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Wifag streicht 170 weitere Stellen

Der Niedergang der Berner Wifag setzt sich fort: Der Traditionsbetrieb will künftig keine Druckmaschinen mehr produzieren, sondern nur noch die bestehenden Anlagen warten. Dafür reichen 60 Arbeitsplätze - die übrigen 170 Stellen dürften verschwinden.

Die Firma eröffnete am Freitag das Konsultationsverfahren, hielt aber zugleich fest, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sei: «Verwaltungsrat und Geschäftsleitung bemühen sich weiterhin intensiv um Lösungen, mit denen weitere Arbeitsplätze in Bern erhalten werden».

Nähere Angaben wollte CEO Werner Tschan nicht machen. Er werde aber «um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen», versicherte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Nebst den Serviceleistungen könne sich eventuell ein anderes Aufgabenfeld abseits der Druckmaschinenbranche auftun.

Den Unterhalt ihrer Maschinen will die Firma mit rund 60 Stellen sichern. Tschan betonte, die Wifag wolle ihren Verpflichtungen gegenüber den Kunden in aller Welt gerecht werden. Es gebe ja auch Anlagen, die erst ab Mitte 2011 überhaupt Zeitungen produzierten und dann noch jahrzehntelang in Betrieb seien dürften.

Skepsis bei Arbeitnehmern

Die Arbeitnehmer-Organisationen reagierten skeptisch auf die vagen Angaben. Die Angestellten Schweiz riefen die Geschäftsleitung zu mehr Transparenz auf; die Arbeitnehmer wollten bei der Suche nach neuen Lösungen mitreden.

Die Wifag stehe auf jeden Fall in der Pflicht, die vom Abbau betroffenen Menschen am gültigen Sozialplan zu beteiligen, erklärte ein Sprecher der Gewerkschaft Unia. Die neue Entlassungswelle habe sich im übrigen leider abgezeichnet.

Die Fabrik, die einst 650 Menschen beschäftigte, ist seit geraumer Zeit schwer angeschlagen. Bereits im letzten Jahr waren fast 400 Stellen gestrichen worden.

Neue Hoffnung schöpften die Arbeiter, als die Wifag- Verantwortlichen in diesem Frühling Verkaufsverhandlungen mit dem deutschen Druckmaschinen-Hersteller manroland aufnahm. Doch die beiden Parteien fanden sich nicht; die Verhandlungen wurden Mitte April abgebrochen.

Mehr als 100 Millionen verloren

Der Niedergang der Wifag setzte zu Beginn der 90er-Jahre ein, als die Zeitungsverleger den wachsenden Kostendruck weiterzugeben begannen. Einen ersten Preiseinbruch konnte die Firma dank eines neuen Produkts noch verkraften. Doch kurz nach der Jahrtausendwende brachen die Marktpreise nochmals ein.

Innert 15 Jahren erlitt die Wifag einen operativen Verlust von mehr als 100 Millionen Franken, wie sie kürzlich einräumte. Ihre Maschinen verkaufte sie unter den effektiven Kosten, um das Werk auszulasten. Die Verluste wurden durch Reserven gedeckt.

SDA/js, vh

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