Vom Starchirurgen zum umtriebigen Rentner

Der Berner Zahnimplantologe Daniel Buser hat am Mittwoch seinen letzten Arbeitstag. Weniger Termine hat er deswegen nicht. Buser engagiert sich weiterhin für die Forschung, den Tourismus und den Sport.

Auch nach seiner Pensionierung wird Daniel Buser ein viel beschäftigter Mann sein. Foto: Raphael Moser

Auch nach seiner Pensionierung wird Daniel Buser ein viel beschäftigter Mann sein. Foto: Raphael Moser

Daniel Buser hat in seinem Fach das geschafft, was dem Weltraumforscher Johannes Geiss mit seinem Sonnenwindsegel gelang: Beide führten ihre Disziplin in die Champions League. Buser, seit 2000 Professor an den Zahnmedizinischen Kliniken der Universität Bern (ZMK), gehört weltweit zu den führenden Persönlichkeiten in der Zahnmedizin. Der Implantologe erhielt als bisher Einziger die beiden wichtigsten Auszeichnungen in diesem Fach, den André-Schroeder- sowie den Branemark-Forschungspreis.

«Ich kann jetzt mehr trainieren,Ertüchtigungssport für denBlutkreislauf und die Muskulatur.»

Buser schloss sein Studium 1980 mit dem Staatsexamen an der Uni Bern ab, anschliessend folgte eine Weiterbildung in Oralchirurgie. Nach Aufenthalten in den USA wurde er 2000 Ordinarius und Direktor der Klinik für Oralchirurgie.

Am Mittwoch hat der 65-Jährige seinen letzten Arbeitstag. Aber: «Ich nehme keine Auszeit», sagt er, «ich werde noch einen Tag pro Woche an den ZMK operieren.» Er freue sich jedoch darauf, dass er nicht mehr jeden Morgen um sechs Uhr aufstehen müsse. «Ich kann jetzt mehr trainieren, Ertüchtigungssport für den Blutkreislauf und die Muskulatur. Zudem spiele ich gerne Golf.»

Führender Medizinstandort

In erster Linie werde sich Buser aber um seine Hauptmandate kümmern. Eines davon: Er ist Verwaltungsratspräsident der Sitem-Insel AG. Dieses Kompetenzzentrum für Translationale Medizin auf dem Insel-Campus wird am 29. August offiziell eröffnet. Im Gebäude werden bis zu 400 Forscherinnen und Forscher unterschiedlicher Fachrichtungen arbeiten.

Das Zentrum will den Übergang von der medizinischen Forschung hin zu praktischen Anwendungen fördern. «Das ist eine hoch spannende Geschichte, der Kanton und die Universität Bern werden hier den führenden Medizinalstandort Bern aufbauen. Die Entwicklung von einer Idee hin zum Nutzen der Patienten wird schneller vorangetrieben», sagt Buser.

Im Neubau werden unter anderen auch CSL Behring sowie das Diabetes-Center Bern Forschung betreiben. Auch Teile der Zahnmedizinischen Kliniken würden einziehen. «Das alte Gebäude aus dem Jahr 1954 ist viel zu klein geworden.» Auf dem Insel-Areal sei zudem ein neues Gebäude für die ZMK geplant.

«Jetzt kann ich Kongresse immer mit Ferien verbinden.»

Er müsse dem Kanton Bern, der das Projekt Sitem-Insel angeregt habe, ein Kränzchen winden, meint Buser. «Vom Spatenstich bis zur Fertigstellung sind nur zwei Jahre vergangen, jetzt steht das 120-Millionen-Gebäude da.» Finanziert wurde es mit je 25 Millionen von Bund und Kanton, den Rest haben Private investiert.

Umbau und Konzerte

Ein anderes Amt, das Daniel Buser weiterhin beschäftigen wird, ist jenes als Verwaltungsratspräsident der Kongress + Kursaal Bern AG. «Der Kursaal ist eine Vorzeigefirma.» Buser hat in den vergangenen Jahren wichtige Kongresse der Zahnmedizin nach Bern geholt. «Wir möchten weiterhin jährlich ein bis zwei grosse Events im Kursaal durchführen, mit 500 bis 1000 Teilnehmenden.» Grossveranstaltungen seien wichtig für die Reputation, findet er.

Damit das Hotel Allegro konkurrenzfähig bleibe, werde es demnächst komplett renoviert. News gibts auch, was das Casino betrifft: «Wir arbeiten daran, eine Onlinelizenz zu erhalten», sagt Buser. Das würde bedeuten, dass Spielerinnen und Spieler von zu Hause aus am Computer ihr Glück versuchen können. Und schliesslich soll es in der Arena vermehrt Konzerte geben. «Wir sind mit den Machern des Gurtenfestivals im Gespräch, um musikalische Events im Kursaal durchzuführen.» Genaueres will er noch nicht sagen.

Konkreter wird Buser, wenn es um die Entwicklung von Bern Welcome und den Tourismus geht. Er ist Mitglied des Fördervereins Bern Tourismus. Im Januar kams mit der Entlassung von Chef Martin Bachofner zum Eklat. «Die Neubesetzung mit Manuela Angst, die ihren Job am 1. Januar 2020 aufnimmt, scheint sehr gut zu sein.

Es muss gelingen, eine touristische Strategie für die Stadt Bern zu entwickeln.» Alle Stakeholders müssten am gleichen Strick ziehen, so Buser. «Wir wollen nicht 10000 Chinesen in der Stadt, sondern hoch qualifizierte Anlässe und Konzerte. Man muss sich auf die mittelgrossen Events konzentrieren, die in Bern Platz haben.»

Sportförderung für Jugend

Und dann ist da noch der Sport, der den umtriebigen Pensionierten auf Trab hält. Während seiner Studienzeit spielte Buser Handball beim BSV Bern. Er hat es sogar in die Nationalmannschaft geschafft. Er sei zwar kein Ausnahmetalent gewesen, sagt er. «Ich war eher Sparringspartner der ganz Guten.» Aber diese Sportart hat ihn nie ganz losgelassen. Buser gründete vor mehreren Jahren mit zwei Freunden die Stiftung Jugendförderung Berner Handball.

In Gümligen wurde zudem eine Ballsporthalle initiiert und 2018 fertiggestellt. «Wir haben 7,7 Millionen Franken von privaten Spendern und 1,5 Millionen von Hansjörg Wyss erhalten», sagt Buser, der Präsident des Stiftungsrates ist. In dieser Halle werden diverse Ballsportarten für Kinder und Jugendliche angeboten. «Kürzlich haben wir auch einen Schnuppertag im Fechten durchgeführt, das war ein voller Erfolg.» Auch sportlich hat er Neues im Köcher: «Wir wollen eine Handball-Academy für Talentierte ab fünfzehn Jahren gründen.»

Busers Termine sind somit trotz Pensionierung nicht weniger geworden. Er hat bereits für nächstes Jahr gebucht: einen Zahnärztekongress in Singapur. Der Rentner freut sich darauf. «Jetzt kann ich Kongresse immer mit Ferien verbinden.»

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