Volleyballer muss ins Gefängnis

Der angebliche Banker, der das Geld seiner Sportkollegen verprasste, muss ins Gefängnis. Er sei nicht spielsüchtig, sondern faul, meint das Wirtschaftsstrafgericht.

Weil er unter anderem seine Freunde um insgesamt 690 000 Franken brachte, wurde der Volleyballspieler aus der Region Bern am Freitag zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt.

Weil er unter anderem seine Freunde um insgesamt 690 000 Franken brachte, wurde der Volleyballspieler aus der Region Bern am Freitag zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt.

(Bild: iStock/ Symbolbild)

Johannes Reichen

Während die Gerichtspräsidentin das Urteil verlas, hielt sich der Mann ständig eine Hand vors Gesicht. Als wollte er, der Volleyballspieler, die Worte abwehren, die wie Smashbälle in seine Richtung flogen. Doch dieser Block nützte nichts, es gab nichts mehr zu verteidigen für den 33-Jährigen. Am Ende resultierte eine Niederlage in drei Sätzen.

Erstens verurteilte das Berner Wirtschaftsstrafgericht den Mann aus der Region Bern wegen gewerbsmässigen Betrugs, Veruntreuung und Urkunden­fälschung. Zweitens sprach das Gericht eine 36-monatige Freiheitsstrafe aus. Drittens muss er davon 12 Monate Gefängnis absitzen, die restlichen 24 Monate erfolgen auf Bewährung.

Naiv, nicht leichtsinnig

Zwischen 2010 und 2016 hätte der Mann für acht Personen das Vermögen verwalten und vermehren sollen, so war es abgemacht. Stattdessen hatte er das Geld aber einfach verprasst, insgesamt fast 690 000 Franken. Weiter hatte er unter falschen Namen Kredite von fast 65 000 Franken beantragt. Und schliesslich auch noch 21 000 Franken veruntreut – das Vermögen seiner Grossmutter, die das Geld eigentlich für das Altersheim benötigt hätte.

«Von einem langjährigen Freund hintergangen zu werden, ist etwas vom Schlimmsten, was einem passieren kann.»Barbara Lips Gerichtspräsidentin

Die meisten seiner Opfer fand er aber vorwiegend in jenem Volleyballclub, in dem er bis heute aktiv ist – unter seinen Freunden. Und deshalb, sagte Gerichtspräsidentin Barbara Lips, gehe es in diesem Fall nicht nur um Geld, sondern vor allem um enttäuschtes Vertrauen. «Von einem langjährigen Freund hintergangen zu werden, ist etwas vom Schlimmsten, was einem passieren kann.»

Sport statt Arbeit

Nur mit einem Opfer war er nicht eng befreundet. Eine Bekannte aus einem Trainingscamp hatte ihm 500 000 Franken anvertraut. Ihr gegenüber habe er sich als Bankangestellter ausgegeben und vorgegeben, das Geld sicher anzulegen. Sie sei zwar naiv gewesen, aber nicht leichtsinnig. Sie habe nicht erkennen können, dass er sie täusche und das Geld für sich selbst brauche, so das Gericht.

Warum es überhaupt so weit kam, dass der Mann «beruflich nicht einmal halbwegs Fuss fassen konnte», wie Lips sagte, ist für das Gericht ein Rätsel. Obschon er intelligent und eloquent sei, weise seine Biografie Brüche auf. Offensichtlich hingegen ist für das Gericht: «Er betrieb lieber seine Hobbys und führte ein gemütliches Leben.»

Spätestens ab 2008 habe er auf eigenen und fremde Namen Kredite aufnehmen müssen. Das Geld von den Konten, die er für seine Freunde verwaltete, brauchte er, um Schulden zu ­bezahlen, an der Börse zu spekulieren und auf Sportresultate zu setzen, wie Lips sagte. Einen echten Willen, das geschuldete Geld auch zurückzuzahlen, konnte das Gericht aber nicht erkennen.

Keine Spielsucht

Schon seit einiger Zeit lässt sich der Verurteilte bei der «Berner Gesundheit» wegen Spielsucht therapieren. Er will jetzt sogar eine Broschüre zum Thema herausgeben. Allerdings: Aus Sicht des Gerichts liegt gar keine solche Sucht vor. Er sei nämlich durchaus in der Lage gewesen, sein Spielverhalten zu kontrollieren. Von einem sozialen Rückzug könne keine Rede sein.

«Er hat nicht ständig an der Börse gehandelt», sagte die Richterin. Teilweise habe er gearbeitet, dazu Sport getrieben, Sportunterricht erteilt. Zwischen den Delikten hätten oft viele Monate gelegen oder mehr als ein Jahr. Lips: «Er lebte nicht das Leben eines Süchtigen, sondern das eines Mannes, der auf Kosten anderer in den Tag hineinlebt.» Und er habe als erfolgreicher Börsenhändler dastehen wollen.

Doch dem Volleyballspieler missriet auch dieser Plan.

Berner Zeitung

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