Was für emotionale Tage

Ohne Hansueli und seinen vor zwei Wochen verstorbenen Bruder Andy Rihs würde es 2018 kaum einen Schweizer Meister YB geben.

  • loading indicator
Fabian Ruch

Hansueli Rihs hat äusserst emotionale Tage hinter sich. Am Mittwoch feierte der Besitzer von Rapperswil-Jona nach einer der umkämpftesten Serien in der Schweizer Eishockeygeschichte gegen Kloten den Aufstieg in die NLA. Das Siegtor fiel in der Verlängerung von Spiel 7. Und am Samstag zelebrierte der Besitzer der Young Boys im Stade de ­Suisse den ersten Meistertitel des Clubs seit 32 Jahren.

Das Siegtor gegen Luzern fiel in der zweitletzten Minute. Und das alles etwas mehr als eine Woche nachdem sein zwei Jahre älterer Bruder Andy Rihs gestorben war. «Wir haben gegen Luzern richtig gelitten», sagt Hansueli Rihs am späten Samstagabend, «umso schöner ist es nun, haben wir es doch noch geschafft.»

Das finanzielle Engagement

Ohne die Brüder Rihs wäre YB heute kaum Schweizer Meister. 2005 stiegen die beiden bei den Young Boys als Hauptaktionäre ein. Drei Jahre später kauften sie Urs Meile, Michael Bona und Peter Jauch, den Aktionären der ersten Stade-de-Suisse-Stunde, deren Anteil ab. Später auch noch Fritz Bösch und Benno ­Oertig den Rest. Insgesamt bezahlten die vermögenden Rihs-Brüder etwas weniger als 50 Millionen Franken für das gesamte Paket.

Er war stets mit Herzblut dabei. Vor zwei Wochen ist Andy Rihs verstoren. Foto: Andreas Blatter

Noch einmal deutlich mehr als jene Summe investierten die beiden in den Jahren zwischen 2010 und 2016, als es den Young Boys wirtschaftlich sehr schlecht ging, um die Defizite zu übernehmen. Die erfolgreichen Zürcher Geschäftsmänner kümmerten sich nicht immer mit Akribie um die Dinge in Bern, sie verliessen sich auf ihre Statthalter und Vertrauten und vertauschten an Pressekonferenzen schon mal die Namen von YB-Verantwortlichen.

Und sie änderten die Strategie in all den Jahren mehrmals, sie investierten mal und sparten mal, wechselten Entscheidungsträger aus, ärgerten sich über Rückschlage – und wurden zuletzt endlich für ihr Engagement belohnt. Mit einem finanziellen Gewinn in den Jahren 2017 und 2018. Und mit dem Meistertitel vorgestern. «Wir haben Andy und Hansueli Rihs so viel zu ver­danken», sagt YB-Trainer Adi Hütter. «Es ist schön, können wir ihnen etwas zurückgeben.»

Trotzdem mit Herzblut dabei

Andy und Hansueli Rihs waren und sind schwerreich, die Milliardäre gaben und geben sich aber leutselig. Andy war dabei stets lauter, direkter, jovialer. An eine Pressekonferenz im Herbst 2016, als YB mal wieder in einer Krise steckte, erschienen die beiden bodenständig im dunkelgrauen Poloshirt, Andy mit gelb-schwarzen Ringelsocken und Hansueli barfuss in Turnschuhen. Andy Rihs sagte an jener Veranstaltung, dass «Jöggi», wie sein Bruder genannt wird, und er keine Experten seien, den Fussball aber gerne hätten: «Wenn Sie meine Socken sehen, sehen Sie, ich bin grosser Fan von YB. Ich bin mit Herzblut dabei.»

Das lässt sich auch von Hansueli Rihs sagen. Am Samstagabend feierte er mit den Spielern, erst in der Kabine und später oben im VIP-Bereich, er wagte auch mal ein Tänzchen und genoss die Stunden im Stade de Suisse sehr. Die euphorisierten Fussballer stimmten Gesänge auf die YB-Besitzer an, Hansueli Rihs schüttelte Hunderte Hände und nahm alle paar Sekunden Gratulationen entgegen. Und natürlich dachte er dabei ständig an seinen Bruder, mit dem er bis zu dessen Tod über YB geredet habe. «Für ihn war klar, dass wir Meister werden», sagt Hansueli Rihs. «Es ist schön, durfte er mit diesem Wissen sterben.»

Heute ist YB attraktiv

Irgendwann werden Hansueli Rihs und die Familie von Andy Rihs das Stade de Suisse und den Club verkaufen. Das ist seit vielen Jahren die Absicht. Heute sind die Young Boys ein deutlich attraktiverer Verein als noch im Herbst 2016. Und spätestens seit diesem Wochenende wird niemand mehr ernsthaft behaupten, Hansueli Rihs liege das Engagement in Bern nicht am Herzen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt