Wegen Razzia: Berner Polizei im Visier der Justiz

Ostermundigen

Nach der Hausdurchsuchung beim Kollektiv Osterhase hat der Staatsanwalt eine Strafuntersuchung gegen mehrere Polizisten eingeleitet.

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Rund zwanzig bewaffnete Polizisten der Sondereinheit Enzian seien in das Haus gestürmt. Sie hätten Türen aufgebrochen, Fenster eingeschlagen und die Bewohnerinnen und Bewohner gefesselt. So beschreibt das Kollektiv Osterhase die Hausdurchsuchung, welche die Kantonspolizei am 19. August 2015 im ­besetzten Haus beim Bahnhof Ostermundigen vorgenommen hatte.

Mitglieder des Kollektivs reichten Anzeige gegen die Po­lizisten ein. Um dem Verdacht der Befangenheit vorzubeugen, ­kümmert sich nicht die Berner Staatsanwaltschaft um den Fall, sondern der Basler Staatsanwalt Alberto Fabbri. Er hat eine Strafuntersuchung gegen mehrere Mitarbeiter der Kantonspolizei eingeleitet, wie die Fernsehsendung «Schweiz aktuell» am Freitag berichtete. Es geht um den Verdacht auf Amtsmissbrauch, Körperverletzung, Gefährdung des Lebens, Hausfriedensbruch, Nötigung, Sachbeschädigung und Freiheitsberaubung. Seit der Eröffnung der Untersuchung habe er mehrere Befragungen durchgeführt, erklärt Fabbri gegenüber dieser Zeitung.

«Glaubwürdig»

Alberto Fabbri geht davon aus, seine Untersuchung im Juli abschliessen zu können. Er hat drei Möglichkeiten: Anklage beim Regionalgericht erheben, gegen einen oder mehrere Polizisten einen Strafbefehl erlassen – oder das Verfahren einstellen.

Die Hürden für ein Verfahren gegen Polizisten seien hoch, erklärte der Anwalt der Hausbewohner gegenüber «Schweiz aktuell». Dass der Staatsanwalt im Fall Ostermundigen eine Strafuntersuchung eingeleitet habe, zeige, «dass die Schilderungen der Betroffenen glaubwürdig sind», so der Anwalt.

«Mit Gewalt gerechnet»

Die Kantonspolizei äussert sich im Moment nicht zum laufenden Verfahren. Die Hintergründe der Hausdurchsuchung erklärte sie letzten Herbst in einem Communiqué: Beim Einbruch in eine Berner Bijouterie habe der mutmassliche Täter Gegenstände im Wert von über 150'000 Franken erbeutet. Der Mann habe sich mehrmals im durchsuchten Haus in Ostermundigen aufgehalten. Weil die Polizei vor der Hausdurch­suchung mit gewaltsamem Widerstand rechnete, zog sie ein entsprechendes Dispositiv auf. Der gesuchte Mann konnte trotzdem nicht verhaftet werden – er wurde später in Deutschland aufgespürt.

maz

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