Vom Velosolex bis zur Panzerabwehrkanone

Toffen

Am Samstag haben an der Auktion der Oldtimer-Galerie viele alte Fahrzeuge neue Besitzer gefunden.Den Höchstpreis erzielte ein Porsche-Traktor.

Schöne alte Motorräder und viele weitere Angebote lockten am Samstag nach Toffen. Fotos: Manuel Zingg

Schöne alte Motorräder und viele weitere Angebote lockten am Samstag nach Toffen. Fotos: Manuel Zingg

Rudolf Burger

Festbetrieb herrscht am Samstagnachmittag vor der Oldtimer-Galerie Toffen, es riecht nach Bratwurst und Pommes, und die schmale Gürbestrasse ist mit schönen Autos aus vielen Kantonen überstellt, darunter manche mit auffallend tiefen Nummern.

Hier treffen sich Hunderte Auto- und Töfffans, viele aus Neugier, ­­andere mit Kaufabsicht, zur Auktion von «klassischen Automobilen, Motorrädern und Traktoren». Über 100 Angebote – Lots – sind es, die auf neue Besitzer warten, die Schätzpreise reichen von 800 bis 250'000 Franken.

Eine besondere Note erhält der Anlass durch die Lots 72 bis 77, die Versteigerung von Militaria, darunter drei Kanonen, die im Katalog mit dem Zusatz «Verkauf nur an Schweizer Bürger!» versehen sind. Serge Stotzer, ­­Juniorchef der Oldtimer-Galerie, sieht in der Versteigerung dieser Waffen kein Problem: «Militaria gehören zum Schweizer Kulturgut», sagt er, «wir verkaufen die Kanonen ja nicht mit Munition und wissen nicht einmal, ob sie überhaupt funktionieren.»

Topolino ohne Motor

Vorerst geht es aber vor allem um Autos, die Auktionator Reto Breitenmoser an den Mann – ja, das Publikum ist nun einmal zu 90 Prozent männlich – zu bringen versucht. «Für viele Lots gibt es keine Limits», sagt Breiten­­moser gleich zu Beginn, «da haben Sie eine gute Chance.»

Das heisst übersetzt: Weil die Besitzer für jeden Preis verkaufen, kann man unter Umständen günstig zu einem Oldtimer kommen. Das erste Auto, ein Mercedes 300 CE, Jahrgang 1988, geht denn auch schon für bescheidene 4250 Franken weg – zum Steigerungspreis kommen allerdings noch 12 Prozent dazu, das Entgelt für Auktionator und Galeriebesitzer.

Kurios ist Lot 4, ein Fiat 500 A Topolino Jahrgang 1936 – ­­allerdings ohne Motor. «Die Frau sitzt, der Mann schiebt, das gibt ungefähr ein PS», sagt Auktionator Breitenmoser. Vorhanden ist auch ein Schweizer Fahrzeugausweis, wozu der allerdings gut sein soll, erschliesst sich den umstehenden Bietern nicht recht. Für 2'000 Franken findet das zum Stillstehen verurteilte «Mäuschen» einen neuen Besitzer.

«Jetzt zu den Traktoren, für alle die, die auch gerne einmal Subventionen hätten.» Reto Breitenmoser, Auktionator

Eine Kuriosität ist auch Lot 14A, ein Velosolex, das über­­raschend viele Bieter mobilisiert und für 1250 Franken versteigert wird. Ein Fan dieses Gefährts aus dem Jahr 1975 ist auch Jürg Meier aus Watt im Kanton Zürich, der mit einem Solex-T-Shirt «Hauptsach s’chlöpft und schtinkt» erschienen ist. Weil er schon vier Stück besitzt, steigert er aber nicht mit.

Ihn interessiert Lot 72, eine Armee-Feldküche mit Jahrgang 1946. Er will wissen, zu welchem Preis diese Küche verkauft wird – 6'000 Franken –, weil er selber eine besitzt und gedenkt, sie dem unterlegenen Bieter zu offerieren.

Für Lot 14, eine Harley-Davidson mit Seitenwagen, wird nicht genug geboten, Lot 37, ein Maserati Shamal 1992 wird für 50'000 Franken unter Vorbehalt versteigert – das heisst, der Verkäufer hätte dafür gerne 65'000 gehabt. Auch ein Bentley Saloon 1965 kommt mit 38'000 Franken nicht auf den erwünschten Preis von 45'000 Franken. Es ist auffallend, dass viele Geschäfte nur mit diesem Zusatz «unter Vorbehalt» abgeschlossen werden und sich der Verkäufer wird entscheiden müssen, ob er sich von seinem Oldtimer auch für weniger Geld als erhofft trennen kann.

Warten auf die Kanonen

Nach rund drei Stunden ist die Auktion bei Lot 73 angelangt, der ersten von drei Kanonen. Auktionator Breitenmoser erlaubt sich den Scherz, dass es dafür Computerangebote aus Syrien und dem Irak gebe.

Versteigert wird die Haubitze Jahrgang 1946 – Schätzpreis 15'000 bis 20'000 Franken – für bloss 1'000 Franken an einen Käufer weit hinten im Saal. Die Flugabwehrkanone 1944 mit Schätzpreis 5'000 bis 10000 geht für 2'250 Franken an einen ­­Kuriositätensammler aus dem Kanton Bern, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen will. Die Panzerabwehrkanone 1950 schliesslich, Schätzpreis wiederum 10'000 bis 15'000 Franken, wird für 1'500 Franken von zwei jungen Toffenern ersteigert, die im Auftrag eines Sammlers handeln.

Die drei Kanonen gingen weit unter dem Schätzpreis weg.

Traktor auf Sonntagsfahrt

«Jetzt zu den Traktoren, für alle die, die auch gerne einmal Subventionen hätten», sagt Auktionator Breitenmoser zu Lot 45, einem Porsche Junior 109 mit Jahrgang 1963, der mit 17'000 Franken über dem unteren Schätzpreis verkauft wird.

In der Folge zeigt sich, dass insbesondere Traktoren der Marke Porsche bei solchen Bietern auf Interesse stossen, die wohl nicht auf Subventionen angewiesen sind. So wird der Porsche-Traktor 409 mit Jahrgang 1962 unter Applaus zum Tageshöchstpreis von 200'000 Franken an einen Interessenten am Telefon verkauft.

«Bei der Marke Porsche spinnen die Leute», kommentiert ­­Richard Hunn aus dem solothurnischen Walterswil. Hunn selber bietet bei einigen Traktoren anderer Marken mit, kommt aber nicht zum Zug – wohl zur Freude seiner Frau, die ihn mit den Worten «Bring nüt hei» verabschiedet habe.

Zu erwähnen wäre noch Lot 46, ein Bührer-Traktor 1956, der für 3'000 Franken vom jungen Nick Böhi aus Bellach ersteigert wird. Und warum? «Aus Lust und Laune», sagt er, «es sieht einfach gut aus, am Sonntag mit zwei Frauen auf dem Kotflügel durchs Dorf zu fahren.»

Berner Zeitung

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