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Wie weit darf die Liebe gehen?

Das Festival «Tanz in Bern» knöpft sich die verbotene Liebe vor – und sucht die Ränder des Erträglichen.

Besessen von der Liebe: Szene aus «OCD Love».
Besessen von der Liebe: Szene aus «OCD Love».
PD/Ron Kedmi

Sie geht uns alle an. Doch was ist Liebe? Bei näherer Betrachtung wird es kompliziert. Da ist die Liebe zum Menschen. Wir lieben aber auch unsere Haustiere oder spüren eine Anziehung zu leblosen Dingen des Alltags.

«Es gibt so viele Definitionen von Liebe wie Ratgeber», sagt Anneli Binder. Die Tanzchefin der Dampfzentrale Bern hat dem Festival «Tanz in Bern» zum 10. Geburtstag das Motto «Verbotene Liebe» verpasst. Am Donnerstag geht es los.

An die Grenzen

Die elf Tanzproduktionen, darunter sechs Schweiz-Premieren, thematisieren die Vielgestalt der Liebe – mit ihren schönen, aber auch dunklen und verbotenen Seiten. An die Grenzen geht etwa diesen Freitag und Samstag «21 Pornographies» von Mette Ingvartsen.

Die dänische Künstlerin lotet die Themen Macht und Gewalt aus, die in der Pornografie alltäglich sind. Einige Szenen sind sehr explizit, doch Anneli Binder möchte den Eindruck einer tiefen Dürsternis abwenden und verspricht: «Es gibt auch schöne und freudige Szenen.» Dennoch: Zartbesaitete werden hier herausgefordert.

Ode an einen Verstorbenen

Die Performance «Put your heart under your feet ... and walk!» ist einem verstorbenen Geliebten gewidmet. Der südafrikanisch-französische Künstler Steven Cohen hat als Ausgangspunkt den Tod seines Lebenspartners Elu genommen.

Die Produktion geht der Frage nach, wie wir mit dem Verlust umgehen – und gleicht einer Ausstellung. Cohen drapiert unzählige Ballettschuhe auf der Bühne und choreografiert daraus sinnliche und berührende Szenen.

Mitreissend geht es in «OCD Love» zu und her. Die Abkürzung steht für «obsessive-compulsive disorder», also Zwangsstörung – wenn Liebe zur Obsession wird. Das Thema spricht für ein intensives Tanzerlebnis, unterlegt wird das Stück vom israelischen Tanzkollektiv L-E-V mit Technomusik.

Ab in die Rollschuhdisco

Die verbotene Liebe wird nicht nur tanzend untersucht. Wie üblich bei Tanz in Bern bietet das Rahmenprogramm reichhaltige Kost. Nebst Einführungen und Diskussionsveranstaltungen warten auch spezielle Formate: etwa ein Speeddating mit Experten, die man je ein paar Minuten lang zum Thema Liebe ausfragen darf.

Oder die fast schon traditionelle Rollschuhdisco. Für jene, die nach fast drei Wochen Festival eine Überdosis des Lebenselixiers Liebe erhalten haben, gibts zum Abschluss ein Katerfrühstück.

Tanz in Bern: 25. Oktober bis 11. November, Dampfzentrale und weitere Orte in Bern.Ganzes Programm: www.dampfzentrale.ch.

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