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Kontroverse um neuen Namen - «Der Begriff ‹Heim› ist belastet»

Das Wohnheim Riggisberg heisst ab September neu Schlossgarten Riggisberg. Der Begriff «Heim» sei heute belastet, begründet Direktorin Regula Mader den Entscheid.

«Viele Menschen möchten nicht in ein Heim, fühlen sich abgeschoben oder nicht ernst genommen», begründet Direktorin Regula Mader den Entscheid zur Namensänderung.
«Viele Menschen möchten nicht in ein Heim, fühlen sich abgeschoben oder nicht ernst genommen», begründet Direktorin Regula Mader den Entscheid zur Namensänderung.

Am 2. September findet im Wohnheim Riggisberg ein grosses Fest statt. Die Einladungen dazu verschickte die Heimleitung vor wenigen Tagen. «Neuer Name - neuer Auftritt - neuer Wind» lautete der Titel des Schreibens. Er nimmt bereits vorweg, dass ab September einige Änderungen anstehen werden. «Aus dem Wohnheim Riggisberg wird der Schlossgarten Riggisberg. Wir treten unter dem neuen Namen neu und frisch auf», schreibt Direktorin Regula Mader an Bewohner, Angehörige und Mitarbeitende.

Auf Anfrage sagt sie, dass es bei der Namensänderung vor allem darum gehe, allfällige negative Konnotationen zu vermeiden. «Der Heimbegriff ist heute belastet. Viele Menschen möchten nicht in ein Heim, fühlen sich abgeschoben oder nicht ernst genommen. Nicht zuletzt auch aufgrund verschiedener ‹Heimskandale› der letzten Jahre und Jahrzehnte», so Mader.

«Gestützt auf UNO-Konvention»

Im Schreiben wird die Namensänderung aber auch mit gesetzlichen Vorgaben begründet: «Im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklungen und gestützt auf der UNO-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, das entsprechende Bundesgesetz und in Umsetzung des kantonalen Behindertenkonzepts ist eine Namensänderung sinnvoll und gefordert.» Hintergrund: Im letzten Bericht zur Menschenrechtslage in der Schweiz kritisierte die UNO, dass die Schweiz zu wenig gegen die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung unternehme.

Beschlossen wurde die Namensänderung an der letzten Generalversammlung des als Genossenschaft organisierten Wohnheims. Laut Mader ist dieser Entscheid «fast einstimmig» gefallen und wurde bisher positiv aufgenommen. «Die Reaktionen auf den Namenswechsel waren sehr gut», sagt Mader.

Eine alte Feindschaft

Weniger gut kam die Namensänderung in den Sozialen Medien weg. Das Schreiben publik machte nämlich der «Weltwoche»-Journalist Alex Baur auf Twitter. Er tat sogleich auch seine Meinung kund: «Hilfe: Heim darf nicht mehr Heim sein, weil Heim diskriminierend und menschenrechtswidrig. Idioten setzen sich durch.»

Das Verhältnis zwischen der «Weltwoche» und der ehemaligen SP-Regierungsstatthalterin Mader ist vorbelastet. 2012, als Mader Direktorin der Berner «Waldau»-Klinik war, fuhr das Wochenmagazin eine massive Kampagne gegen die Juristin. Diese Recherchen waren schlussendlich mitverantwortlich für Maders Abgang in der Waldau.

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