassen, denn mir wird die Einreise in die USA verweigert», schrieb Nativ am Montag auf seiner Facebookseite.

Frühere Gesetzesverstösse

Nachdem er die letzten drei Monate damit verbracht habe, «irgendwelche Unterlagen» an die Botschaft der USA zu senden, sei nun der definitive Entscheid gefallen, schreibt der 22-Jährige. Als Grund für das Einreiseverbot nennt Nativ gegenüber dem «Bund» «frühere, kleinere Gesetzesübertretungen», welche die US-Behörden als gravierend empfunden hätten.

Peter Schranz, stellvertretender Leiter von Kultur Stadt Bern, bestätigt Nativs Angaben. Das Visum sei Thierry Gnahoré effektiv verweigert worden. Schranz, der jeweils bei der Vergabe des Stadtberner New-York-Stipendiums mitwirkt, bezeichnet die Einreiseverweigerung als «grosse Enttäuschung».

«Ich hätte es Thierry gegönnt, wenn er als junger Rapper dieses Stipendium hätte in Anspruch nehmen können und hoffe, dass dieser Vorfall in seiner künstlerischen Karriere keinen Knick hinterlässt», betont Schranz.

Als Reaktion auf den Entscheid hat Schranz sogar einen Brief an das US-Konsulat geschrieben und dieses um ein weiteres Gespräch gebeten. «Es wäre schön gewesen, wenn Thierry gegenüber dem Konsulat noch einmal seine Position hätte darstellen dürfen», so Schranz. Dazu kam es aber nicht: Das Gespräch wurde seitens der US-Behörden verweigert.

Und wie geht es nun weiter? «Thierry Gnahoré muss die 15'000 Franken Stipendiumsgeld zurückzahlen», sagt Schranz. Wie das New Yorker Atelier, auf das Nativ eigentlich Anrecht gehabt hätte, nun während den kommenden sechs Monaten besetzt wird, ist derzeit noch unklar. «Es gibt immer Bewerbungen», meint Schranz dazu und erklärt, man sei diesbezüglich mit der Schauspielerin Linda Geiser, der das Atelier gehört, in Kontakt.

Fest steht: Nativs Stipendium wird nicht an jemand weitergegeben, der sich letztes Jahr dafür beworben hat. Das wäre zu kurzfristig. Und: Der Filmschaffende Tim Dürig, der nebst Nativ das zweite New-York-Stipendium der Stadt Bern erhalten hat, weilt bereits in den USA. Er verliess die Schweiz wie geplant Anfang Februar.

Stinkefinger für Hollande

Nativ veröffentlicht sowohl solo als auch mit dem Rap-Kollektiv «S.O.S» regelmässig Musik, die sich inzwischen grosser Beliebtheit erfreut. Vor knapp zwei Jahren löste der damals 21-Jährige eine kleine diplomatische Krise aus, als er auf einem Selfie mit Frankreichs Präsident François Hollande auf dem Bundesplatz den Stinkefinger zeigte. (chh)

Erstellt: 14.02.2017, 11:49 Uhr

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