Verwirrung um vergünstigte Wohnungen in Bümpliz

Wurde in Bümpliz etwas gemischelt mit vergünstigten Wohnungen, die die Stadt zuvor sanieren liess?

Trotz neuer Balkone blieben die Mieten im Kleefeld tief. Foto: rot

Trotz neuer Balkone blieben die Mieten im Kleefeld tief. Foto: rot

Christoph Hämmann

«Aebersold verkauft alle für blöd.» Derart harsch kritisierte die GLP letzte Woche auf Twitter den ­­Finanzdirektor der Stadt Bern, Michael Aebersold (SP).

Die Kritik bezog sich auf einen Artikel im «Bund», der wie diese Zeitung über den Immobilien-Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Bern und die Sanierung zweier Wohnblöcke im Bümplizer Kleefeldquartier berichtet hatte. Weil die Häuser neu über Aussenwärmedämmung, dreifach verglaste Fenster sowie grössere Balkone verfügen, mussten laut «Bund» die Mietzinsen erhöht werden. Da die Wohnungen aber anschliessend in das Segment «Günstiger Wohnraum mit Vermietungskriterien (GüWR)» aufgenommen worden seien, habe der damit verbundene Rabatt den Mietern letztlich einen leicht günstigeren Zins als in der alten Wohnung beschert.

Zwei Verträge

Dies war der Punkt, der die GLP erzürnte. «Wir bezweifeln, dass alle Mietparteien die Anforderungen für GüWR-Wohnungen erfüllen», hiess es deshalb in dem Tweet weiter. Doch die Sache hat zwei Haken. Zum einen hat der Artikel Fehler – weil die Stadt «irrtümlich kommuniziert» hat, wie Immobilien Stadt Bern einräumt: Die Wohnungen wurden nicht günstiger. Zum anderen hätte jemand, der mit dem Thema vertraut ist, wegen dieser Fehler stutzig werden müssen – und hätte besser erst bei der Stadt nachgefragt, als gleich mal einen wütenden Tweet zu verschicken (oder zu liken).

Die Sache ist die: Die 48 Wohnungen in den beiden Häusern – je 24 3- und 4-Zimmer-Wohnungen – waren schon vor der Sanierung als GüWR-fähig eingestuft. Das heisst, dass die Mietparteien zwei Verträge akzeptierten: Ist ihr Einkommen und ihr Vermögen tief genug, damit sie GüWR-berechtigt sind, zahlen sie die vergünstigte Miete. Erfüllen sie hingegen die GüWR-Kriterien nicht, wird ihnen die tatsächliche Kostenmiete in Rechnung gestellt. Das war vor der Sanierung so, und das gilt weiterhin.

Konkret heisst das, dass eine 3-Zimmer-Wohnung ohne GüWR-Rabatt vor der Sanierung durchschnittlich 933 Franken kostete (4 Zimmer: 1095 Fr.). Neu betragen die Mieten 982 und 1168 Franken. Wer den GüWR-Rabatt abziehen kann (und eben bereits vor der Sanierung konnte), zahlt monatlich 98 beziehungsweise 116 Franken weniger. 13 der 24 3-Zimmer-Wohnungen sind im Segment GüWR vermietet, von den 24 4-Zimmer-Wohnungen sind es 15.

Verschiedene Eingriffstiefen

Bleibt die Frage, wieso die Mietparteien ohne Anrecht auf eine Verbilligung in ihren Wohnungen bleiben können, wo doch beispielsweise im Breitenrain an der Attinghausenstrasse die Mieterinnen und Mieter anlässlich der Sanierung trotz Protesten ausziehen mussten. Der Unterschied: Dort wurde tiefer in das Haus eingegriffen und die Sanierung «im entmieteten Zustand durchgeführt», wie Immobilien Stadt Bern schreibt. Anders im Kleefeld, wo im bewohnten Zustand saniert wurde und deshalb niemand ausziehen musste.

Die Bürgerlichen stören sich daran, dass nicht in allen GüWR-fähigen Wohnungen Leute leben, die darauf angewiesen sind. Gegen einen Systemwechsel, bei dem Berechtigte unabhängig von ihrer Wohnung unterstützt würden, spricht auf der anderen Seite, dass Vermieter mitunter überteuerte Mieten verlangen, wenn der Staat mitzahlt.

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