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Akrobatik unter dem Casino-Kronleuchter

Dinieren, lachen, staunen: Das Casino bringt mit «Jingle Bern» Luxus-Variété nach Bern. In diesem himmlischen Rahmen fehlt nur einer: der Teufel.

Hoffentlich geht nichts kaputt: Eine Artistin und ein Artist turnen in schwindelerregender Höhe – unweit der Casino-Decke. Foto: pd
Hoffentlich geht nichts kaputt: Eine Artistin und ein Artist turnen in schwindelerregender Höhe – unweit der Casino-Decke. Foto: pd

Irgendwann werden die Nummern gefährlicher, eine Artistin und ein Artist turnen am Reifen in luftiger Höhe, dann spicken sich zwei Männer auf der Wippe in Richtung Casino-Decke. Die Furcht vor Abstürzen treibt den Angstschweiss in die Hände und formt stumme Gebete auf den Lippen der Gäste. Denkt doch bitte an eure Gelenke! Und an den schönen grossen Casino-Kronleuchter!

Es ist Premiereabend im frisch renovierten Saal. Für die Variété-Show «Jingle Bern» sind die Konzert-Sitzreihen grossen runden Tischen gewichen, anstelle des verhaltenen Publikumshüstelns im klassischen Konzert klirren die Weingläser. Die Stühle knarren, wenn sie von der Dinier- in die Zuschauerposition gerückt werden.

Witzig und atemberaubend

Die Casino-Küche (Leitung: Florian Bettschen) serviert vier Gänge. Zwischen der Rubiger Lachsforelle, der Kürbissuppe mit den raffinierten Beilagenhäppchen, dem edlen Stück vom Kalb und dem leckeren Schokotörtchen wird gestaunt und gelacht. Der deutsche Comedy-Musiker Gabor Vosteen flötet aus allen Löchern, er versorgt mit Mund und Nase mehrere Instrumente aufs Mal mit Luft. Die Schweizerin Emy Vauthey verrenkt sich und tanzt. Magier Xavier Mortimer, eingeflogen aus Las Vegas, zaubert einen schwindlig. Eine Nummer jagt die andere, dazwischen bespasst die grossartige Barbara Hutzenlaub das Publikum.

Die Comedy-Figur zwischen schwäbischer Biederkeit und Roch’n’Roll hält mit ihren Auftritten das Programm zusammen, gemeinsam mit Bänz Friedli, der als Conferencier ebenfalls zu Hochform aufläuft. Doch erstaunlicherweise spielt sich bei all dem Spektakel das Beigemüse zur köstlichsten Komponente hervor: Das Trio Bachspace untermalt mit Klavier, Geige und Computer den Abend, mit frisch arrangierter Musik von Johann Sebastian Bach, gemischt mit elektronischen Komponenten.

Aus Winterthur importiert

Mit «Jingle Bern» bringt Casino-Kulturchef Nik Leuenberger das vorweihnächtliche Luxus-Variété (Eintritt ohne Getränke: 198 Franken) nach Bern. In seiner früheren Wirkungsstätte, dem Casinotheater Winterthur, hat das Konzept längst eingeschlagen. Dort sind seit Jahren jeweils zwei Dutzend Aufführungen ausverkauft. Im ersten Berner Jahr gibts viel Luft nach oben, nicht alle fünf Vorstellungen sind voll.

Dennoch dürfte die Berner Premiere die Casino-Crew zuversichtlich stimmen. Das Konzept funktioniert, vor dem edlen Hintergrund des schmucken Saals ist die Artistik gut aufgehoben, insbesondere wenn es in die Höhe geht. Wobei der Abend stellenweise etwas an der Hochglanzkulisse zu leiden scheint. Er ist gar sauber, gar poliert – vielleicht hätte ein richtig teuflischer Bruch mit der edlen Umgebung gutgetan.

Vorstellungen bis 1. 12.

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